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Aufsichtsrat tagt : Die Berateraffäre der Bahn trifft auch den aktiven Vorstand

Berthold Huber Bild: dpa

Der Aufsichtsrat diskutiert kommende Woche unter anderem über Personenverkehrschef Berthold Huber. Es geht um einen Beratervertrag mit einem früheren Manager.

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          Wenn ein Manager geht, nimmt er umfangreiches Knowhow mit – Wissen, von dem sein bisheriges Unternehmen gerne weiterhin profitieren würde. Was liegt da näher, als die Führungskraft über einen Beratervertrag an seine einstige Wirkungsstätte zu binden? Das ist die positive Sichtweise der Befürworter solcher Abkommen. Die Kritiker sehen die Sache negativer: Wenn ein leitender Angestellter geht – vielleicht sogar wegen mangelnder Leistungen –, wird ihm der Abgang auch noch mit einem gut dotierten Beratervertrag versüßt. Mit einem Vertrag, für den er nicht viel tun muss und der trotzdem vier- bis sechsstellige Eurobeträge fließen lässt.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In der deutschen Wirtschaft sind solche Beraterverträge keine Seltenheit. Auch die Deutsche Bahn hat in der Vergangenheit manchen einstigen Manager als Berater nachbestellt. Dabei ging nicht immer alles mit rechten Dingen zu. Im Juni hatte der Konzern erstmals eingeräumt, dass man „Auffälligkeiten“ im Zusammenhang mit Beraterverträgen im Unternehmen bis in das Jahr 2010 zurück untersuche. Darunter seien auch ehemalige Konzernvorstände, hieß es ohne Namensnennung. Kurz darauf kam der Aufsichtsrat zu einer Sitzung zusammen, in der jedoch noch keine Konsequenzen gezogen wurden. Das dürfte in der Sitzung des Kontrollgremiums in der kommenden Woche anders sein.

          Nach Informationen der F.A.Z. könnte dann vor allem der amtierende Personenverkehrsvorstand Berthold Huber unter Beschuss geraten. Huber hat dem Vernehmen nach einen Vertrag für seinen Vorgänger Ulrich Homburg unterschrieben, eine Art Headhunter-Vertrag. Homburg schlug einst einen Kandidaten für den Vorstand der Güterverkehrstochtergesellschaft DB Cargo vor und wurde dafür wohl nicht unerheblich entlohnt. 30 Prozent des Zielgehaltes seien für solche Vermittlungstätigkeiten üblich, wissen Fachleute. In der internen Untersuchung der Bahn gemeinsam mit der Beratungsgesellschaft EY und der Rechtsanwaltskanzlei Rittershaus ergab sich, dass Huber mit seiner Unterschrift eine Pflichtverletzung begangen haben dürfte. Nach Paragraph 112 des Aktiengesetzes und laufender Rechtsprechung ergibt sich, dass solche Beraterverträge vom jeweils zuständigen Aufsichtsrat gebilligt werden müssen. Dies jedoch unterblieb.

          Ulrich Homburg auf einem Archivbild aus dem Jahr 2014

          Was dem 55 Jahre alten Personenverkehrsvorstand, der seit 2015 im Amt ist, nun droht, ist unklar. Zu seinen Gunsten wertet man im Bahn-Umfeld, dass er tätige Reue gezeigt habe und peinlich berührt gewesen sei, dass ihm dieser Fehler unterlaufen ist. Außerdem sei kein finanzieller Schaden entstanden, zumal Homburg als „Headhunter“ eine Leistung erbracht und die Bahn diese marktüblich vergütet habe. Trotzdem wird die Angelegenheit von den Aufsichtsräten erörtert. Eine Abmahnung wäre möglich, ein Rauswurf erscheint unwahrscheinlich: mit Blick auf die Schwere des Delikts ebenso wie mit Blick auf die Tatsache, dass zum jetzigen Zeitpunkt Personalwechsel im Vorstand strategisch alles andere als opportun wären. Aus ebendiesem Grund dürfte auch der Stuhl von Bahnchef Richard Lutz nicht wackeln – obwohl die fraglichen Beraterverträge überwiegend in die Amtszeit des früheren Bahnchefs Grube und seines Finanzvorstands Lutz fallen.

          Insgesamt hat die Bahn 29 Beratungsfälle aus besagtem Zeitraum überprüfen lassen. In 17 Fällen gab es dem Vernehmen nach keinerlei Beanstandungen, in elf Fällen wurde die erforderliche Zustimmung von Aufsichtsräten von Tochtergesellschaften nicht eingeholt. Kritischer ist jedoch ein Vertrag, den der einstige Personalvorstand Weber mit einem scheidenden Schenker-Manager geschlossen haben soll. Der umfasst einen Gesamtumfang von mehr als 300 000 Euro, dafür sei jedoch praktisch keine Gegenleistung erfolgt. Ein klassischer Fall, wo man überlegen müsse, wie man sich dieses Geld zurückhole, heißt es im Kontrollgremium.

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