https://www.faz.net/-gqe-9iphp

Haushaltsüberschuss steigt : Deutschlands Wachstum schwächt sich ab

  • Aktualisiert am

Transporter der Marke Volkswagen Nutzfahrzeuge stehen zur Auslieferung auf einem Zug im Rangierbahnhof Seelze in der Region Hannover. Bild: dpa

Seit 2010 wächst Deutschlands Wirtschaft. Seit fünf Jahren gibt es Haushaltsüberschüsse. Doch die Lage trübt sich ein. Einige halten „Wachstumsdemut“ für angebracht.

          Nach zwei Boomjahren in Folge hat die deutsche Wirtschaft einen Gang zurückgeschaltet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im vergangenen Jahr um 1,5 Prozent zu, nach jeweils 2,2 Prozent in den beiden Vorjahren, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Berlin anhand vorläufiger Daten mitteilte. 2018 war das neunte Wachstumsjahr in Folge seit 2010. Damals musste sich Europas größte Volkswirtschaft von der tiefen Rezession 2009 infolge der globalen Finanzkrise erholen.

          Im vierten Quartal 2018 ist die deutsche Wirtschaft jedoch wieder auf Wachstumskurs gegangen. In einer ersten Schätzung geht das Statistische Bundesamt von einem „leichten Plus“ im Vergleich zum Vorquartal aus, wie die Behörde am Dienstag in Berlin auf Nachfrage mitteilte. Im dritten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Vorquartal um 0,2 Prozent gefallen.

          WLTP bremst Wachstum

          Gestützt wurde die Konjunktur im vergangenen Jahr dem Bundesamt zufolge abermals von der Kauflust der Verbraucher. Hinzu kamen gestiegene Investitionen vieler Unternehmen in Ausrüstungen, Bauten und sonstige Anlagen sowie der Bauboom. Auch die Konsumausgaben des Staates, zu denen unter anderem soziale Sachleistungen und Gehälter der Mitarbeiter zählen, legten den Angaben zufolge zu.

          Der Export fiel als Wachstumstreiber aus. Nach den vorläufigen Berechnungen legten die Importe stärker zu als die Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen. Die von den Vereinigten Staaten angeheizten Handelskonflikte belasten das Exportgeschäft. Hinzu kamen Probleme der für Deutschland so wichtigen Autoindustrie bei der Einführung des neuen Abgas- und Verbrauchsstandards WLTP. Die Hersteller mussten deswegen zeitweise ihre Produktion drosseln. Das hatte die Wirtschaftsentwicklung im dritten Quartal belastet.

          Unkenrufe oder Wachstumsdemut

          Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin, sprach von „einem ordentlichen BIP-Wachstum“. Er erwarte auch 2019 „keine schwache deutsche Wirtschaft“. Eine gute Beschäftigungslage und Lohnsteigerungen würden den privaten Konsum stützen.

          „Wachstumsdemut“ für 2019 hält dagegen Alexander Krüger, Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, für angebracht. „Nach zwei Ausnahmejahren war 2018 das gesunde Normalmaß am Ruder“, sagte er. Er geht von sinkenden Wachstumsprognosen für 2019 aus.

          Von der seit Jahren positiven Konjunktur und den anhaltend niedrigen Zinsen profitiert weiterhin auch der Fiskus. Der deutsche Staat konnte nach Berechnungen der Statistiker 2018 zum fünften Mal in Folge mehr Geld einnehmen als ausgeben. Der Überschuss von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialkassen machte unter dem Strich 1,7 Prozent des BIP aus, nach 1,0 Prozent im Vorjahr. Ein wenn auch minimales Defizit hatte Deutschland zuletzt 2013 verbucht.

          Wirtschaftsforschungsinstitute und Bank-Ökonomen hatten zuletzt zwar ihre Konjunkturprognosen für Deutschland gesenkt. Sie gehen aber davon aus, dass der Aufschwung auch in diesem Jahr weitergeht.

          Weitere Themen

          Zu viele offene Details Video-Seite öffnen

          Apple als Unterhaltungskonzern : Zu viele offene Details

          Anleger reagierten mit Ablehnung: Der Tech-Riese stellte am Montag sein neues Nachrichtenangebot „News+”, eine Kreditkarte für seinen Bezahldienst sowie den Gamingdienst „Arcade” vor.

          Apple nimmt es mit Netflix auf Video-Seite öffnen

          Apple TV+ : Apple nimmt es mit Netflix auf

          Der Konzern will sich angesichts zurückgehender iPhone-Verkäufe breiter aufstellen und setellt seinen eigenen Streamingdienst namens Apple TV+ vor. Angekündigt wurde in diesem Zuge auch ein bezahlpflichtiges Nachrichtenangebot namens Apple News+.

          Topmeldungen

          Ringen um den Brexit : Die Selbstermächtigung des Unterhauses

          Am Mittwoch wollen Mitglieder des britischen Unterhauses ausloten, welcher Brexit eine Mehrheit in ihren Reihen finden könnte. Die Premierministerin steht unter großem Druck – könnte am Ende aber profitieren.
          Hat Simon Vaut im Rennen um die Kandidatur falsche Angaben gemacht?

          Eklat um SPD-Europakandidaten : Simon Vaut soll Partei getäuscht haben

          Mit einer falschen Adresse und einer erfundenen Beziehung soll Vaut einen Bezug zu Brandenburg vorgetäuscht und sich so die Kandidatur für das Bundesland erschlichen haben. Ministerpräsident Woidke zeigt sich enttäuscht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.