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Banken in der Klemme : EZB fordert grenzüberschreitende Bankenfusionen

Die großen Banken im Nacken: Die EZB in Frankfurt am Main Bild: Getty

Das Investmentbanking wirft immer weniger ab. Im Zinsgeschäft brechen die Erträge weg. Die Deutsche Bundesbank fürchtet um die Finanzmarktstabilität. Wie ernst ist die Lage?

          4 Min.

          Europas Banken stecken in einer Zwickmühle. Die strengeren aufsichtsrechtlichen Vorgaben machen das Geschäft an den Kapitalmärkten, das Investmentbanking, weniger profitabel. Auf der anderen Seite verhindert die extreme Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) auskömmliche Erträge im klassischen Geschäft mit Privat- und Firmenkunden. In einer aktuellen Analyse kommt die EZB zu dem Ergebnis, dass die Banken ihre Geschäftsmodelle anpassen müssen.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie wenig die Investoren derzeit europäischen Banken zutrauen, zeigt der Blick auf die Institute mit dem höchsten Börsenwert. Aus dem Euroraum stammt keine der 15 wertvollsten Banken. Erst auf dem 17. Rang kommt die spanische Santander. Die Deutsche Bank liegt mit knapp 21 Milliarden Euro nicht unter den ersten 75 Instituten. Die Commerzbank kommt mit 9 Milliarden Euro auf den 143. Platz. Laut dem Artikel, den die EZB in ihrem Finanzstabilitätsbericht an diesem Dienstag veröffentlichen wird, haben die Institute das Investmentbanking schon reduziert und das klassische Filialgeschäft dafür ausgebaut.

          160 Milliarden Dollar für Strafen und Rechtsrisiken

          Für die 12 größten Investmentbanken hat das auf diesen Bereich spezialisierte Analysehaus Coalition im ersten Quartal einen Ertragsrückgang gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 25 Prozent auf 37,2 Milliarden Dollar ermittelt. Am meisten schrumpft das Geschäft im Anleihehandel. Hier beträgt das Minus 28 Prozent. Zum ersten Quartal 2011 – im Fünfjahresvergleich – fällt die Schrumpfung drastisch aus: Die Investmentbanken verdienen 36 Prozent weniger. Im Anleihehandel sind die Erträge um fast die Hälfte gesunken. Hier haben die Investmentbanken fast 10.000 Stellen gestrichen.

          Die EZB macht keinen Hehl daraus, dass sie den Rückzug aus dem Investmentbanking gutheißt. Denn damit sinken die Risiken der Banken. Ein weiterer Grund sind die enorm hohen Kosten für Rechtsstreitigkeiten, die größtenteils diesem Bereich zuzuordnen sind. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 haben europäische Banken 160 Milliarden Dollar für Strafen und Rechtsrisiken aufwenden müssen. Das entspreche fast der Hälfte des Nettogewinns, den die Banken zwischen 2008 und 2015 verdient hätten. Die EZB warnt vor weiterhin hohen Kosten dafür. Die Rückstellungen europäischer Banken ließen auf weitere Kosten von 50 Milliarden Dollar schließen. Die Deutsche Bank, die seit dem Jahr 2012 für Rechtsprobleme 12,4 Milliarden Euro aufwenden musste, hat weitere 5,4 Milliarden Euro für neue Strafen wie etwa im Moskauer Geldwäscheskandal zurückgestellt.

          Bild: F.A.Z.

          Neben dem Investmentbanking sieht die EZB die Banken auch wegen der Überkapazitäten und den durch die Ländergrenzen abgeschirmten Bankenmärkten unter Anpassungsdruck. Es ist daher wenig überraschend, wenn die EZB-Fachleute zu dem Ergebnis kommen, dass die europäische Bankenaufsicht unter Leitung der EZB grenzüberschreitende Zusammenschlüsse aufgrund der einheitlichen Rahmenbedingungen erleichtert.

          Einlagenzins der EZB bei minus 0,4 Prozent

          Vor Wochen hatte dies schon EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Cœuré gefordert: „Unsere Wirtschaft braucht europäische Banken, die in einem europäischen Markt agieren: groß genug, um grenzüberschreitend tätig zu sein und Risiken zu streuen, aber klein genug, um mit den Ressourcen des Einheitlichen Abwicklungsfonds abgewickelt werden zu können.“ Unter dem in Brüssel ansässigen Abwicklungsfonds sollen künftig in Schieflage geratene Banken möglichst ohne Inanspruchnahme der Steuerzahler abgewickelt werden.

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