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Digitale Entwicklung : Der Süden vernetzt sich

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Wer heute in Deutschland Arabisch lernen will, der kann das mit einem Muttersprachler tun, der in Beirut oder Marrakesch sitzt – über Skype. Italki hat nach eigenen Angaben fünf Millionen Nutzer. Das Plattform-Modell trägt dazu bei, dass in Ländern wie Uruguay oder Jordanien inzwischen mehr als 70 Prozent der Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor angesiedelt sind.

Ein Internet-Café in Kinshasa, der Haupstadt der Demokratischen Republik Kongo

Die Veränderungen spiegeln sich auch in den Städten. In Afrika entstehen immer mehr Innovationszentren. Gemeint sind damit Organisationen, die Arbeitsplätze mit Internetzugang, Schreibtischen und Besprechungszimmern bereitstellen und Veranstaltungen organisieren, auf denen gemeinsam Software entwickelt wird.

Noch im Jahr 2010 gab es davon auf dem ganzen Kontinent nur eine Handvoll, bis 2016 war ihre Zahl auf 173 angestiegen, schreibt Nicolas Friederici von der Berliner Humboldt-Universität. Sie sollen beim Ideenaustausch und dem Netzwerken in der afrikanischen Tech-Szene helfen. Das Modell dafür war ein Angebot des Unternehmens iHub in Nairobi. Heute gibt es mindestens ein solches Zentrum in den meisten afrikanischen Ländern.

Wie viele Stellen durch Automatisierung in Entwicklungsländern verloren gehen könnten, dafür gibt es bisher keine klare Antwort. Für Bolivien zum Beispiel nennt die Weltbank eine Spanne von 2 bis 41 Prozent der Arbeitsplätze. Niedriglohnländer investieren zwar wenig in arbeitssparende Innovationen, importieren diese aber aus reichen Ländern. Graham sagt dazu: „Bisher sehen wir, dass Automatisierung sehr viele Arbeitsplätze in Entwicklungsländern geschaffen hat.“

Der Wandel auf dem Arbeitsmarkt findet indes in der Landwirtschaft in Schwellen- und Entwicklungsländern statt: Die Mechanisierung treibt vorher im ländlichen Raum gebundene Arbeiter in die Städte. Dort müssen neue Arbeitsplätze entstehen, vor allem durch fallende Vernetzungskosten dank länderübergreifender Wertschöpfungsketten, glauben die Fachleute der Weltbank.

Die Veränderungen der Digitalisierung haben auch in Entwicklungsländern Gewinner und Verlierer geschaffen. In einer neuen Studie zeigen die Ökonomen Jonas Hjort und Jonas Poulsen, wie sehr die afrikanische Wirtschaft von der Ankunft des Internets profitiert hat. Sie haben den Effekt der Installation von unterseeischen Breitbandkabeln in zwölf afrikanischen Ländern untersucht und festgestellt, dass Einkommen und Beschäftigungsraten in Gegenden mit schnellem Internetzugang stiegen. Noch im Jahr 2000 hatte der ganze Kontinent weniger Bandbreite als Luxemburg.

„Vernetzung führt nicht zu Konvergenz“

Dieses Wachstum fand vor allem in hochqualifizierten Berufen statt, aber auch Personen mit niedrigeren Bildungsgraden profitierten. Im Vergleich zu den reichen Ländern ist der „skill bias“, die Ungleichverteilung der Aufstiegschancen durch das Internet zugunsten von Fachkräften, aber weniger ausgeprägt. Dass also der technologische Wandel dafür verantwortlich ist, dass ärmere Arbeiter in Afrika in den letzten Jahrzehnten nur langsame Fortschritte erlebt haben, halten Hjort und Poulsen für unwahrscheinlich.

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