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Bundestag lehnt Frauenquote ab : Die Industrie sucht technisch versierte Frauen

Bild: dpa

Schon die Debatte über eine Frauenquote hat in den Unternehmen viel verändert. Doch auf der Suche nach technisch versierten Spitzenfrauen stößt die Industrie an Grenzen.

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          In einer Disziplin hat die deutsche Wirtschaft eine Frauenquote von 40 Prozent schon übertroffen: 40,7 Prozent aller seit 2011 bei Großunternehmen neu besetzten Aufsichtsrats- und Vorstandsposten gingen an weibliche Spitzenkräfte, wie eine Untersuchung der Personalberatung Egon Zehnder zeigt. Im EU-Durchschnitt lag ihr Anteil an den Neubesetzungen nur bei 31 Prozent. Der Anteil der Frauen in Spitzenpositionen steigt hierzulande also zumindest überdurchschnittlich kräftig an.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Das ist nach Ansicht einer großen Mehrheit im Bundestag aber nicht genug. Zwar ist der Gesetzentwurf des rot-grün dominierten Bundesrates für eine gesetzliche Quote von 40 Prozent in Vorständen und Aufsichtsräten soeben an der Koalitionsmehrheit gescheitert. Doch gibt es quer durch alle Parteien einen Konsens, dass der Gesetzgeber den Unternehmen Beine machen soll. Die Union ist nun für eine Quote von 30 Prozent, die von 2020 an greift. Die SPD will ihre Quote von 40 Prozent bis 2023 durchsetzen.

          In den Aufsichtsräten sind mehr Frauen als in den Vorständen

          Der Anteil der Frauen am Bestand der Vorstands- und Aufsichtsratsmandate ist bisher in der Tat noch weit von den politischen Zielwerten entfernt. Aktuelle Daten liefert dazu etwa die Initiative „Frauen in Aufsichtsräte“ (Fidar), die regelmäßig die 160 Unternehmen in den Aktienindizes Dax, M-Dax, S-Dax und Tech-Dax überprüft. Danach waren dort im März genau 263 der 1622 Aufsichtsratsposten mit Frauen besetzt. Das ist ein Anteil von 16,2 Prozent und entspricht einem Anstieg um 63 Prozent binnen zwei Jahren. Bei den 30 Dax-Konzernen hat die reale Quote im Aufsichtsrat soeben die Marke von 20 Prozent überschritten, ein Anstieg um die Hälfte seit 2011.

          In den Vorständen sind Frauen noch erheblich weniger stark vertreten. Im Durchschnitt sind es laut Fidar bei 655 Vorstandsposten 6 Prozent. Die Dax-Konzerne kommen auf 8 Prozent. Immerhin aber sind die Werte seit 2011 von niedrigem Niveau aus rasant gestiegen: im Mittel haben sie sich verdoppelt und in den Dax-Konzernen gar vervierfacht.

          Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten

          Dass in den Aufsichtsräten mehr Frauen sind als in den Vorständen, liegt zum Teil an der Mitbestimmung: Dort treibt ein relativ hoher Anteil von Frauen auf der Arbeitnehmerbank (25 Prozent in den Dax-Konzernen) die Gesamtquote hoch. Auf der Kapitalseite sind es 16 Prozent. Doch stoßen offenbar auch die Arbeitnehmervertreter bei der Suche nach Aufsichtsrätinnen an Grenzen: Hinter den 25 Prozent steht eine Steigerung um ein Fünftel seit 2011, während die Kapitalseite ihren Frauenanteil von damals 8Prozent verdoppelt hat.

          Wo der Staat Unternehmen kontrolliert, ist der Frauenanteil im Mittel ein wenig höher als in rein privaten Unternehmen. Das hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) festgestellt. Bei 60 erfassten Unternehmen mit wesentlicher Staatsbeteiligung, darunter viele kleinere, ermittelte es einen Frauenanteil von 10,5 Prozent in Vorständen und von 19,9 Prozent in Aufsichtsräten. Die Deutsche Telekom liegt laut Fidar mit 29 Prozent im Vorstand und 35 Prozent im Aufsichtsrat bei den Dax-Konzernen vorn. Die Deutsche Post folgt hinter Henkel und Siemens auf Rang vier.

          Wie stark Frauen in den Führungsgremien vertreten sind, ist freilich nicht nur eine Frage von Firmengröße und Staatseinfluss. Es kommt - Ausnahmen bestätigen die Regel - stark auf die Branche an. Das belegen Daten des Statistischen Bundesamts für die gesamte Wirtschaft, die auch mittlere Führungsebenen mit erfassen: Finanzwesen und öffentlicher Dienst liegen danach mit rund 30 Prozent Frauenanteil im Management gerade auf dem Durchschnittsniveau. Bei Unternehmensdienstleistern sind es knapp 40 Prozent. Ganz am Ende der Skala stehen das verarbeitende Gewerbe und die Bauwirtschaft mit weniger als 20 Prozent.

          Arbeitsministerin Ursula von der Leyen im Bundestag

          Dafür gibt es aber auch Gründe. Zum Beispiel liegt der Anteil der Studienanfängerinnen im Fach Elektrotechnik zurzeit bei 12 Prozent. Das ist zwar schon dreimal so viel wie vor 20 Jahren. Unterstellt man jedoch, dass die Industrie auf ihren Führungsebenen neben Juristinnen und Betriebswirtinnen auch eine wesentliche Zahl technisch versierter Fachleute benötigt, steht sie vor objektiven Hürden.

          „Wir wollen mehr Frauen für unsere Industrie gewinnen - und zwar auf allen Ebenen, von der Facharbeit bis zur Führungsposition“, versichert Oliver Zander, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall. Nicht ohne Grund machten Unternehmen und Verbände seit Jahren Werbung, um mehr Mädchen und Frauen für die Berufe der Metall- und Elektroindustrie zu begeistern. Doch trotz „objektiv guter Rahmenbedingungen“ - vom Einkommen über Flexibilität bei der Arbeitszeit bis zu den Entwicklungschancen - sei das „traditionelle Berufswahlverhalten ganz schwer zu ändern“, so Zander.

          Der Anteil der Frauen an den 3,7 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie liegt derzeit bei etwa 24 Prozent. Der Durchschnittsverdienst der Metall-Beschäftigten liegt mit 48000 Euro im Jahr um 40 Prozent höher als in der Gesamtwirtschaft. Der bestbezahlte Angestellte ist VW-Chef Martin Winterkorn mit derzeit fast 15 Millionen Euro pro Jahr.

          Für Personalberatungsfirmen ist die politische Quotendebatte indes geschäftlich interessant - je dringender Firmen gezielt weibliche Spitzenkräfte brauchen, desto mehr gibt es für sie zu tun. Dass sich damit gewisse Zielkonflikte auftun, räumen aber auch Berater ein. Eigentlich müsse es darum gehen, mehr Spitzenfrauen für alle Fachbereiche zu gewinnen - und nicht nur für PR, Marketing und Personal, sagt Thomas Hainke-Hentschel, Partner der Personalberatung Boyden. Dies könne jedoch auch keine strenge gesetzliche Quote leisten. Sonst müsste „die staatliche Einflussnahme bereits bei der Studien- und Berufswahl beginnen“, spinnt er den Gedanken weiter. Seine naheliegende Antwort: „Das geht natürlich nicht.“

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