https://www.faz.net/-gqe-9s0fu

Weltwirtschaftsforum : Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit lässt nach

Ein Techniker installiert ein neues Glasfaserkabel. Bild: dpa

Trotz hoher Innovationsfähigkeit liegt die Bundesrepublik nur noch auf Platz 7 im internationalen Vergleich des Weltwirtschaftsforums. Auf einem Feld schneidet Deutschland besonders schlecht ab.

          2 Min.

          Deutschland hat an Wettbewerbskraft eingebüßt. Dies lässt sich aus dem „Global Competitiveness Report 2019“ ablesen, den das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Genf herausgegeben hat. Das WEF ist vor allem für seine Großveranstaltung in Davos bekannt, zu der die Granden aus Wirtschaft und Politik immer Ende Januar aus aller Welt einfliegen. Seit 1979 gehen die WEF-Forscher alljährlich unter verschiedenen Kriterien auch der Frage nach, wie es um die Wettbewerbsfähigkeit der meisten Länder auf diesem Globus bestellt ist. So entsteht eine vielbeachtete Rangliste, in der Deutschland dieses Mal auf Platz 7 gelandet ist und sich somit gegenüber dem Vorjahr um vier Plätze verschlechtert hat.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Die neue Nummer 1 heißt Singapur, gefolgt von den Vereinigten Staaten, die ihre vorjährige Spitzenposition verloren haben. Auf den Plätzen 3 bis 6 folgen Hongkong, die Niederlande, die Schweiz und Japan. Großbritannien rutschte um einen Rang auf Platz 9 ab; Frankreich kletterte zwei Stufen nach oben und liegt nun auf Rang 15. Italien landete auf Platz 30 und damit hinter China (28) und Malaysia (27). Die Schlusslichter in der 141 Länder umfassenden Rangliste sind Kongo, der Jemen und Tschad.

          Nach den Erkenntnissen der Studienautoren hat Deutschland wie im Vorjahr sehr gut in puncto Innovationsfähigkeit abgeschlossen. Dabei bewerteten die Forscher nicht nur die hohe Patentanmeldequote. Sie gingen auch der Frage nach, wie schnell auf Veränderungen reagiert wird und wie gut Schocks absorbiert werden können. Außerdem nahmen sie den gesamten Innovationsprozess von der Entwicklung einer Idee bis hin zur deren Umsetzung und Vermarktung unter die Lupe.

          Größte Schwäche in der IT

          Auch mit Blick auf den Ausbildungsgrad und die Fähigkeiten der Beschäftigten schnitt Deutschland gut ab, auch wenn es Nachholbedarf in der Weiterbildung und der zunehmend gebotenen Umschulung auf neue Technologien gibt. Die volle Punktzahl gab es für die makroökonomische Stabilität. Sehr gute Noten vergaben die Ökonomen für die „Zukunftsorientierung der Regierung“. Hier landete Deutschland hinter Luxemburg auf Platz 2. Zu dieser Kategorie gehören unter anderem die politische Stabilität und die Regulierung in der Energiewirtschaft. In Summe hat sich Deutschland in 18 von 103 Indikatoren gegenüber dem Vorjahr verbessert. In 53 Indikatoren stellte sich indes eine Verschlechterung ein.

          Die größte Schwäche erkannten die Ökonomen in der Einführung von Informations- und Kommunikationstechnologien. In dieser Kategorie, die unter anderem den prozentualen Umfang von Breitband- und Glasfaseranschlüssen umfasst, rangiert Deutschland lediglich auf Rang 36 auf der Welt. Das technikaffine Südkorea liegt hier an der Spitze. Jungunternehmern legt man in Deutschland offenbar immer noch viel zu viele Steine in den Weg. Bei den Kosten für den Aufbau eines Geschäfts kommen Unternehmensgründer in 71 Ländern besser weg als in Deutschland. In dem Unterpunkt „Anzahl der Tage bis zum Start einer Unternehmung“ sprang nur Platz 47 heraus. Aber immerhin hat sich Deutschland gegenüber dem Vorjahr um 19 Ränge verbessert.

          Das WEF ist nicht die einzige Institution, die sich mit der Wettbewerbsfähigkeit von Ländern befasst. In der im Mai veröffentlichten Rangliste des IMD World Competitive Centers (WCC), das zur privaten Wirtschaftshochschule IMD im schweizerischen Lausanne gehört, war Deutschland um zwei Plätze auf Rang 17 zurückgefallen. Als eine der wesentlichen Gründe für die Verschlechterung nannten die Studienautoren die vergleichsweise hohen Unternehmenssteuern in Deutschland. Obwohl das WCC die Wettbewerbsfähigkeit an vielen Stellen ganz anders bemisst und bewertet als das WEF, landete auch in diesem Ranking der Stadtstaat Singapur ganz oben auf dem Siegerpodest.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kündigt Sanktionen gegen die Türkei an: der amerikanische Präsident Donald Trump.

          Stahlzölle steigen : Trump kündigt Sanktionen gegen Türkei an

          Washington hatte Ankara mehrfach gewarnt, nun macht die Regierung ernst: Die Strafzölle auf Stahl aus der Türkei sollen wegen der umstrittenen Militäroffensive der Türkei in Syrien auf 50 Prozent steigen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.