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Digitalisierung in Deutschland : „Schlechter als in Ghana“

  • -Aktualisiert am

„Deutschland rutscht immer weiter nach hinten. Im Fußball würdet ihr so eine Schmach nicht ertragen!“, sagt Marc Walder, Ringier-Chef. Bild: Ringier

Muss ein Schweizer kommen, um den Deutschen die Misere in der Digitalisierung vorzuhalten? Ringier-Chef Marc Walder tut es mit Freude.

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          Deutschland hat sich mit seinem digitalen Dilettantismus in der Corona-Krise weithin zum Gespött gemacht. Die Höchststrafe jedoch ist es, wenn die Häme von einem kleinen Bergvolk in der Nachbarschaft kommt. Der Schweizer Marc Walder ist einer dieser Spötter, im Hauptberuf Chef des Medienkonzerns Ringier, aus Berufung oberster Digitalisierungsapostel der Eidgenossen.

          Georg Meck
          (mec.), Geld & Mehr, Wirtschaft

          „Es ist eine Schande, wie weit Deutschland als wichtige Industrienation zurücksteckt“, sagt der Manager und verweist auf das globale Ranking der IMD Business School in Lausanne zur digitalen Wettbewerbsfähigkeit der Nationen: Auf dem dritten Platz steht die Schweiz, Deutschland liegt abgeschlagen auf dem 17.Rang, noch hinter Österreich: „Eine Katastrophe, Deutschland rutscht immer weiter nach hinten! Im Fußball würdet ihr so eine Schmach nicht ertragen“, frotzelt Walder, der in jungen Jahren als Tennisprofi sein Geld verdient hat.

          Auf dem Trainingsplatz, so geht die Legende, hat er den Verleger Michael Ringier kennengelernt, der ihn sodann in seinen 1831 gegründeten Familienkonzern holte. Walder begann als Volontär im Journalismus, arbeitete sich erst zum Chefredakteur hoch, dann zum Vorstandschef und wurde schließlich mit zehn Prozent der Anteile zum Miteigentümer. Die Holding bringt heute mehr als 120 Medienmarken in 20 Ländern heraus, die Hälfte der Erlöse und – noch wichtiger – mehr als 70 Prozent der Gewinne stammen bereits aus digitalen Geschäften.

          „Schulen unterrichten wie vor 40 Jahren“

          Missionar Walder, einst an der Harvard Business School in Boston zum Hightech-Glauben erweckt, investiert so rasant wie mutig in E-Commerce-Plattformen, Internetportale für Jobs, Autos, Immobilien, Show-Veranstalter und etliches mehr – insgesamt mehr als 60 Transaktionen für zwei Milliarden Schweizer Franken. Und da sein Ehrgeiz für den reinen Managerjob zu groß ist, hob er die größte Standortinitiative in der Schweiz aus der Taufe: „Digitalswitzerland“, entstanden 2017 in Davos, zunächst mit den üblichen Schweizer Verdächtigen: Großbanken und Versicherungen. Heute zählt die Gruppe 200 Mitglieder, „Unternehmen, staatliche Institutionen, alle großen Universitäten“, wie Walder berichtet. Die Truppe arbeitet an der Verbesserung des regulatorischen Rahmens, mobilisiert Kapital für Start-ups, kümmert sich um die Bildung. „Viele Schulen unterrichten, als gäbe es keine Digitalisierung, mit Lehrplänen aus meiner Schulzeit vor 40 Jahren“, echauffiert sich Walder.

          Der Mann mit dem kahlen Schädel und der Sportlerfigur ist 55 Jahre alt. Als er die Schulbank drückte, waren iPad und Smartphone noch lange nicht erfunden, Amazon, Google, Facebook existierten nicht mal in der Phantasie. Um die Bevölkerung für den Wandel zu sensibilisieren, hat Walder den Schweizer „Digitaltag“ erfunden, eine Art weltlichen Feiertag zu Ehren des technischen Fortschritts. „Das Projekt wird jetzt international“, sagt er stolz, da er die Idee vom „europäischen Digitaltag“ in ein halbes Dutzend Länder exportiert. Nur in Deutschland fruchtet all sein Bemühen nichts. „Ich habe es immer wieder versucht, immer wieder dafür geworben.“ Walder hat in Berlin bei der Regierung vorgesprochen, auch bei Digitalisierungsministerin Dorothee Bär, hat sich des Rückhalts der deutschen Start-up-Szene versichert – es half alles nichts. Es rührt sich leider zu wenig, so klagt der Schweizer über den großen Nachbarn: „Dabei wäre es höchste Zeit, dass sich auch in Deutschland Verwaltung, Wirtschaft und Bildung zusammentun.“

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