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Konfrontation mit EZB : Commerzbank prüft, Geld in Tresoren zu lagern

Bringt die Commerzbank wirklich künftig ihr Geld in Tresoren unter? Bild: Reuters

Erst beschwerte sich die Deutsche Bank lauthals über die EZB Zinspolitik, jetzt legt die Commerzbank nach: Sie prüft, ob sie ihr Geld künftig lieber im Tresor lagert, als es bei der Zentralbank zu Minus 0,4 Prozent anzulegen.

          Die beiden größten deutschen Banken wehren sich gegen die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Die Commerzbank prüft, wo sie künftig ihre Liquidität lässt, um Strafzinsen der EZB auf Einlagen zu vermeiden. Wie Finanzkreise bestätigen, erwägt die Commerzbank als eine Möglichkeit, künftig Milliarden Euro in Tresoren zu lagern anstatt das Geld bei der EZB zu Minus 0,4 Prozent anzulegen. Beschlüsse dazu gebe es nicht, sagte ein Sprecher der Bank. „Wir machen das aktuell nicht.“ Aber offenbar will die Commerzbank nicht länger tatenlos zu sehen, wie die EZB mit negativen Zinsen ihre Einlagen angreift.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Deutsche Bank belässt es noch bei Worten, aber ihr Chefvolkswirt David Folkerts-Landau ging mit der EZB am Mittwoch scharf ins Gericht. Der Ökonom nannte den Kurs der EZB einen „Fehler“ und warf ihr vor, Ruf und Vertrauen zu verspielen. Die Negativzinsen hätten erhebliche Nebenwirkungen. Das Signal an die Menschen sei: „Sparen ist schlecht.“ Wer doch spare, wähle jetzt riskante Wertpapiere wie Aktien, an die er sich bisher nie herangetraut hätte, sagte Folkerts-Landau. Denn die bei den Deutschen so beliebten Bundesanleihen werfen bis zu einer Laufzeit von neun Jahren negative Renditen ab. Dies liegt auch daran, dass die EZB jetzt auch Unternehmensanleihen aufkauft, um das Zinsniveau zu drücken. Anleihen sind deshalb auch für Banken oft keine werthaltige Option, um ihre Einlageüberschüsse sicher und liquide anzulegen.

          Deshalb kommen die Tresore ins Spiel. Nahezu alle europäischen Banken dürften derzeit prüfen, wie sie ihre überschüssigen Gelder vor den Negativzinsen der EZB retten können. Von der Commerzbank ist nun als erster Bank bekannt geworden, dass sie Tresore als Option erwägt. Sollte es dazu Beschlüsse geben, wäre dies eine unternehmerische und keine politische Entscheidung der Bank, betont der Commerzbanksprecher.

          Größere Folgen bei den Versicherern

          Damit tritt er Meinungen entgegen, es wäre besonders politisch brisant, wenn ausgerechnet die Commerzbank der EZB ihr Geld entziehe. Dahinter steht, dass der deutsche Staat mit fast 16 Prozent an der Commerzbank beteiligt und damit ihr wichtigster Aktionär ist. Mehrere deutsche Politiker hatten in den vergangenen Monaten die ultralockere Geldpolitik der EZB kritisiert. Finanzminister Wolfgang Schäuble hatte sie sogar gewarnt, ihre Folgen nährten in der Bundesrepublik „euroskeptische Bestrebungen“. Am Mittwoch hieß es nun, das Bundesfinanzministerium sei über die Ideen der Commerzbank, den Negativzinsen der EZB auszuweichen, informiert und habe bisher keine Einwände.

          Bei den Versicherern hat die Zinspolitik der EZB schon sichtbarere Folgen im Anlageverhalten gehabt als bei den Banken. Die Münchener Rück, größter Rückversicherer der Welt, hat schon Gold und eine zweistellige Millionensumme in Tresore gelegt, wie der Vorstandsvorsitzende Nikolaus von Bomhard im März sagte. Außerdem bekommen Versicherer immer mehr Anfragen, Tresore und Schließfächer zu versichern, wie die Münchener-Rück-Tochtergesellschaft Ergo berichtet hat.

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