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Ernährung : Die Beere der Stunde

Wir essen so viele Blaubeeren wie nie zuvor. Aus Deutschland kommt bald nur noch jede Fünfte. Bild: dpa

Früher haben wir Blaubeeren im Sommer mühsam im Wald gesucht. Heute gibt es sie das ganze Jahr über im Supermarkt. Die Geschichte eines Milliardengeschäfts.

          5 Min.

          Der Rio Huancabamba entspringt nicht weit vom Äquator, im Norden von Peru. Zuerst ist er bloß ein Gebirgsbach, die Quelle liegt auf 3500 Metern Höhe. Aber bald wird daraus ein Fluss. Das Wasser sucht sich seinen Weg durch die Berge und fließt dann nach Osten hinab ins Amazonasbecken, zum Atlantik, durch den größten Regenwald der Erde. Blaubeeren wachsen dort nicht. Aber Blaubeeren wollen die Amerikaner und die Europäer essen, immer mehr davon.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Deshalb haben Ingenieure den Rio Huancabamba aufgestaut, hoch oben in den Kordilleren. Ein technisches Husarenstück: Vom Stausee führt ein zwanzig Kilometer langer Tunnel durch den Fels nach Westen, und durch diesen Tunnel fließen seit 2014 jedes Jahr rund 400 Millionen Kubikmeter Wasser – nicht mehr zum Atlantik, sondern Richtung Pazifik. Das Wasser, ungefähr der Inhalt des Königssees in den Alpen, lässt unterwegs Spargel, Mangos, Avocados wachsen – und Blaubeeren, auf Tausenden von Hektar, die vorher Wüste waren. Peru exportiert heute mehr Blaubeeren als jedes andere Land der Welt, auch nach Deutschland, 10.000 Kilometer Luftlinie von der Quelle des Rio Huancabamba entfernt.

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