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F.A.Z. exklusiv : Die Aufräumarbeiten in Tschernobyl verzögern sich

So sieht die neue Schutz-Abdeckung über dem explodierten Reaktor des Atomkraftwerkes in Tschernobyl aus. Bild: dpa

Vor 32 Jahren explodierte der Reaktor des Atomkraftwerkes in Tschernobyl. Immer noch liegt „erschreckend viel im Argen“.

          Die Abschottung des Unglücksreaktors im ukrainischen Tschernobyl kommt nur langsam voran. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Grünen zum 32. Jahrestag des Atomunfalls am Donnerstag hervor.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          So verzögere sich die Fertigstellung für die Halle, die über den mit Beton umgossenen Rektor geschoben worden ist, bis zum Jahresende. Der geplante Termin für den sogenannten Sarkophag im Mai sei nicht zu halten. „Ursache hierfür sind bislang nicht bekannte Kontaminationen“ am Reaktorgebäude, das mit der Hülle luftdicht verbunden werden soll.

          „Erschreckend viel im Argen“

          Die Befestigung ist nicht die einzige Schwierigkeit. „Auch die Beschaffung der für den Probebetrieb vorzuhaltenden Werkzeuge, Zubehör- und Ersatzteile, insbesondere für das Hauptkransystem, ist noch abzuschließen“, heißt es. Die Halle sollte Ende 2017 funktionsfähig sein. Luftdicht verschlossen und mit Unterdruck, soll sie dafür sorgen, dass bei einem Einsturz der Reaktorhalle nicht wieder radioaktive Strahlung in die Umwelt gelangt. Zudem soll mit Hilfe von Kränen im Hallendach später die Demontage des Reaktors betrieben werden.

          Deutschland finanziert das 2,1 Milliarden Dollar teure Projekt mit. Aus der Antwort geht hervor, dass auch andere wichtige Vorhaben, etwa die Behandlung und Lagerung von nuklear verseuchten Teilen, nicht betriebsfertig sind.

          Sylvia Kotting-Uhl (Grüne), die Vorsitzende des Umweltausschusses, kritisierte das. „Über drei Jahrzehnte nach der Katastrophe liegt erschreckend viel im Argen. Unfallruine und Kernschmelze sind noch immer nicht hermetisch umhaust, ihre eigentliche Beseitigung steht in den Sternen.“

          Zudem würden die Laufzeiten anderer alter Kernkraftwerke verlängert. „Das Land des ersten Super-GAUs hat nichts gelernt“, sagte sie der F.A.Z. Tschernobyl bleibe das Mahnmal für die tödlichen Risiken der Atomkraft. Doch auch Deutschland sei „umzingelt von Risikomeilern“ in Frankreich, Belgien oder der Schweiz.

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