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Deutschrap im Ruhestand : „Droppe noch zwei Alben – und dann Kamikaze“

  • -Aktualisiert am

Dardan (22) hat seine Karriere mit dem Erscheinen des letzten Albums Anfang Juni bereits für beendet erklärt. Bild: Imago

Viele Rapper kündigen ihren Ruhestand an. Dabei sind sie noch nicht mal 35. Wie spießig ist das denn?

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          Raf Camora, Bausa, Favorite, KC Rebell, Dardan, Ali As, PA Sports und Nazar haben zwei Dinge gemeinsam: Sie gehen erstens in den Ruhestand. Und sie sind zweitens nicht etwa über Jahre erfolgreiche Unternehmer, sondern Rapper – und die meisten von ihnen können die Jahre, in denen sie mit ihrer Musik überhaupt Geld verdient haben, an einer Hand abzählen. Die Liste der Rapper, die einen letzten Micdrop machen, ihr Mikrofon also ein letztes Mal dramaturgisch inszeniert fallen lassen, ist in den letzten Monaten immer länger geworden. Der ein oder andere plant noch eine Abschiedstournee, wegen der Pandemie mussten Alben und Konzerte verschoben werden. Aber das Ende ihrer Musikerlaufbahn ist besiegelt. Stattdessen widmen sie sich neuen Projekten: Da werden Autobiographien geschrieben, Tattoostudios gegründet oder einfach das Rentnerdasein mit Mitte 20 gefeiert. Für die meisten dürfte das finanziell zu stemmen sein: Viele der genannten haben ihre ersten verdienten Millionen längst hinter sich gelassen.

          Der in der Schweiz geborene Raf Camora, der mit bürgerlichem Namen Raphael Ragucci heißt, ist so einer. Mit 15 fing er das Rappen an – in seiner Muttersprache Französisch. Der ganz große Erfolg allerdings kam erst vor drei Jahren, als das Album „Palmen aus Plastik“ mit Bonez MC sämtliche Rekorde der deutschsprachigen Musikindustrie brach. Mit 35 kündigte er im vergangenen Jahr seinen Rückzug an. Verdient hat er in der Zwischenzeit viele Millionen, ist er doch der erfolgreichste deutschsprachige Künstler der letzten Jahre. Sein Vermögen wird auf 15 Millionen Euro geschätzt, allein seine Youtube-Erlöse dürften sich jeden Monat auf mehr als 50.000 Euro belaufen. Davon kann man schon ein paar Jahre bestreiten. Selbst wenn man einen ausufernden Lebensstil mit Partys, Privatjet, teuren Uhren und schnellen Sportwagen führt. Abgesehen von seiner Musik führt Ragucci sein eigenes Label, eröffnet gerade in seiner Wahlheimat Wien ein Tattoostudio und managt seine eigene, gut laufende Modelinie. Das viele Geld, oder Para (aus dem Türkischen), wie es in der Rap-Szene unter anderem genannt wird, hat er sich hart erarbeitet, sagt er. Davon handeln seine Lieder. Wer also würde ihm den Ruhestand missgönnen?

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