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Digitale Entwicklung : Der Süden vernetzt sich

  • -Aktualisiert am

Internetnutzer in Simbabwe Bild: EPA

Mehr als die Hälfte aller Internetnutzer lebt in Entwicklungsländern. Sie digitalisieren schnell – doch nicht alle haben etwas davon.

          Das Internet verändert die Arbeit. Das gilt nicht nur in Europa, Amerika oder China. Auch in den Ländern, die gemeinhin zum „globalen Süden“ gezählt werden, hat die Vernetzung längst alte Strukturen aufgelöst und neue geschaffen. Während vor zehn Jahren noch 15 Prozent der Menschheit online waren, sind es heute etwa 50 Prozent – das sind mehr als dreieinhalb Milliarden Menschen.

          In Niedriglohnländern stieg ihr Anteil von 8 auf mehr als 30 Prozent. Viele davon nutzen das Internet auch beruflich. In Indien, Bangladesch, der Cote d’Ivoire, Ghana und Malawi verdoppelten sich die Nutzerzahlen allein in den vergangenen drei Jahren. Und: Jede Stunde kommen 27.000 Menschen auf der ganzen Welt hinzu.

          Das hat große Auswirkungen auf den weltweiten Arbeitsmarkt, an dem auch deutsche Internetnutzer teilhaben. In den Entwicklungsländern erzeugt es viele Gewinner – doch nicht alle profitieren gleichermaßen.

          Gerade Afrika hat großes Entwicklungspotenzial. In Kenia oder Äthiopien haben mehr als 80 Prozent der Bevölkerung nach wie vor keinen Internetzugang. Den größten Marktanteil im Mobiltelefongeschäft hält auf dem afrikanischen Kontinent nicht Apple oder Samsung, sondern Tecno, ein Marke des chinesischen Unternehmens Transsion aus Shenzhen.

          Neben seinen günstigeren Preisen konnte sich Transsion noch eine andere Schwachstelle der Konkurrenz zunutze machen: Die großen Marken hatten die Kameras in ihren Geräten für weiße oder asiatische Gesichter optimiert. Schwarze Nutzer hingegen mussten oft feststellen, dass ihre Gesichter in Selfies zu dunkel oder verschwommen aussahen – das erkannte Transsion und optimierte seine Kameras für den afrikanischen Markt.

          Vernetzung gegen Diskriminierung

          Technologie ermöglicht es Menschen in Entwicklungsländern, an einem weltumspannenden Dienstleistungssektor teilzuhaben: In ihrem Jahresbericht für das Jahr 2019 nennt die Weltbank als Beispiel das amerikanische Unternehmen Andela, das 20.000 Programmierer in Lagos, Nairobi und Kampala mithilfe von frei zugänglichen Online-Schulungen ausgebildet hat. Anschließend vermittelte Andela diese neuen Fachkräfte an Kunden in der ganzen Welt. Ziel sei es, bis zum Jahr 2024 ungefähr 100.000 afrikanische Software-Entwickler auszubilden.

          Mark Graham, Professor für Internetgeographie am Oxford Internet Institute, beschäftigt sich in seiner Forschung damit, wie die Digitalisierung Wirtschaft und Gesellschaft in Afrika, Lateinamerika und Südasien verändert. Die überregionale Vernetzung kann dabei gerade für diskriminierte Gruppen von Vorteil sein: Viele Menschen werden aufgrund ihrer Ethnie, ihres Geschlechts oder aufgrund einer Behinderung vom lokalen Arbeitsmarkt ausgeschlossen. Das Internet ermöglicht es ihnen, Auftraggeber außerhalb der Region zu finden.

          Und digitale Arbeit ermöglicht denjenigen Zugang zum Arbeitsmarkt, die sonst aufgrund anderer Umstände davon ausgeschlossen wären. Gerade Frauen, von denen erwartet wird, dass sie sich um Kinder oder ältere Verwandte kümmern, können über das Internet leichter zusätzlich bezahlter Arbeit nachgehen.

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