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Der Bundesliga weit voraus : Die unglaubliche Finanzkraft der Premier League

  • -Aktualisiert am

Gefragtes Produkt: Ab 2016/17 generiert die Barclays Premier League knapp 3,5 Milliarden Euro pro Saison mit dem Verkauf der Übertragungsrechte. Bild: Picture-Alliance

Englische Fußballvereine locken Stars mit neuen Rekordsummen: Manchester United bietet angeblich 290 Millionen Euro für einen Spieler. Bundesligaklubs können nicht mithalten – und könnten in Zukunft weiter zurückfallen.

          30 Millionen, 74 Millionen, 190 Millionen: Die Transfersummen, die derzeit von englischen Fußballvereinen für die Anwerbung neuer Spieler ausgerufen werden, scheinen keine Grenzen mehr zu kennen. Am Mittwoch wurde bekannt, dass der Südkoreaner Heung-Min Son von Tottenham Hotspurs, einem Premier-League-Verein aus dem Norden Londons, umworben wird. Die Engländer bieten übereinstimmenden Medienberichten zufolge 30 Millionen Euro für den Stürmer von Bayer Leverkusen. „Wenn die Bedingungen stimmen, werden wir uns einigen“, kommentierte Bayer-Manager Rudi Völler im Fernsehen das Gerücht. Eine Entscheidung wird noch diese Woche erwartet. 30 Millionen Euro für einen guten, wenn auch nicht überragenden Spieler, der in der vergangenen Saison mit elf Treffern abgeschlagen auf Platz elf der Bundesliga-Torschützenliste landete.

          Son könnte damit zeitnah Kevin de Bruyne auf die britische Insel folgen. Der Belgier soll für vermutlich 74 Millionen Euro vom Champions-League-Teilnehmer VfL Wolfsburg zu Manchester City wechseln – es wäre ein neuer Rekordtransfer für einen Bundesligaspieler. Der Verein aus Nordengland würde damit die vorige Bestmarke von 41 Millionen Euro pulverisieren, die der FC Liverpool vor zwei Monaten mit dem Erwerb des Brasilianers Roberto Firmino aus Hoffenheim aufgestellt hatte. Nicht zufällig ist der Abnehmer abermals ein Verein aus der Premier League.

          Keinen Bundesliga-, sondern einen Weltrekord könnte Citys Stadtrivale Manchester United aufstellen. Nach einem Bericht der britischen Zeitung Sun denken die Verantwortlichen beim Verein von Bastian Schweinsteiger über den Kauf von Neymar, Stürmerstar des FC Barcelona, nach. Die festgeschriebene Ablösesumme für den Brasilianer haben die Katalanen vertraglich fixiert: auf 190 Millionen Euro. Scheinbar kein Hindernis für United, das dem Spieler laut Sun zusätzlich ein Jahressalär von 20 Millionen Euro in Aussicht stellt. Bei einer Vertragslaufzeit von fünf Jahren beliefe sich das Gesamtvolumen der Transaktion auf 290 Millionen Euro.

          Englische Vereine überbieten sich diesen Sommer auf dem Transfermarkt und stechen ausländische Mitbieter mit neuen Rekordwerten aus. Fünf Tage vor Ende der Wechselperiode belaufen sich allein die Ausgaben von Manchester City, Manchester United, Liverpool und Chelsea auf 400,2 Millionen Euro, wie die Webseite transfermarkt.de errechnet hat. Bis zum 31. August, wenn sich das Transferfenster bis zum Winter schließt, könnten weitere Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe folgen.

          Tabellenletzter erhält mehr TV-Gelder als Bayern München

          Die Grundlage für die zügellosen Transfer-Aktivitäten der Premier-League-Klubs wurde im Februar gelegt. Damals einigte sich die Liga mit den Fernsehsendern Sky und British Telecom (BT) auf einen neuen Dreijahresvertrag, der einen wahren Geldregen für die Vereine mit sich bringt. Ab der Saison 2016/17 zahlen die Sendeanstalten pro Spielzeit 1,7 Milliarden Pfund, also knapp 2,3 Milliarden Euro pro Spielzeit, an die Liga. Die Summe offenbart neben der steigenden Popularität des englischen Fußballs vor allem den harten Konkurrenzkampf im TV-Markt: Sky, der marktbeherrschende Pay-TV-Anbieter von Rupert Murdoch, streitet sich mit BT Sport, einem neuen Wettbewerber aus den Reihen des Telekommunikationsunternehmens British Telecom, um die besten Rechtepakete.

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