https://www.faz.net/-gqe-91umq

Luftverkehr : Die Air-Berlin-Insolvenz könnte Geschäftsreisende teuer kommen

  • Aktualisiert am

Ein Flugzeug der insolventen Fluggesellschaft „Air Berlin“ auf einer Parkposition am Berliner Flughafen Tegel. Bild: dpa

Geschäftsreisende spüren die Insolvenz bereits, wenn es um die Ticketpreise geht - sagt zumindest der Geschäftsreiseverband. Für die Flughäfen in Berlin hat die Insolvenz angeblich kaum Folgen.

          Die Insolvenz der Air Berlin macht sich nach Beobachtung des Geschäftsreiseverbands VDR schon jetzt in den Ticketpreisen bemerkbar. „Wir haben Rückmeldungen von unseren Mitgliedsunternehmen, dass es schon jetzt die Tendenz zu Preiserhöhungen gibt“, sagte Vizepräsident Ralph Rettig der „Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“ (Samstag).

          Der Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) erläuterte, dass Firmen nun tiefer in die Tasche greifen müssen, wenn sie für ihre Mitarbeiterflüge Air Berlin meiden und beispielsweise mit der Lufthansa verhandeln. Beziffert wurden die Preissteigerungen nicht.

          Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt warnte schon unmittelbar nach dem Insolvenzantrag der Air Berlin vor einem Lufthansa-Monopol auf bestimmten Strecken. Dem deutschen Marktführer werben im Bieterkampf um Air Berlin gute Chancen beigemessen. Bei innerdeutschen Flügen hat sie dem Zentrum zufolge schon jetzt einen Marktanteil von knapp 72 Prozent, bei den Europaflügen von deutschen Flughäfen einen Anteil von 36 Prozent.

          Dennoch werde die Insolvenz aus Sicht der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) keine größeren Folgen für das Geschäft an den Berliner Flughäfen haben. Die Slots für die Starts und Landungen blieben erhalten, deswegen mache es für die Airports keinen großen Unterschied, wer diese betreibe, sagte FBB-Geschäftsführer Engelbert Lütke Daldrup der „Welt am Sonntag“. Es gebe bereits Gespräche mit anderen Airlines, auch über einen künftigen Ausbau der Langstrecken am noch nicht eröffneten BER. „Wir gehen davon aus, dass sich die Lufthansa - auch mit ihrer Tochter Eurowings - stärker in Berlin engagieren wird. Und wir rechnen mit mehr Langstreckenflügen.“

          Die FBB hatte angesichts der finanziellen Schwierigkeiten bei manchen Airlines die Insolvenz von Fluglinien stets mitgedacht. In den Geschäftsberichten dazu heißt es: „Aufgrund der derzeitigen starken Nachfrage am Standort Berlin können mögliche Umsatzverluste jedoch mittelfristig durch andere Airlines ausgeglichen werden“.

          Im Rennen um die Zukunft von Air Berlin ist seit Freitag die erste Etappe beendet. Mindestes fünf Angebote für die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft gingen bis Fristende ein. Bieter für Teile der Airline sind die Lufthansa, Easyjet, Niki Lauda gemeinsam mit Condor sowie der Berliner Logistiker Zeitfracht. Der Unternehmer Utz Claassen bietet für die ganze Fluggesellschaft. Ein weiteres Angebot hat auch der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl abgegeben, wie eine Sprecherin bestätigte. Nach einem Bericht von „B.Z.“ und „Bild“ (Samstag) soll auch die British Airways ein Angebot abgegeben haben.

          Air Berlin sprach am Freitag nur von „mehreren“ Bietern und nannte keine Namen. Die Gläubiger sollen am 21. September beraten, vier Tage später soll der Aufsichtsrat über die Zukunft der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft sowie ihrer mehr als 8000 Beschäftigten entscheiden. Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet, nachdem der Großaktionär Etihad weitere Finanzspritzen für die defizitäre Airline ausgeschlossen hatte. Der Flugbetrieb wird nur durch den Kredit des Bundes aufrecht erhalten.

          Weitere Themen

          Als die Grenze fiel Video-Seite öffnen

          August 1989 : Als die Grenze fiel

          Die Welt hat lange stillgestanden an der ungarisch-österreichischen Grenze. Bis zum 19. August 1989. Dann, vor 30 Jahren, platzte zwischen Fertörákos und Mörbisch eine Nahtstelle des Eisernen Vorhangs – mit weitreichenden Folgen für die Region und ganz Europa.

          Topmeldungen

          Jeder hat sein Kreuz zu tragen: Matteo Salvini am Strand auf Sizilien.

          Italienische Regierung : Ohne den Segen des Papstes

          Italiens Innenminister Salvini gibt sich gerne als gläubiger Christ. Damit hat er den Zorn Franziskus’ auf sich gezogen – und am Ende auch den des scheidenden Ministerpräsidenten Conte.

          An Scholz’ Seite : Manchmal liegt das Glück ganz nah

          Das Rennen um den SPD-Vorsitz geht weiter: Wofür die Kandidatin an Scholz’ Seite steht – und wieso der erfolgsverwöhnte Niedersachse Stephan Weil plötzlich beschädigt ist.
          Der Charging Bull, eine Bronzestatue im Financial District in Manhattan, New York.

          Amerikas Wirtschaft : Das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen?

          Amerikas Manager-Elite gibt sich neue Prinzipien: Sie will Aktionäre nicht mehr über alles andere stellen. Ihre eigene Vergütung dagegen ist bisher kein Thema.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.