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Frauen in Führungspositionen : Quoten sind völliger Unsinn

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Auf die Frage nach dem Geschlecht erhält Personalberater Dieter Rickert meist eine klare Antwort: „Wir nehmen die Person mit der besten Qualifikation. Geschlecht egal.“ Bild: dpa

Mehr Frauen in den Vorstand, fordert die Politik. Plötzlich sind alle für eine Quote. Wirklich alle? Nein! Hier widerspricht Dieter Rickert, Altmeister der Headhunter. Ein Gastbeitrag.

          5 Min.

          Die Quote ist Unfug. Mit gleicher Wunschlogik könnte man Quoten für mehr Sonnentage verfügen. Seit 40 Jahren stelle ich als Personalberater bei jeder Suche die Standardfrage: „Darf es auch eine Frau sein?“ Die Antwortet lautet stets: „Finden Sie eine! Wir nehmen die Person mit der besten Qualifikation. Geschlecht egal.“ Seit die Quote droht und Selbstverpflichtungen mit Zielgrößen erzwungen wurden, suchen alle händeringend nach qualifizierten Frauen, die es in der gewünschten Anzahl einfach noch nicht gibt – auch wenn das Gegenteil von interessierten Aktivistinnen behauptet wird.

          Natürlich gelingt es der Presse zum Thema Karriere immer, einige Dutzend „Powerfrauen“ aufzubieten. Das ist statistisch keine Überraschung. Solche Einzelbetrachtungen vernebeln aber lediglich den Blick aufs Ganze.

          Von allen Berufsanfängern mit Hochschulabschluss und dem Karriereziel Management sind im Schnitt aller Branchen etwa 20 Prozent weiblich. Das ist zwangsläufig so, weil zu wenige Frauen die Fächer studieren, die man bei uns für eine Unternehmenskarriere braucht. Zudem scheiden auf dem Weg nach oben viele davon nach einigen Jahren aus dem Rennen. Nachvollziehbare Gründe dafür sind der Vorrang für Familienplanung, oder man hat sich das Berufsleben weniger stressig vorgestellt. Die berühmte „Gläserne Decke“, an die man durchaus stoßen kann, ist allerdings nicht für Frauen exklusiv. Männer spüren sie ebenso, reagieren aber anders.

          Differenz in puncto Karriereziel

          Eine mir bekannte professionelle Researcherin, die für mehrere Headhunting-Firmen arbeitet, sucht potentielle Kandidaten für die mittlere Management-Etage. Auf der Basis von mehr als 10000 telefonischen Ansprachen hat sie mir bestätigt: Von zehn angesprochenen Männern hören sich acht immerhin an, ob es woanders mit der Karriere schneller gehen könnte. Bei den Damen sagen acht, dass sie grundsätzlich nicht wechseln wollen, egal wie attraktiv die angebotene Position sei. Eine Vorstandsposition als Karriereziel liegt offenbar gar nicht in ihrem Fokus.

          Wenn also nur 20 Prozent von 20 Prozent dieses Karriereziel mit all seinen Vor- und Nachteilen verfolgen, müssten unter der Voraussetzung, dass auch alle können, die wollen, etwa vier Prozent als natürliche Quote im Vorstand landen. Da wir im Dax bereits rund 14 Prozent haben, kann man nur vermuten, dass bereits einige durch Druck und Wunschdenken dorthin befördert wurden, weil das Geschlecht und nicht die Qualität das entscheidende Auswahlkriterium war. Um eines klarzustellen: Ich liebe es, kompetente Frauen zu interviewen, und ich war auch nicht ganz unerfolgreich dabei, ihnen beim Erreichen ihrer Karriereziele zu helfen. Die Betonung liegt aber auf kompetent.

          Hier noch eine Ehrenrettung für die als besondere Unverschämtheit verdammte „Null-Quote“. Wenn man mit den Leistungen eines Vorstandsgremiums rundum zufrieden und der Älteste 55 Jahre alt ist, gibt es für die nächsten zehn Jahre keine Vakanz, für die man eine Frau einplanen könnte. Eine Zahl größer null würde bedeuten, dass man eine ungewollte Kündigung fest einplant oder einen Todesfall. Tritt der Fall dennoch ein, kann man ja auch bei Quote null eine Frau einstellen, wenn man sie findet.

          Wie wird sich das neue Gesetz in der Praxis auswirken? Stellen wir uns einmal eine AG mit mehr als 2000 Mitarbeitern vor, die jetzt betroffen wäre. Der Vorstand besteht aus vier Personen. Der CEO ist Ende 50, seit 25 Jahren in der sehr erfolgreichen Firma und funktional zuständig für alle Stabsabteilungen (Personal, Strategie, Unternehmensentwicklung, M&A, Recht, Öffentlichkeitsarbeit). Dann gibt es den CFO, 45 Jahre, zuständig seit fünf Jahren für Rechnungswesen, Finanzen, Controlling und EDV. Außerdem haben wir den CSO, 60 Jahre, für Marketing & Vertrieb, der seit Jahrzehnten bei den Kunden bestens verdrahtet ist, und schließlich den Technologievorstand, 49 Jahre, acht Jahre dabei und zuständig für Forschung und Entwicklung, Supply-Chain-Management und Produktion. Die Aktionäre sind glücklich, denn die Firma brummt, ist international gut aufgestellt, und der engagierten Mannschaft ist es in der Vergangenheit gelungen, das Produktportfolio im Bereich Hochtechnologie für Luft- und Raumfahrt, Automotive und Spezialmaschinenbau alle fünf Jahre zu 80 Prozent zu erneuern. Dann kommt das Gesetz.

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