https://www.faz.net/-gqe-a2sj8

Auffälliges Wachstum : Die Geldmenge in Europa steigt um zehn Prozent

Das Münzgeld macht nur einen sehr kleinen Teil der Geldmenge M3 aus. Bild: dpa

Die Geldmenge M3 in der Europäischen Währungsunion verzeichnet im Juli den höchsten Anstieg seit dem Jahr 2008. Was steckt dahinter?

          2 Min.

          Die Geldmenge im Euroraum ist im Juli auffällig stark gewachsen. Wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag mitteilte, legte die breit gefasste Geldmenge M3 gegenüber dem Vorjahresmonat um 10,2 Prozent zu. Das war der höchste Anstieg seit Mai 2008.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Wachstum der enger gefassten Geldmenge M1 beschleunigte sich ebenfalls. Die Rate stieg von 12,6 auf 13,5 Prozent. Die Kreditvergabe der Geschäftsbanken an private Haushalte wuchs wie im Vormonat um 3 Prozent. Das Wachstum der Kreditvergabe an Unternehmen schwächte sich leicht ab, von 7,1 auf 7 Prozent.

          Was steckt dahinter? „Die treibende Kraft ist weiterhin der Wunsch der Menschen, in unsicheren Zeiten mehr Vorsichtskasse zu halten“, sagte Holger Schmieding, der Chefvolkswirt der Berenberg Bank. Schließlich stiegen die Sichteinlagen der Haushalte und Unternehmen kräftig. Dies treibe den Zuwachs der Geldmenge M1, zu der Bargeld und Sichteinlagen gehören. Diese wiederum mache den Löwenanteil am stärkeren Wachstum der Geldmenge M3 aus, zu der zusätzlich Termineinlagen bis zwei Jahre Laufzeit, Spareinlagen mit gesetzlicher Kündigungsfrist sowie ausgewählte kurz laufende Wertpapiere gehören.

          Höhere Kredite an die öffentliche Hand  

          Dabei sei die Zuwachsrate der Sichteinlagen bei Unternehmen außerhalb des Finanzsektors mit 21,4 Prozent zum Vorjahr besonders hoch, sagte Schmieding. Aber auch die Haushalte sparten und legten Ersparnisse liquide an, was sich in einem Anstieg der Sichteinlagen gegenüber dem Vorjahr um 11,3 Prozent zeige.

          Der Blick gleichsam auf die andere Seite der Bilanz, also auf die Daten zur Kreditvergabe, zeigt, welche Faktoren es den Unternehmen und Haushalten ermöglichen, diese zusätzliche Vorsichtskasse aufzubauen. Zum einen hatten viele Unternehmen als unmittelbare Reaktion auf die Pandemie in großem Umfang Kreditlinien gezogen. Dieser Faktor lässt jetzt aber nach, das Kreditwachstum schwächt sich ab. Unternehmen könnten derzeit anscheinend wieder ihre liquiden Reserven stärken, ohne so sehr wie in den Monaten März bis Mai auf Kredite angewiesen zu sein, deutete Schmieding diese Entwicklung.

          Die Kreditnachfrage der Haushalte bleibt den Zahlen zufolge etwa konstant. Haushalte sparen gleichwohl einen größeren Teil ihrer Einkommen als vor Corona. Auffällig seien in den vergangenen Monaten die zusätzlichen Kredite an den Staatssektor mit einer Zuwachsrate von 15,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr im Juli nach nur 1,6 Prozent im März, hob Schmieding hervor. Geringere Steuereinnahmen und höhere Ausgaben des Staates fänden hier teilweise ihren Niederschlag, auch wenn die Defizite wohl zu einem noch größeren Teil über Staatsanleihen statt über Bankkredite finanziert würden.

          Die milliardenschweren Anleihekäufe der EZB finden sich Schmieding zufolge zwar unmittelbar nur ansatzweise in dieser Geld- und Kreditstatistik, spielen hinter der Entwicklung aber gleichwohl eine wichtige Rolle. Sie erleichterten den Banken in der Krise die Kreditvergabe, trotz ansonsten widriger Umstände.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          „Geschlossen“: Schilder wie dieses hängen derzeit wegen der Corona-Pandemie an der Tür vieler Restaurants.

          Deutschlandchef der Allianz : „Pandemien sind nicht versicherbar“

          Viele Gastwirte wollen wegen der Corona-Verluste Geld von ihrer Versicherung. Allein 150 Klagen richten sich gegen die Allianz Deutschland. Doch deren Chef sagt: Die Policen wurden nicht als Schutz vor einer Pandemie verkauft.
          Lange Schlangen vor den Supermärkten sind auch vor Weihnachten wieder zu erwarten.

          So reagiert der Handel : Lange Schlangen und gähnende Leere befürchtet

          Wenige Wochen vor dem Weihnachtsfest hat die Bundesregierung die Corona-Maßnahmen noch einmal verschärft – sehr zum Ärger des hiesigen Handels. Gerade Supermärkte haben für die Regeln nur wenig Verständnis.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.