https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/die-30-milliarden-euro-hilfe-flut-ohne-vorbild-kommentar-17480968.html
Jonas Jansen, Redakteur in der Wirtschaft

30 Milliarden Euro : Flut ohne Vorbild

  • -Aktualisiert am

Patrick Haas (SPD, l), Bürgermeister von Stolberg und Olaf Scholz (SPD, 2.v.l), Bundesfinanzminister, laufen an einer zerstörten Bushaltestelle vorbei. Bild: dpa

30 Milliarden Euro wollen Bund und Länder für die Aufräumarbeiten nach der Flut bereitstellen. Die Hochwasserkatastrophe hat alle Risikomodelle gesprengt – es ist nur folgerichtig, dass auch ihre Bewältigung alles Bekannte überschreitet.

          1 Min.

          Einen „viel größeren Betrag“ im Vergleich zum Hochwasser im Jahr 2013 werde es für den Wiederaufbau brauchen, hatte Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) schon bei seinem Besuch in der von der Flut stark betroffenen Stadt Stolberg nahe Aachen angekündigt. Dass es eine gut fünfmal so große Summe wird, ist trotzdem ein Ausrufezeichen. Knapp sechs Milliarden Euro haben Bund und Länder für den Wiederaufbau in Ostdeutschland aufgebracht, nun wird mit 30 Milliarden Euro gerechnet.

          Erstaunlich ist dabei vor allem der große Abstand zur Summe der versicherten Schäden, denn die unterscheiden sich gar nicht so stark in den beiden Flutkatastrophen. Hatte die Versicherungswirtschaft durch das Hochwasser an Elbe und Oder einen Schaden von 4,65 Milliarden Euro beziffert, liegt die erste Schätzung nun bei 4 bis 5 Milliarden. Das zeigt sich auch im Kleinen vor Ort: Das Wohnungsunternehmen LEG, das gut 200 betroffene Wohnungen vor allem in der Ahrregion hat, stellt 1 Million Euro für Entrümpelungsarbeiten vor allem für diejenigen Mieter bereit, die keine Hausratversicherung haben. Und das sind offenbar ziemlich viele. Die Kosten, die dem Unternehmen durch Reparaturen, Ersatzunterbringung oder Mietausfälle entstehen, werden hingegen nahezu vollständig von der Elementarversicherung übernommen.

          Die üppigen Hilfszusagen vom Staat dürften die Bereitschaft nicht erhöhen, Versicherungen abzuschließen. Doch zeigt ein Blick auf die von der Flut betroffenen Gebiete auch Wochen nach dem Starkregen, warum die Diskussion um Pflichtversicherungen für Elementarschäden an den Sorgen der Anwohner vorbeigeht. An der Ahr fließt immer noch ungefiltertes Abwasser direkt in den Fluss, weil nicht alle Kläranlagen betriebsbereit sind. Brücken wurden vom Technischen Hilfswerk behelfsmäßig errichtet, Teile der Autobahnen 1 und 61 sind voll gesperrt. Der Energieversorger Eon rechnet damit, dass es vielerorts gut und gerne 18 Monate dauern wird, bis manche Kunden wieder eine Wohnung haben. Die Hochwasserkatastrophe hat alle Risikomodelle gesprengt – es ist nur folgerichtig, dass auch ihre Bewältigung alles Bekannte überschreitet.

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Weitere Themen

          Familienfrieden im Aldi-Reich

          FAZ Plus Artikel: Streit beigelegt : Familienfrieden im Aldi-Reich

          Lange Jahre haben sich die Familienstämme von Aldi Nord erbittert gestritten – vor Gerichten ging es um die Macht in den Stiftungen und Millionenbeträge. Jetzt soll alles anders werden in einer der reichsten Familien Deutschlands.

          Topmeldungen

          Geldpolitik aus dem Frankfurter Ostend: Das EZB-Hochhaus spiegelt sich im Main.

          Inflation und Zinsen : Vorsicht vor geldpolitischen Irrtümern

          Derzeit fordern manche Ökonomen und Geldpolitiker von der Europäischen Zentralbank, mit ihren Zinserhöhungen bald wieder aufzuhören. Doch ihre Argumente taugen immer noch nichts.
          Babette Albrecht

          Streit beigelegt : Familienfrieden im Aldi-Reich

          Lange Jahre haben sich die Familienstämme von Aldi Nord erbittert gestritten – vor Gerichten ging es um die Macht in den Stiftungen und Millionenbeträge. Jetzt soll alles anders werden in einer der reichsten Familien Deutschlands.
          Recht und Gesetz: Der Infodienst „Libra“ lässt aufhorchen.

          Debatte um Juris GmbH : Wat mutt, dat mutt?

          Die mehrheitlich in Staatshand befindliche Juris GmbH veröffentlicht Kommentare zu Gerichtsurteilen. In ihnen finden sich Leichtfertiges und Geschmackloses. Dabei richtet sich das Angebot „Libra“ an praktizierende Juristen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.