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Trend in Amerikas Schulen : Die E-Zigaretten-Plage

  • -Aktualisiert am

In Deutschland gibt es etwa 1,2 Millionen regelmäßige E-Raucher. Bild: AFP

In Amerika rauchen zwei Millionen Minderjährige E-Zigaretten, obwohl es das Gesetz verbietet. Die amerikanische Arzneimittelbehörde will sich das nicht länger tatenlos ansehen.

          Es sind kleine Horrorgeschichten, die Amerikas Schulleiter erzählen. Sie handeln von Schülern, die nicht mehr damit aufhören können. Und von Gesetzen, die schlicht nicht eingehalten werden. Die Rede ist von E-Zigaretten. Die elektronischen Zigaretten sind in Amerikas Schulen schwer angesagt, trotz des gesetzlichen Verkaufsverbots an Minderjährige. Das Problem ist so groß geworden, dass sich jetzt sogar die amerikanische Behörde für Lebensmittel und Arzneimittel (Food and Drug Administration (FDA)) eingeschaltet hat.

          FDA-Chef Scott Gottlieb erklärte, dass es klare Anzeichen gebe, dass der Konsum von E-Zigaretten unter Jugendlichen das Ausmaß einer Epidemie erreicht habe. Zwei Millionen Schüler der Mittel- und Oberschulen seien regelmäßige Nutzer von E-Zigaretten. Die Aufsichtsbehörde reagierte: Sie drohte damit, aromatisierte E-Zigaretten zu verbieten, falls die Händler die gesetzlichen Vorschriften weiter ungenügend durchsetzten. Zusätzliche Schritte schloss Gottlieb nicht aus.

          E-Zigaretten sind bereits seit mehr als zehn Jahren auf dem Markt. Anfangs als Schadensbegrenzung für Kettenraucher gedacht, entwickelte sich die Zigarette schnell weiter. Mittlerweile sind die Verdampfer mit unzähligen Geschmacks-Zusätzen verfügbar. Es gibt Pfefferminzkonzentrate, Himbeerkonzentrate und so viele weitere, dass sich auch Minderjährige dafür begeistern. E-Zigaretten-Marken wie „Juul“ sind trotz des Verkaufsverbots an Kinder und Jugendliche unter Amerikas Teenagern sehr populär. Auf amerikanischen Schulhöfen wurde die unscheinbar aussehende Zigarette im USB-Stick-Format Kult. Deshalb kündigte die FDA an, das Verkaufsverbot strenger zu kontrollieren und Händler, die an Minderjährige verkaufen, streng zu bestrafen. 

          Zuckerwatte für die Jugend

          Dabei war es Gottlieb, der vor Jahren für den so genannten „Harm-Reduction“-Kurs eintrat. Die Idee ist, dass E-Zigaretten weniger Schadstoffe verdampfen und langjährige Raucher so zwar nicht von der Zigarette loskommen, aber weniger Schaden beim Rauchen davon tragen. Zuletzt erschien eine Studie von Public Health England (PHE), einer Beratungsagentur des Londoner Gesundheitsministeriums, die alle verfügbaren Daten zusammentrug und zu dem Schluss kam: Das „Dampfen“ sei 95 Prozent weniger schädlich als das Rauchen normaler Zigaretten.

          Gesundheitliche Risiken bleiben trotzdem: Das Deutsche Krebsforschungszentrum fand in einer Untersuchung 2014 in den Aerosolen, dem nebelförmigen Dampf der Zigaretten, krebserregende Stoffe. Zudem gibt es viele nikotinhaltige E-Zigaretten, die süchtig machen.

          Außerdem zeigen Studien, dass E-Zigaretten die Tabakentwöhnung behindern können. Viele Tabak-Konsumenten nutzen E-Zigaretten nämlich zusätzlich zur normalen Zigarette.

          Darüber hinaus sprechen die E-Zigaretten Jugendliche besonders an: Geschmacksrichtungen wie Zuckerwatte oder Bubble Gum sorgen dafür, dass Minderjährige trotz Verbots auf den Geschmack kommen.

          Die elektronischen Zigaretten haben längst ihren Weg nach Deutschland gefunden. Daten des deutschen Krebsforschungszentrums zufolge hat mittlerweile jeder achte Deutsche eine E-Zigarette schon einmal ausprobiert, unter den 16 bis 29-Jährigen ist es jeder Fünfte – mit steigender Tendenz. Der Lobbyverband des E-Zigarettenhandels ging 2015 von etwa 1,2 Millionen regelmäßigen Nutzern in der Bundesrepublik aus.

          Insgesamt aber gibt es in Deutschland weniger jugendliche Raucher als noch vor ein paar Jahren. Unter den 12- bis 17-Jährigen sank ihr Anteil der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zufolge von 2001 bis 2015 um etwa 20 Prozent, bei den 18-bis 25-Jährigen waren es ebenfalls 20 Prozent weniger.

          Wie in Amerika gibt es in Deutschland ein Verkaufsverbot an Minderjährige, dieses besteht allerdings erst seit 2016. Davor gab es keine Regelung, jeder konnte eine E-Zigarette kaufen. Wie viele Kinder und Jugendliche hierzulande trotzdem E-Zigaretten rauchen ist, dazu gibt es keine aktuellen Zahlen. Es wäre aber illusorisch anzunehmen, dass seit dem Verbot kein Minderjähriger in Deutschland mehr E-Zigaretten nutzt. Eine Epidemie wie in Amerika gibt es hierzulande aber glücklicherweise nicht.

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