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300 Milliarden Dollar : Deutschland schafft den höchsten Überschuss der Welt

  • Aktualisiert am

Mercedes-Autos werden am Autoterminal in Bremerhaven verladen. Bild: Picture-Alliance

Die Zahl sorgt regelmäßig für Streit, besonders seit Donald Trump Deutschland ins Visier genommen hat: Was Fachleute des Ifo-Instituts nun ausgerechnet haben, wird dem Präsidenten gar nicht gefallen.

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          Deutschland wird in diesem Jahr von allen Ländern der Welt den größten Leistungsbilanzüberschuss erzielen. Das sagen die Fachleute des Ifo-Wirtschaftsforschungsinstituts in München voraus. Er dürfte sich auf umgerechnet 299 Milliarden Dollar summieren, sagen die Ökonomen auf Basis von Hochrechnungen voraus. Mit weitem Abstand folgt Japan mit 200 Milliarden Dollar vor den Niederlanden mit ungefähr 110 Milliarden Dollar. „Dagegen dürften die Vereinigten Staaten wieder das Land mit dem größten Leistungsbilanzdefizit werden mit knapp 420 Milliarden Dollar“, sagte Ifo-Experte Christian Grimme.

          Die Zahlen bergen politische Brisanz schon seit langer Zeit. Zugenommen hat der Druck mit dem Amtsantritt des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, der offen wie keiner seiner Amtsvorgänger der Bundesrepublik vorwirft, damit der amerikanischen Wirtschaft zu schaden. Er drohte deshalb schon an, deutsche Autos mit neuen Zöllen zu belegen.

          China fällt zurück

          Kritik am deutschen Leistungsbilanzüberschuss kommt aber nicht nur aus dem Weißen Haus, sondern beispielsweise auch von den Fachleuten des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU-Kommission. Letztere hält Überschüsse von dauerhaft mehr als sechs Prozent des Bruttoinlandsproduktes für die Stabilität gefährdend, da Ländern mit Überschüssen solche gegenüberstehen, die Defizite haben. Den Ifo-Berechnungen zufolge dürfte der deutsche Überschuss im laufenden Jahr mit 7,8 Prozent einen Tick unter dem Wert von 2017 von 7,9 Prozent liegen.

          Das große Plus geht vor allem auf den Warenhandel zurück. In diesem Jahr dürfte der Wert der exportierten Waren den der Importe um ungefähr 265 Milliarden Euro übertreffen, sagte Ifo-Fachmann Grimme. „Haupttreiber für die Ausfuhr an Waren im ersten Halbjahr war die Nachfrage aus den anderen Ländern des Euro-Raums, den anderen EU-Ländern und aus den Vereinigten Staaten.“

          Zum Überschuss tragen aber auch die Erträge aus im Ausland angelegtem Vermögen bei, die sich auf ungefähr 63 Milliarden Euro summieren dürften. „Dauerhaft hohe Leistungsbilanzüberschüsse können dann problematisch werden, wenn die Forderungen nicht eingelöst werden können, etwa wenn das Ausland nicht mehr fähig ist, die Zinslast zu bedienen“, findet Grimme. Zahlungen an das Ausland, etwa für Entwicklungshilfe, dürften den Überschuss dagegen um rund 45 Milliarden Euro dämpfen. Auch wenn es um Dienstleistungen geht, schlägt der Rechnung des Ifo-Instituts zufolge im laufenden Jahr ein Defizit zu Buche, das etwa 18 Milliarden Euro betragen soll.

          Exportweltmeister China, mit dem Trump ebenfalls einen Handelsstreit mit höheren Zöllen angezettelt hat, dürfte in diesem Jahr dagegen nicht mehr unter den ersten drei Ländern mit den höchsten Überschüssen zu finden sein. „Aufgrund sehr starker Einfuhren und schwächerer Ausfuhren ist der Handelsüberschuss deutlich niedriger im ersten Halbjahr 2018“, erklärte Grimme. „Dabei wurde vor allem weniger in die Vereinigten Staaten und nach Europa exportiert.“ Außerdem seien die Einnahmen aus dem Auslandsvermögen kleiner geworden.

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