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Die Konkurrenten : Chancenlos in Deutschland

Wal-Mart ist die größte Handelskette der Welt, aber nicht so international ausgerichtet wie Metro Bild: AP

Der Weltmarktführer Wal-Mart ist in Deutschland bitter gescheitet und hat resignierend seine Filialen an die Metro verkauft. Auch bei Carrefour, Nummer zwei in der Handelswelt, gab es Turbulenzen.

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          Die Metro ist der drittgrößte Handelskonzern der Welt. Mit weitem Abstand Weltmarktführer bleibt aber die amerikanische Wal-Mart. Im Vergleich mit der Metro und dem französischen Wettbewerber Carrefour konzentriert sich das Geschäft von Wal-Mart viel stärker auf den Heimatmarkt. Das Auslandsgeschäft von Wal-Mart steht für weniger als ein Viertel des Gesamtumsatzes, bei der Metro ist es mehr als die Hälfte.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Wal-Mart hat in den Vereinigten Staaten rund 4000 Geschäfte. Auf seinen 13 Auslandsmärkten, darunter Großbritannien, Brasilien, Mexiko und China, kommt Wal-Mart auf rund 2750 Filialen. Auch am deutschen Markt hat sich Wal-Mart versucht: Die Amerikaner stiegen hier im Jahr 1997 mit der Übernahme der Verbrauchermarktkette Wertkauf ein. Wal-Mart konnte sich aber in Deutschland nie etablieren und häufte hohe Verluste an. Im vergangenen Jahr verkauften die Amerikaner ihre 85 deutschen Märkte an die Metro.

          Schwierigkeiten auf dem Heimatmark

          Auch auf dem Heimatmarkt hatte Wal-Mart zuletzt große Schwierigkeiten und kämpft mit schwachen Umsätzen. Wal-Mart hat zwischenzeitlich erfolglos versucht, sich als Einkaufsziel für gehobenere Ansprüche zu positionieren und sein Billig-Image abzustreifen. Auch gelten nach einer jahrelangen aggressiven Expansion viele Regionen mittlerweile als gesättigt mit Wal-Mart-Märkten. Das Unternehmen hat daher unlängst angekündigt, seine bisherigen Expansionspläne deutlich zu drosseln. Nun stellt Wal-Mart zunehmend Niedrigpreise in den Vordergrund. Außerdem setzt Wal-Mart wieder stärker auf Kampfpreise. Insgesamt hat Wal-Mart im Geschäftsjahr 2006/2007 (31. Januar) einen Umsatz von 348,7 Milliarden Dollar und einen Nettogewinn von 11,3 Milliarden Dollar ausgewiesen.

          Metro und Carrefour waren einmal durch Überkreuzbeteiligungen verbunden. Der französische Konkurrent hielt 20 Prozent an Metro France, und die Metro besaß den gleichen Anteil an fünf Carrefour-Hypermärkten in Italien. Im Oktober 2001 löste man die Beteiligungen jedoch auf. Und es gibt weitere Gemeinsamkeiten: Auch Carrefour treibt die Frage um, was mit dem Immobilienbesitz geschehen soll. Verkaufen und leasen, so wie es sich die Analysten wünschen? Oder behalten, so wie der Carrefour-Vorstandsvorsitzende, José-Luis Durán, es lange Zeit favorisiert hat.

          Carrefour muss auf der Hut sein

          Der Spanier muss jedoch auf der Hut sein, seit sich im März überraschend der französische Luxusunternehmer Bernard Arnault, bekannt als Großaktionär von LVMH, sowie die amerikanische Fondsgesellschaft Colony ins Carrefour-Kapital eingekauft haben und nun zweitgrößte Anteilseiger nach der Familie Halley sind. Colony gilt als Immobilienspezialist, und so hat Carrefour nun die Tochtergesellschaft „Carrefour Property“ gegründet, die sich um die „Immobilienentwicklung“ kümmern soll, wie ohne viel Präzision mitgeteilt wird. Auch personelle Turbulenzen sind bei Carrefour nicht ausgeblieben.

          Wegen eines Zerwürfnisses mit der Familie Halley ist im März der Einzelhandelsmanager Luc Vandevelde von seinem Posten als Aufsichtsratschef zurückgetreten. Carrefour ist nach Wal-Mart der zweitgrößte Einzelhandelskonzern der Welt und beschäftigt 456.000 Mitarbeiter. Gut die Hälfte des Umsatzes von 78 Milliarden Euro im vergangenen Jahr stammt von außerhalb Frankreichs. Den Schwerpunkt bilden das europäische Ausland mit 38,3 Prozent Umsatzanteil sowie Lateinamerika (7,6 Prozent) und Asien (6,3 Prozent). An der Pariser Börse ist der Konzern derzeit knapp 35 Milliarden Euro wert.

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