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Das Ende des Niedrigzins? : Die Fed dreht an der Zinsschraube

  • Aktualisiert am

Janet Yellen verkündet im Dezember 2015 die Erhöhung des Leitzins. Bild: AP

Amerika-Urlauber werden 2016 mehr Geld in die Hand nehmen müssen. Die Fed plant wohl weitere Zinsschritte. Der vor Kraft strotzende Dollar könnte noch stärker werden.

          Die amerikanische Notenbank Federal Reserve hat lange Anlauf genommen - und dann doch nur einen Hüpfer gemacht. Nach sieben mageren Zinsjahren auf einem Niveau nahe Null hat die Fed im Dezember 2015 erstmals wieder den Leitzins angehoben. Der Zinssprung reichte nur für 0,25 Prozent. Damit ließ sich Notenbankchefin Janet Yellen jede Menge Spielraum für das neue Jahr. Die Spekulationen schießen seit Wochen ins Kraut. Wird die Fed 2016 drei Zinsschritte machen? Oder doch nur zwei? Oder gar vier? Oder muss sie den eingeschlagenen Kurs gar wieder umkehren und zurückrudern?

          Neben notorischen Schwarzsehern haben auch angesehene Volkswirte wie Nouriel Roubini ihre Bedenken. „Wenn sich die Fed zu schnell zu viel bewegt, dann besteht die Gefahr, die Wirtschaft zu lähmen“, sagte er jüngst in einem Interview mit Bloomberg. Ex-Finanzminister und Wirtschaftsprofessor Larry Summers wirft der Fed schwere Fehler vor. Er sieht „mindestens eine Zwei-Drittel-Chance, dass die Fed in den nächsten Jahren korrigieren muss.“ Während sich die Banken, die zu den Hauptprofiteuren der Zinswende zählen, eine steiler steigende Zinskurve gewünscht hätten, bekam Fed-Chefin Yellen von den meisten Experten Applaus für ihren vorsichtigen Kurs. Die Gefahr, die Wirtschaft abzuwürgen, sei überschaubar.

          Erst im Dezember verkündeten die amerikanischen Behörden eine robuste Konjunktur mit einem nachhaltigen Wachstum von zwei Prozent. Im Jahr 2015 kamen weit mehr als zwei Millionen Arbeitsplätze neu hinzu. Die Arbeitslosenquote sank seit 2009 von zehn auf fünf Prozent, die Prognosen für 2016 sind überdurchschnittlich. „Ganz ehrlich, der amerikanischen Wirtschaft geht es recht gut. Wir haben viel Gegenwind aus dem Ausland, aber ohne das ignorieren zu wollen, sind wir in einer sehr guten Position“, sagt Finanzminister Jacob Lew.

          Zinswende in Europa ist Zukunftsmusik

          Mit dem „Gegenwind“ meint Lew nicht nur die schleppende Erholung in der Eurozone. Auch die Schwellenländer, über das vergangene Jahrzehnt der Wachstumsmotor der Weltwirtschaft, haben an Zugkraft verloren. Eine Zinserhöhung war vor allem dort mit Argusaugen beobachtet worden. Große Schwellenländer wie China, Indonesien oder Brasilien, wo die Turbulenzen zuletzt Finanzminister Joaquim Levy zur Aufgabe zwangen, sind massiv in Dollar verschuldet. Eine rasche Stärkung des Dollars würde ihre Schuldenlast explodieren lassen. Außerdem droht der Abzug ausländischen Kapitals, wenn in den Vereinigten Staaten die Zinsen steigen und Anlagerenditen dort sicherer zu erzielen sind.

          Alles zusammengenommen, stehen die Zeichen auch 2016 auf vorsichtigem Zinswachstum. Michala Marcussen, Chefvolkswirtin der französischen Großbank Société Générale geht bei einer normalen konjunkturellen Entwicklung von jährlich zwei Zinsschritten der Fed aus - bis ein Niveau von 2,75 Prozent erreicht ist. Die Mitglieder des Fed-Offenmarktausschusses teilen diese Einschätzung im Groben.

          Für Europa hat die Politik der amerikanischen Notenbank zunächst einmal begrenzte Bedeutung. Der Dollar könnte für Käufer aus dem Euroland noch teurer werden - was besonders Urlauber, aber auch Importeure grämt. Dass auch in der Eurozone die Zinsen steigen, ist dagegen Zukunftsmusik. Die Europäische Zentralbank hat erst vor kurzem ihr Politik des Billiggeldes verlängert. Die Zinswende in Europa wird nach einhelliger Expertenmeinung vor 2018 keinesfalls zu erwarten sein.

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