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Vertragslaufzeit : So dumm sind die Kunden nicht

Wie lange sie wohl durchhält? Bild: dpa

Ob im Fitnessstudio oder im Mobilfunk: Die Justizministerin will kürzere Vertragslaufzeiten. Doch damit tut sie den Verbrauchern keinen Gefallen.

          2 Min.

          Ein Sieg für den Verbraucherschutz ist nicht unbedingt ein Sieg für die Verbraucher. Das wird Deutschland vielleicht bald bemerken, denn die große Koalition hat sich jetzt hinter die jüngste Idee von Justizministerin Christine Lambrecht gestellt: Bald dürfen Fitnessstudios, Handyanbieter und andere ihre Verträge noch höchstens ein Jahr lang laufen lassen, bevor der Kunde wieder kündigen kann. Das Vorhaben könnte sich als Niederlage für Kunden mit kleinem Geldbeutel erweisen.

          Wen das verwundert, muss nur auf die Angebote der Fitnessstudios schauen, zum Beispiel der Kette Elements: Da kann man sich die Laufzeit seines Vertrags aussuchen. Wer monatlich kündigen möchte, kann das tun. Dann zahlt er 50 Prozent mehr als jemand, der sich auf zwei Jahre festlegt. Planbarkeit ist für das Fitnessstudio eben auch etwas wert.

          Verbraucherschützer glauben oft, dass Kunden sich nicht selbst durchsetzen können und darum staatlichen Schutz brauchen. Tatsächlich aber kommt der Gesetzgeber mit seinen Vorschriften oft erst dann, wenn die Kunden schon gesiegt haben. So auch jetzt: Seit einigen Jahren ist es in Mode, dass Kunden sich nicht mehr lange binden wollen. Spotify und Netflix haben sich darauf eingestellt. Wer einen flexiblen Mobilfunk-Tarif haben möchte, wird ebenfalls schnell fündig. Auch Fitnessstudios sind unter dem Druck des Wettbewerbs schon längst dazu übergegangen, kürzere Laufzeiten anzubieten.

          Was wird passieren, wenn das Fitnessstudio seinen 24-Monats-Vertrag nicht mehr anbieten darf? Sicher weiß das heute niemand, es hängt auch vom Kundenverhalten ab. Naheliegend wäre aber, dass der 24-Monats-Vertrag mit dem günstigsten Preis einfach vom Markt verschwindet und die Kunden künftig mehr zahlen müssen.

          Warum Verbraucherschutz nicht allen nützt

          Dass Verbraucherschutz nicht immer allen nützt, das hat schon vor einigen Jahren der Oxford-Ökonom Mark Armstrong analysiert. Seine wichtige Annahme: Es gibt nicht nur ignorante Kunden, sondern auch solche, die sich gut informieren. Nun leben informierte und ignorante Kunden auf vielen Märkten nebeneinanderher. Wenn sicher ist, dass ignorante Kunden bei besserer Information ein anderes Produkt wählten, kann Verbraucherschutz helfen – zum Beispiel, indem giftige Lebensmittel verboten werden.

          Dann gibt es aber auch Märkte, auf denen schlecht informierte Kunden von den aufmerksamen profitieren. Da ist der Verbraucherschutz nicht so dringend. Wenn es im Dorf zwei Friseure gibt und einer schlecht schneidet, gehen die Dorfbewohner dort bald nicht mehr hin, der schlechtere Friseur muss schließen. Neuankömmlinge können sich bedenkenlos die Haare schneiden lassen und sehen vernünftig aus.

          Schließlich gibt es Märkte, auf denen die informierten Kunden von den ignoranten Kunden profitieren: Die Unternehmen decken ihre Kosten mit dem Geld der ignoranten Kunden, den informierten Kunden können sie einen größeren Rabatt einräumen. Die Reisewelt funktioniert oft nach diesem Motto: Wer das Hotel auf dem richtigen Weg bucht und sich rechtzeitig um seine Bordkarte kümmert, der zahlt weniger. Das ist gut, weil so ein Markt erstens Kunden einen Anreiz gibt, sich zu informieren. Dann gucken sie auch den Unternehmen genauer auf die Finger. Zweitens ermöglicht er Menschen mit wenig Geld, billig durchs Leben zu kommen, wenn sie gut aufpassen.

          Die Vertragslaufzeiten sind so ein Fall. Im Fitnessstudio kann man viel Geld sparen, wenn man sich den Kündigungstermin aufschreibt (oder gleich nach Vertragsschluss eine Kündigung schickt). Wer zwischendurch krank wird oder umziehen muss, kann unter Umständen außerordentlich kündigen– so aufmerksam sind die Gesetze schon. Gleiches gilt beim Mobilfunkvertrag: Wer ein luxuriöses Smartphone möchte, aber das Geld nicht flüssig hat, kann die Kosten mit einem langen Laufzeit-Vertrag heute problemlos über 24 Monate strecken, ohne gleich einen Kredit zu beantragen.

          All das erschwert die Justizministerin aus der SPD mit ihrem Vorhaben. Damit schadet sie den Verbrauchern, und ihrer eigenen Klientel am meisten.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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