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Die Greenspan-Jahre : Viel gelobt und auch gescholten

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Der mächtigste Währungshüter der Welt geht in Ruhestand. Das Urteil über die Ära Greenspan ist indes noch nicht gefällt.

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          Achtzehneinhalb Jahre - nur einer von Alan Greenspans zwölf Vorgängern hielt es länger an der Spitze der mächtigsten Notenbank der Welt aus: William McChesney Martin bekleidete das Amt des Chairman des Federal Reserve Board vom 2. April 1951 bis zum 31. Januar 1970. Es nimmt kaum wunder, daß die lange Zeitspanne, die am heutigen Dienstag, wenige Wochen vor Greenspans 80. Geburtstag, zu Ende geht, oft als Ära oder Epoche beschrieben wird.

          An Lobpreisungen für den Mann, der in New York als Sohn eines Börsenmaklers geboren wurde und nach der frühen Scheidung der Eltern bei seiner Mutter in Washington Heights, einer jüdischen Enklave in Manhattan, aufwuchs, mangelt es nicht. Die Liste der Auszeichnungen und Ehrungen ist lang, sie umfaßt einen Ehrendoktortitel der Eliteuniversität Yale und den Ritterschlag durch die britische Königin Elisabeth II.

          Frühe Feuertaufe

          Seine Feuertaufe als oberster Währungshüter bestand der promovierte Ökonom bereits wenige Wochen nach seinem Amtsantritt: Am 19. Oktober 1987, der als "Schwarzer Montag" in die Börsengeschichte einging, sausten die Kurse an der Wall Street in die Tiefe. Greenspan reagierte auf die große Verunsicherung der Anleger mit der Zusage, die Fed werde die zur Sicherung der Stabilität des Finanzsystems notwendige Liquidität zur Verfügung stellen. "Das war mutig und brillant", sagt Kenneth Rogoff, einer der führenden Ökonomen des Landes. Greenspan stellte sein erfolgreiches Krisenmanagement später noch einige Male unter Beweis, unter anderem während der Schieflage des Hedgefonds Long Term Capital Management 1998 und der asiatischen Währungskrise - was wesentlich dazu beitrug, ihm unter den Marktakteuren den Ruf eines "Guru" und "Magier" zu verschaffen. Greenspans Handeln zu dieser Zeit war auch geprägt von einer empfundenen Verantwortung der Notenbank für das Wohl der Weltwirtschaft.

          Greenspan selbst hat sein Image ein Stück weit gepflegt, vor allem in seinen meist sehr verschachtelten, vagen und mitunter bewußt mehrdeutigen Einlassungen zur Lage der Wirtschaft und den Risiken für die Preisstabilität. Die Börsianer entwickelten mit der Zeit ein feines Gespür für die Botschaften. "Die Geldpolitik der Fed ist ungeheuer vorhersehbar geworden. Diese Berechenbarkeit wird als Meilenstein der Greenspan-Ära gesehen werden", sagt William Poole, Präsident der Federal Reserve Bank von St. Louis und Mitglied des geldpolitischen Rates der Fed.

          Verunsicherung durch den Meister selbst

          Mindestens einmal jedoch löste Greenspan selbst gehörige Verunsicherung unter den Marktakteuren aus: Gegen seine sonstige Gewohnheit äußerte sich der Währungshüter am Nikolausabend des Jahres 1996 in einer Rede zur Lage an den Märkten für Vermögenswerte und ließ durchblicken, daß sich die Aktienkurse an der Wall Street seiner Ansicht nach ein Stück von einem angemessenen Niveau entfernt hatten. Greenspans Warnung vor einem "irrationalen Überschwang" und dem Vergleich mit der Seifenblasenwirtschaft Japans in den achtziger Jahren führten an den Börsen in Asien, Europa und Amerika zu einem kräftigen Kursrutsch.

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