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Devisenmarkt : Dollarerholung - aber nicht aufgrund eigener Stärke

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Bild: FAZ.NET

Hatte sich die amerikanische Währung in den vergangenen Wochen von den Tiefs der vergangenen Jahre erholt, setzt er diese Bewegung am Dienstag nach einer kurzen Zwischenkorrektur mit frischen Impulsen fort. Ein Grund: Ein schwacher Ifo-Index.

          Hatte sich der Dollar in den vergangenen Wochen schon mit überraschender Dynamik von den Tiefs der vergangenen Jahre erholt, so setzt er diese Bewegung am Dienstag nach einer kurzen Zwischenkorrektur mit frischen Impulsen fort.

          Der Grund dafür lässt sich keinesfalls aus der Erholung der amerikanischen Wirtschaft oder aus einem Abflauen der anhaltenden Kreditkrise ableiten, sondern vielmehr aus den immer verhaltener werdenden wirtschaftlichen Aussichten in der restlichen Welt.

          Die Stimmung trübt sich weiter ein

          So hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft im August überraschend deutlich eingetrübt und damit Rezessionsängste genährt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank von 97,5 Punkten im Juli auf 94,8 Zähler, wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Dienstag mitteilte. Das Barometer fiel damit zum dritten Mal in Folge und liegt nun auf dem niedrigsten Niveau seit Mitte 2005. Volkswirte hatten mit einem Rückgang auf 97,1 Punkte gerechnet. „Die deutsche Wirtschaft gerät zunehmend in konjunkturell schwieriges Fahrwasser“, erklärte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn bei der Veröffentlichung des viel beachteten Indikators.

          Die Aussichten für die kommenden sechs Monate schätzten die befragten Manager pessimistischer als in den vergangenen Befragungen ein. Der entsprechende Teilindex sank von 89,9 Zählern auf 87,0 Punkte. Der Index für die Lage fiel auf 103,2 Punkte von 105,6 Zählern. Der Euro reagierte unmittelbar auf die Zahl zumindest aus Tagessicht mit einem wahren Kurssturz: Der Wechselkurs fiel von 1,4715 auf 1,4596 Dollar im bisherigen Tagestief. Das ist ein Minus von kapp 1,2 Prozent. Seit Mitte des vergangenen Monats hat die europäische Einheitswährung mehr als acht Prozent gegen ihr amerikanisches Pendant verloren.

          Wie viele andere optimistische Ökonomen auch geht Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger zwar davon aus, dass Deutschland trotz der konjunkturellen Abkühlung keine „echte Rezession“ drohe. Eine technische Rezession - also zwei Quartale mit schrumpfender Wirtschaft - sei jedoch nicht auszuschließen, erklärte er. Andere jedoch blicken deutlich pessimistischer in die Zukunft: „Der private Konsum in Deutschland springt überhaupt nicht an. Ich erwarte, dass sich die Konjunkturentschleunigung auf globaler Ebene fortsetzt und Deutschland deutlicher als bisher in den Prognosen berücksichtigt davon betroffen sein wird“, sagte Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank der Nachrichtenagentur Reuters. Die von der GfK regelmäßig ermittelte Konsumentenstimmung tendiert schon seit Monaten nach unten.

          Abschwächung nicht auf Europa beschränkt

          Die wirtschaftliche Abschwächung ist nicht nur auf Europa beschränkt, wo sich einzelne Staaten wie Irland, Großbritannien und Spanien inzwischen in einer Rezession befinden dürften und wo die Dynamik in Mittel- und Osteuropa abnimmt. Eine Verlangsamung des Wachstums zeigt sich auch in Neuseeland, Australien und weiteren Teilen Asiens. Längst hat der Devisenmarkt darauf reagiert. Denn Währungen wie der australische und der Neuseeland-Dollar, die tschechische Krone, der polnische Zloty, der ungarische Forint, der Schweizer Franken und die dänische Krone haben in den vergangenen sechs Wochen genau soviel oder mehr Wert gegen den amerikanischen Dollar verloren wie der Euro.

          Die Märkte spekulieren darauf, dass der Preisauftrieb in diesen Regionen rasch zurückgehen und den Zentralbanken Spielräume zur Lockerung ihre Geldpolitik eröffnen wird. Allerdings sind angesichts der verzögerten Weitergabe der Preisimpulse der vergangenen Jahre innerhalb der Wertschöpfungsketten und an den Endverbraucher gewisse Zweifel am raschen Rückgang der Inflationsraten ebenso berechtigt, wie an der Erwartung, das Wachstum könne rasch wieder aufleben. Denn selbst wenn die Inflationsraten fallen, können die Preise auf dem erreichten Niveau verharren. Auf diese Weise bleibt die Kaufkraft der Konsumenten beschnitten.

          Neben den Wachstumsaussichten trägt auch die anhaltende Kreditkrise zum Rückzug der internationalen Anleger aus hoch verzinslichen, aber alleine schon aufgrund der adversen Wechselkursentwicklungen riskanter werdenden Anlagen eine Rolle. Das führt zu Repatriierungsströmen in den Dollar und in den Yen. Aufgrund der anhaltenden Unsicherheiten können die Trends der vergangenen Wochen noch eine Weile anhalten, stellen sie doch nur die Gegenbewegungen zur übertriebenen Kursentwicklung der vergangenen Jahre dar.

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