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Infektionsketten finden : Die Arbeit an der Corona-App geht voran

In Österreich gibt es eine „Stopp-Corona-App“ schon. Bild: Imago

Der Bund setzt bei der Programmierung der App offenbar auf eine Eigenentwicklung. Um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhöhen, hat ein Unionspolitiker steuerliche Anreize für die Nutzer ins Gespräch gebracht.

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          Die Arbeit an der angekündigten „Stopp-Corona-App“ nimmt Fahrt auf. Nachdem die technischen Grundlagen zur Programmierung einer solchen App auf europäischer Ebene gelegt sind, zieht der Bund jetzt offenbar für die konkrete Ausgestaltung der deutschen App das Verfahren an sich. Der Bund habe sich für eine Eigenentwicklung und die Expertise eines externen Partners entschieden, berichtet der „Tagesspiegel“. Beteiligt sein dürften in jedem Fall neben dem Robert-Koch-Institut (RKI) auch das Heinrich-Hertz-Institut (HHI) in Berlin. Offizielle Angaben, wer die deutsche Variante programmiert, gibt es bislang nicht.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In Österreich war eine ähnliche App vom Roten Kreuz unter Mitarbeit des Beratungsunternehmens Accenture entwickelt worden. Auf die Frage, ob sich Accenture auch in Deutschland daran beteiligt, antwortete das Unternehmen, man sei bereit dazu. Die Entscheidung scheint jedoch noch nicht endgültig gefallen zu sein. In vielen Ländern wird derzeit an ähnlichen Apps gearbeitet, die vor allem für die Zeit nach dem Shutdown wichtig werden dürften, wenn also die Ausgangsbeschränkungen gelockert werden. Die Apps sollen dann dabei helfen, neue Infektionsherde frühzeitig einzudämmen, indem Menschen gewarnt werden, wenn sie Kontakt zu infizierten Personen hatten. Ihre Nutzung soll freiwillig sein.

          Es gibt für solche Tracking-Apps grundsätzlich zwei technische Herangehensweisen, wie Stefan Groß-Selbeck erläutert, globaler Chef der BCG-Tochtergesellschaft „Digital Ventures“. Entweder wird ein sogenanntes Geo-Tracking auf Basis des Satellitennavigationssystem GPS eingesetzt oder des Kurzstreckenfunks Bluetooth. Gegen ein Geo-Tracking mit GPS sprächen datenschutzrechtliche Bedenken, sagt Berater Groß-Selbeck. Außerdem sei GPS nicht so genau. Und: „In Hochhäusern kommt man mit GPS-Daten nicht weit.“ Man könne zwar Personen dort orten, aber man wisse nicht zwingend, wer sich in der Nähe dieser Personen befinde. Daher steht jetzt zunehmend die Bluetooth-Technologie als bessere Lösung im Vordergrund. Dabei machen Smartphones mit anderen Smartphones in der Umgebung automatisch einen verschlüsselten „Bluetooth-Handshake“. Ihr Ort wird dabei nicht erfasst. „Man verfolgt damit nicht, wo der Kontakt stattgefunden hat, sondern nur, ob ein Kontakt stattgefunden hat“, erläutert Groß-Selbeck. Bewegungsprofile werden also nicht erstellt, und auch sonst keine persönlichen Daten gesammelt. Eine solche Lösung wäre Datenschützern recht – zumal sie die Privatsphäre der Nutzer berücksichtigt. Und dies wiederum dürfte wichtig sein für die Akzeptanz einer solchen Lösung. Ob eine Corona-App effektiv ist, hängt letztlich davon ab, dass möglichst viele Menschen sie nutzen.

          Doch sowohl in Deutschland als auch international werden noch verschiedene weitere Ansätze verfolgt. Viele davon sind weniger gut mit Daten- und Privatsphäreschutz vereinbar. Insbesondere in einigen asiatischen Ländern werden Überwachungsmethoden eingesetzt, die mit tiefen Einschnitten in die Privatsphäre der Menschen einhergehen. Die App in Singapur namens „Trace Together“ wiederum verwendet ebenfalls Bluetooth-Technologie. In Amerika hat das MIT ein Konzept auf Basis von GPS-Daten entwickelt.

          Die technischen Grundlagen für die Apps in Europa hat wie berichtet eine europäische Forscherinitiative namens „Pan-European Privacy Preserving Proximity Tracking-Initiative“ (PEPP-PT) gelegt. Sie programmiert selbst keine Apps, liefert aber Codes an Interessenten, die auf dieser technischen Basis eigene Softwareanwendungen entwickeln können. Vor daher ist es derzeit noch nicht ausgemacht, ob es in Deutschland letztlich eine einzige oder sogar mehrere Corona-Apps geben wird. „Jetzt geht es darum, auf dieser technischen Basis eine App mit guter Nutzbarkeit zu entwickeln“, sagt Fachmann Groß-Selbeck. Seiner Meinung nach wäre es kein Problem, wenn es mehrere Apps gäbe. Sie alle würden im Hintergrund auf dieselbe Datenbasis zurückgreifen. Der „Bluetooth Handshake“ funktioniert auch zwischen unterschiedlichen Apps, die Technik ist für einen länderübergreifenden Austausch konzipiert, wie das Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut schreibt.

          „Eine Steuergutschrift könnte die Bereitschaft zum Einsatz erhöhen“, sagt Thorsten Frei (CDU).

          Experten weisen freilich darauf hin, dass ein zentrale App wohl am sinnvollsten sei. Schließlich gehe es darum, möglichst viele Leute zum Mitmachen zu bewegen. Aus der Union kam schon vor einigen Tagen eine Idee, dies zu fördern: Der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionsvize Thorsten Frei schlug einen steuerlichen Anreiz vor, um den Bürgern die Nutzung der App schmackhaft zu machen: “Eine Steuergutschrift könnte die Bereitschaft zum Einsatz erhöhen", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.

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