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Die Großaktionäre : Der Coup der Haniels

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Franz M. Haniel ist Aufsichtsratsvorsitzender der Haniel AG und Interessenvertreter der Familie Bild: Christian Thiel

Die Geschichte der Metro ist die Geschichte von Otto Beisheim. Ihm gehört der Handelskonzern zusammen mit den Familien Haniel und Schmidt-Ruthenbeck. Doch die haben den Unternehmensgründer und Milliardär Beisheim entmachtet.

          Die Geschichte der Metro ist die Geschichte zweier mächtiger Ruhrgebiets-Dynastien und eines Lehrlings: der Haniels, der Schmidt-Ruthenbecks und von Otto Beisheim, dem öffentlichkeitsscheuen Milliardär. Diese drei Parteien haben als maßgebliche Eigentümer die Geschicke des Düsseldorfer Handelskonzerns seit den sechziger Jahren bestimmt.

          Seit kurzem brauchen die beiden Familien den einstigen Lehrling nicht mehr, der Einfluss des 83 Jahre alten Beisheim schwindet. Im Gegensatz zu den anderen Parteien, die das Unternehmen umstrukturieren wollen, gilt er als Befürworter des Status quo. Erst Ende August hat der Familienkonzern Haniel den Anteil seiner stimmberechtigten Aktien an der Metro von 15,6 Prozent auf 34,24 aufgestockt. Damit verfügen Haniel und die Familie Schmidt-Ruthenbeck zusammen über knapp mehr als 50 Prozent. Otto Beisheim als dritter Großaktionär hält noch knapp 19 Prozent und hat damit seinen Einfluss eingebüßt. Der Rest ist breit gestreut.

          Märchenhafte Karriere ohne Startkapital und Abitur

          Dabei ist die Geschichte der Metro über Jahre die Geschichte jenes Mannes, der als Sohn eines Gutsverwalters im Wirtschaftswunder-Deutschland zum größten Händler des Landes aufgestiegen ist. Es handelt sich um eine märchenhafte Karriere ohne großes Startkapital, ohne Abitur und ohne Studium. Im Jahre 1924 geboren, hat Beisheim nach einem Aufenthalt in den Vereinigten Staaten von Amerika das Cash-and-carry-Prinzip importiert. Im Jahr 1964 machte er sich selbständig und eröffnete in Mühlheim an der Ruhr den ersten Metro-Großmarkt. Zu ihm stießen die Brüder Reiner und Michael Schmidt-Ruthenbeck, Spar-Großhändler aus Duisburg, die mehr als 500 Spar-Einzelhändler im Ruhrgebiet belieferten.

          Das Selbstabholer-System von Metro hatte Erfolg, und das Unternehmen expandierte schnell ins europäische Ausland. Finanziert wurde das Wachstum durch den Haniel-Clan, den Beisheim 1967 ins Boot holte. Die Familie aus Duisburg, deren unternehmerische Wurzeln 250 Jahre zurückreichen, begann als Kolonialwarenhändler. Ihr Wohlstand gründet auf Tee und Tabak, auf Kohle und Stahl.

          Haniel-Clan aus mehr als 500 Familienmitglieder

          Der Haniel-Konzern, mit Sitz in Duisburg-Ruhrort, bringt es heute auf 28 Milliarden Euro Umsatz und 56.000 Beschäftigte in 40 Ländern. Die Haniels führen Apotheken (über die börsennotierte Celesio), liefern frische Hotelwäsche, Baustoffe und handeln mit Büromaterial. Nur ein Produkt unter dem Namen Haniel gibt es nicht. Zu dem Clan gehören heute mehr als 500 Familienmitglieder, keines von ihnen besitzt mehr als fünf Prozent an der Familienholding. Aktuelles Oberhaupt der Familie ist Franz Markus Haniel, der auch im Aufsichtsrat von BMW sitzt.

          An der Düsseldorfer Metro hat sich Haniel als Gründungsgesellschafter neben Beisheim und Familie Schmidt-Ruthenbeck einst mit einem Drittel beteiligt. Im Jahre 1996 haben die langjährigen Geschäftspartner das Handelsunternehmen an die Börse gebracht. Um die Kontrolle zu behalten, wurde vereinbart, dass die drei Parteien zusammen stets mehr als die Hälfte der stimmberechtigten Anteile halten müssen. Der Rest der Aktien liegt seit je im Streubesitz.

          Von Otto Beisheim ist keine Rede mehr

          Die Aufstockung ihrer Anteile vor wenigen Wochen hat die Haniels etwa drei Milliarden Euro gekostet. Als Haniel-Chef Eckhard Cordes diesen Schritt verkündete, sagte er, die beiden Parteien Haniel und Schmidt-Ruthenbeck würden ihre Interessen bündeln und wie eine Partei bei der Metro handeln. Vom Dritten im einstigen Bunde, Otto Beisheim, war keine Rede mehr.

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