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FAZ.NET-Spezial : Die „Freunde vom Lokführerverein“

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Ab Donnerstag wollen die Lokführer den Güterverkehr bestreiken Bild: AP

Ab Donnerstag streiken die Lokführer. Dabei geht es um mehr als um Geld. Der Konflikt hat eine persönliche Dimension: Wie zwei Kampfhähne stehen sich Bahnchef Mehdorn und der Lokomotiv-Gewerkschaftsführer Schell gegenüber. Die Zeit läuft für Mehdorn. Ein Kommentar von Holger Steltzner.

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          Bei diesem Bahnstreik geht es um mehr als um Geld. Auf dem Spiel steht die einheitliche Vergütungsstruktur in der Deutschen Bahn, gerungen wird im Gewerkschaftslager um Macht und Einfluss. Der Konflikt hat zudem eine persönliche Dimension: Wie zwei Kampfhähne stehen sich Bahnchef Mehdorn und der Lokomotiv-Gewerkschaftsführer Schell gegenüber. Aus dieser Gemengelage könnte ein großer Streik entstehen. Auch ohne Großkundgebung könnte das Land von Donnerstag an lahmgelegt werden. Wenn die kleine Teilgewerkschaft GDL ihre Streikenden strategisch einsetzt, kann sie den Verkehr auf dem Netz der Deutschen Bahn zum Stillstand bringen.

          Eisenbahner sind keine Großverdiener. Ein Lokführer verdient im Schnitt 33.000 Euro im Jahr – und dabei trägt er große Verantwortung. Deshalb haben auch Bahnkunden ein gewisses Verständnis für das Anliegen der Lokführer. Doch sind die Lohnforderungen von „mindestens“ einem Drittel mehr für die 30.000 Lokführer zu viel des Guten. Zumal sich die Bahn im Wettbewerb mit der Straße und mit anderen Bahnen behaupten muss, deren Lokführer deutlich weniger verdienen als die bei der Deutschen Bahn Beschäftigten. (Bei diesen Bahnen hat die GDL übrigens nur über einstellige Lohnzuwächse verhandelt.)

          Die Bahn sollte sich dem Druck nicht beugen

          Aus verständlichen Gründen will die Bahn nicht über einen eigenständigen Spartentarifvertrag verhandeln. Sie hat gerade erst die Verhandlungen mit den beiden anderen Bahngewerkschaften für 134.000 Beschäftigte abgeschlossen, mit einer kräftigen Lohnerhöhung von 4,5 Prozent und einer Einmalzahlung von 600 Euro. Viel mehr kann Mehdorn auch den Lokführern nicht anbieten, sonst gäbe es eine einheitliche Vergütungsstruktur bei der Bahn nicht mehr.

          Der Streik beginnt im Güterverkehr

          Im Gewerkschaftslager wird der Streit über die Vertretungsmacht mit harten Bandagen ausgetragen. So nennt der Vorsitzende der größten Bahngewerkschaft Transnet, Hansen, seinen Wettbewerber GDL nur „liebe Freunde vom Lokführerverein“. Die Bahn sollte sich dem Druck nicht beugen. Mehdorn hat Zeit. Je mehr Urlauber auf den Bahnsteigen festsitzen, desto größer wird der Ärger. Das Unverständnis der Fahrgäste über die Lokführer wird wachsen, auch weil sie wissen, dass sie für die überzogenen Lohnforderungen werden zahlen müssen, in Form später steigender Bahnpreise.

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