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Dibelius im Zeugenstand : „Herr Middelhoff hat wirklich gekämpft“

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„Da kann ich mich schon mal um 100 oder 200 Millionen vertun“: Goldman-Sachs-Deutschland-Chef Alexander Dibelius als er eine Milliarden-Transaktion zur Entlastung des Handelskonzerns Arcandor im Gericht beziffern sollte. Bild: dpa

Der Kauf von Arcandor-Anteilen hat die Kölner Privatbank Sal. Oppenheim fast in den Ruin getrieben. Vor Gericht hat nun ein prominenter Zeuge ausgesagt. Der deutsche Goldman-Sachs-Chef Dibelius schilderte, wie Milliarden-Deals zustande kommen - oder auch nicht.

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          Der deutsche Goldman Sachs-Chef Alexander Dibelius hat im Sal.-Oppenheim-Prozess als Zeuge seine Verhandlungen mit dem früheren Arcandor-Chef Thomas Middelhoff geschildert. Das desaströse Arcandor-Engagement hatte die Kölner Privatbank Sal. Oppenheim 2009 fast in den Ruin getrieben. In hektischen Telefonaten habe sich Middelhoff im Herbst 2008 um neue Finanzspritzen für den angeschlagenen Handelskonzern bemüht, berichtete Dibelius am Mittwoch vor dem Landgericht Köln. „Herr Middelhoff hat wirklich darum gekämpft, hier Geld für das Unternehmen zu bekommen.“ Er habe ihm aber sagen müssen: „Lieber Thomas Middelhoff, wir können das nicht!“ Stattdessen empfahl er Middelhoff, es bei Sal. Oppenheim zu probieren.

          Die Investmentbank Goldman Sachs war Hauptvermieter der Filialen von Karstadt, die zu Arcandor gehörten. Damit sei Goldman Sachs bereits ein Risiko eingegangen, sagte Dibelius. Er habe dies durch einen Kredit nicht weiter erhöhen wollen und Middelhoff auch recht früh zu verstehen gegeben, dass von Goldman Sachs kein Geld mehr zu erwarten sei. Stattdessen verstärkte Sal. Oppenheim sein Engagement für Arcandor immer weiter. Zuletzt war die Kölner Privatbank größter Aktionär des Konzerns. Durch den Zusammenbruch von Arcandor verlor Sal. Oppenheim 2009 Milliarden und musste kurz darauf von der Deutschen Bank übernommen werden.

          Thomas Middelhoff
          Thomas Middelhoff : Bild: dpa

          Die vier ehemaligen Topbanker von Sal. Oppenheim und der Immobilienmanager Josef Esch müssen sich seit einem Jahr teils wegen Untreue in besonders schwerem Fall, teils wegen Beihilfe dazu vor Gericht verantworten. In dem Prozess geht es unter anderem darum, ob Esch in der Bank die Rolle einer „Grauen Eminenz“ spielte. In diesem Zusammenhang wurde Dibelius jetzt auch gefragt, ob er bei den Verhandlungen über Arcandor die Vorstellung gehabt habe, dass Esch zu Sal. Oppenheim gehöre. Dibelius erwiderte darauf: „Ich hätte zumindest nicht gesagt: Ja, lieber Herr Esch, was machen Sie denn hier?“

          Unterdessen hat die einstige Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz einen Erfolg verbucht: In ihrem Zivilverfahren gegen Sal. Oppenheim habe die Kammer einen Beweisbeschluss erlassen, sagte Gerichtssprecher Christian Hoppe. Die Entscheidung bedeutet, dass nun zahlreiche Zeugen gehört werden. Zu Beginn des Verfahrens 2012 hatte das Gericht der Quelle-Erbin Schickedanz wenig Hoffnung auf Erfolg gemacht. Deshalb war es keineswegs sicher gewesen, dass überhaupt Zeugen aufgerufen werden würden. Nun hat das Gericht aber doch so entschieden, was bedeutet, dass sich das Verfahren noch lange hinziehen dürfte.

          Das Landgericht Essen hat derweil eine Anklage gegen Middelhoff zugelassen. Der frühere Arcandor-Chef soll durch Flugreisen auf Firmenkosten sowie durch die Organisation einer Fachtagung Untreue begangen haben. Seine Anwälte Sven Thomas und Winfried Holtermüller zeigten sich hingegen überzeugt, dass die Hauptverhandlung zu einem Freispruch führen werde. Überdies sei erstaunlich, wie wenig nach mehr als vierjährigen Ermittlungen von den ursprünglichen Vorwürfen übrig geblieben sei. Schon eine Zivilklage des Arcandor-Insolvenzverwalters wegen dieser Flugreisen sei ganz überwiegend abgewiesen worden.

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