https://www.faz.net/-gqe-9d5lk

Schlechte Ernteprognose : Geht Deutschland das Getreide aus?

  • Aktualisiert am

Getreidesäcke mit den Landesflaggen deutscher Bundesländer Bild: dpa

Wegen der andauernden Dürre könnte Deutschland zum ersten Mal seit vielen Jahren auf Getreide aus dem Ausland angewiesen sein.

          1 Min.

          Deutschland dürfte infolge der Trockenheit dieses Sommers wieder zu einem Netto-Importeur von Getreide werden. Darauf weist die Commerzbank in einer Analyse der Agrarrohstoff-Märkte vom Donnerstag hin. In den meisten der vergangenen Jahren hatte Deutschland mehr Getreide erzeugt, als die eigene Bevölkerung benötigte. Die Commerzbank bezieht sich auf die Ernteprognose des Deutschen Raiffeisenverbands (DRV). Der korrigierte seine Prognose der Getreideernte auf 36,3 Millionen Tonnen nach unten, was der niedrigste Wert seit 1994 wäre. Die Erntemenge liege rund 20 Prozent unter derjenigen des Vorjahres und 25 Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre.

          In den beiden vergangenen Jahren hatte Deutschland laut Statistischem Bundesamt je rund 13 Millionen Tonnen Getreide in andere Länder verkauft – und je rund 9,5 Millionen Tonnen Getreide eingeführt. Insbesondere war es Netto-Exporteur von Weizen, während unterm Strich mehr Mais – ein Tierfutter – aus dem Ausland kam. Schon die Ernte von 2017 war vergleichsweise schlecht gewesen und lag bei rund 46 Millionen Tonnen.

          Die Außenhandelsdaten müssen nicht den Ernte-Veränderungen folgen; Bauern und Agrarhändler wie Raiffeisen, Agravis, Baywa oder Cargill betreiben in großem Stil Lagerhaltung und verkaufen in der Regel dann, wenn die Preise attraktiv scheinen. Analysten der Deutschen Bank erwartet neuerdings für 2019 einen signifikanten Anstieg der globalen Getreidepreise – angesichts noch großer Reserven auf der Welt sind die Preise für Weizen zwar derzeit noch niedrig, aber die Terminkontrakt-Preise an den Börsen von Chicago und der Pariser Matif beginnen stark zu steigen.

          Die Selbstversorgung mit Getreide oder Lebensmitteln ist ein Konzept, das unterschiedlichen Definitionen unterliegen kann – je nachdem, ob Ess-Getreide oder auch Futter hinzugezogen werden, je nach wert- oder mengenmäßiger Betrachtung. Während etwa Japan, Italien, Südkorea oder Großbritannien stark auf Lebensmittelimporte angewiesen sind, zählen die Vereinigten Staaten oder Frankreich zu den großen Netto-Exporteuren. Sie versorgen etwa Großteile von Nordafrika. Deutschland erzeugte zuletzt etwa so viele Lebensmittel, wie die eigene Bevölkerung verbraucht.

          Weitere Themen

          VW vertagt Entscheidung über Werk in der Türkei

          Bericht: : VW vertagt Entscheidung über Werk in der Türkei

          Ursprünglich hatte VW der Türkei einen Vertragsabschluss über das Werk für Oktober in Aussicht gestellt. Aufgrund der Invasion türkischer Truppen im Norden Syriens könnte der Deal möglicherweise platzen.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.