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Bauernproteste : Am Pranger

  • -Aktualisiert am

Bauern in dieser Woche auf dem Weg zu Protestaktionen in Berlin Bild: dpa

Die Bauern wollen nicht länger die Buhmänner sein. Doch in einer stärker auf Nachhaltigkeit bedachten Gesellschaft muss sich auch die Landwirtschaft anpassen.

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          Mehr als zehn Jahre sind seit dem großen „Milchstreik“ vergangen, als Tausende Landwirte in Deutschland aus Verärgerung über die niedrigen Preise ihre Milch in die Güllegruben schütteten, statt sie an die Molkereien zu liefern. Jetzt sind die Bauern wieder in Aufruhr. Diesmal geht es ihnen nicht so sehr ums Geld, sondern vor allem um ihren Stolz. Die Landwirte fühlen sich von der Gesellschaft als Tierquäler und Klimasünder verunglimpft und von der Politik mit immer neuen Vorschriften gegängelt. Der Streit über das Agrarpaket der Bundesregierung, das strengere Regeln für den Insekten- und Umweltschutz vorsieht, ist derart verhärtet, dass nun die Kanzlerin höchstpersönlich wird schlichten müssen. Am Montag trifft sie sich mit den Landwirtschaftsverbänden zur Generalaussprache im Kanzleramt.

          Nach dem Umgang mit den Flüchtlingen und dem Verbrennungsmotor ist die Landwirtschaft das nächste große Thema, an dem sich die wachsende Spaltung der Gesellschaft zeigt. Da sind zum einen die Großstädter, die ihre Kindheitserinnerungen an Bilderbuchbauernhöfe mit glücklichen Kühen und blühenden Wiesen zum politischen Ideal erheben und für dessen Verwirklichung die Grünen wählen. Doch in einem Land, in dem jeden Tag mehr als achtzig Millionen Menschen satt werden wollen, gehört zur Realität eben auch die industrielle Landwirtschaft: mit großen Tierställen und noch größeren Ackerflächen, auf denen die Landwirte computergestützt das Saatgut und, ja, auch Glyphosat verteilen.

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