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Öl-Land Saudi-Arabien : Die echte Angst nach dem Angriff

Angriff auf Saudi-Arabien: Ein Satellitenbild zeigt die Folgen des Drohnenschlags gegen eine Raffinerie. Bild: AP

Droht als Folge des Angriffs auf eine essentielle Raffinerie des größten Ölexporteurs der Welt eine Rezession? Nein. Die große Sorge ist eine andere.

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          Droht als Folge des Angriffs auf eine essentielle Raffinerie des größten Ölexporteurs der Welt eine Rezession? Nach allem, was bislang bekannt ist über den Hergang dieses erschreckenden Ereignisses, lautet die Antwort ziemlich klar: nein.

          Natürlich ist Öl nach wie vor die bedeutendste fossile Ressource des Planeten, an der nicht nur die Produktion von Mobilität und Kunststoffen hängt. Doch Saudi-Arabien verfügt gegenwärtig über gutgefüllte Lager. Kunden dürfen damit rechnen, dass sie ihre bestellten Lieferungen in den kommenden Wochen und Monaten wie geplant erhalten; Zeit genug, in der das Golf-Königreich zerstörte Teile austauschen und den Betrieb dort wieder voll wird aufnehmen können.

          Für Deutschland, das sein Öl vornehmlich aus Russland und Norwegen bezieht, gehört Saudi-Arabien ohnehin nicht zu den Schlüsselanbietern. Auch die Vereinigten Staaten sind, darauf hat ihr internetaffiner Präsident Donald Trump nun durchaus zu Recht auf dem Kurznachrichtendienst Twitter hingewiesen, auf Öl und Gas aus dem Nahen Osten im Grunde nicht mehr angewiesen – weil nicht nur Trump, sondern schon sein Vorgänger Barack Obama dafür sorgte, dass Amerika auf diesem Feld nicht mehr ungewollt von ausländischen Anbietern abhängig ist. Das Stichwort lautet „Fracking“.

          Allerdings ist Trump genauso glaubhaft, wenn er ankündigt, dass Washington seinen Alliierten beistehen werde, auch militärisch. Gerade das Bündnis mit Saudi-Arabien hat eine lange Tradition – von der dereinst von amerikanischen Unternehmen gegründeten Arabian-American Oil Company, die heute Saudi Aramco heißt, über die Öl-Übereinkunft zwischen dem Präsidenten Roosevelt mit dem König Saud im Jahr 1945 bis hin zum Erfolg der Nixon-Administration, die erreichte, dass die Saudis ihr Öl in Dollar handeln. Dies half den Vereinigten Staaten, den Dollar als Weltreservewährung zu erhalten.

          Welche amerikanische Reaktion folgt vor diesem Hintergrund auf den aktuellen Angriff? Wie sicher sind eigentlich die saudi-arabischen Produktionsanlagen wirklich in Zeiten, in denen dezentral gesteuerte Drohnen und Computerviren an die Stelle herkömmlicher Waffensysteme getreten sind?

          Das sind die Fragen, die nicht nur die Anleger an der Börse nun stellen. Im Gegensatz zu den Folgen für die Konjunktur stehen die Antworten darauf noch aus.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

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