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EU-Rangliste : Am besten raucht, trinkt und schlemmt es sich in Deutschland

Deutschland hat das Rauchen in Restaurants zwar allgemein verboten – doch für die politische Regulierung von Alkohol, Nikotin und Essen tut der Staat im europäischen Vergleich wenig. Bild: dpa

Im Vergleich zu anderen EU-Ländern gibt es laut dem sogenannten Nanny-Index in Deutschland am wenigsten Einschränkungen für Alkohol, Nikotin und Zucker. Ein Think Tank lobt den deutschen Staat dafür – doch Gesundheitsexperten widersprechen.

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          Rauchen ist ungesund, zu viel Bier und Wein sind es auch, und wer tafelweise Schokolade isst, tut seinem Körper ebenfalls nichts Gutes. Aber ist das eine Angelegenheit für den Staat oder Privatsache seiner Bürger? Eine Studie der britischen Denkfabrik Institute of Economic Affairs (IEA) vergleicht, wie die verschiedenen europäischen Länder mit dieser Frage umgehen. Das überraschende Ergebnis: In keinem Mitgliedsland der EU nimmt die Politik durch Steuern und Verbote so wenig Einfluss auf den Konsum von Alkohol, Nikotin, Zucker und Fett wie in Deutschland.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wie die Autoren der Studie zu dem kontroversen Thema stehen, darüber lässt schon der Titel der Untersuchung keinen Zweifel: Als „Nanny State Index“ (Kindermädchen-Staat-Index) bezeichnet das marktliberale Forschungsinstitut seine jährlich ermittelte Rangliste. Aus Sicht des IEA ist diese Art von Verbraucherschutz nicht Ausdruck staatlicher Fürsorge, sondern eine bedenkliche und kontraproduktive Bevormundung. Es gebe statistisch wenig Belege, dass die „paternalistische Regulierung“ wirklich der Gesundheit der Bürger nutze. Deutschland sei „das beste Land in der EU, um zu trinken, zu rauchen und zu essen“, heißt es denn auch lobend in der Analyse.

          Kritik an fehlenden Regulierungen und Steuern

          Die Studie stößt allerdings auf heftige Kritik: „Dieses Ranking ist absurd“, sagte Luise Molling von der Organisation Foodwatch der F.A.Z. Es werde so getan als sei „jedwede gesundheitspolitische Maßnahme gleich eine Bevormundung und ein Eingriff in die individuelle Freiheit“. In Wahrheit hinke „Deutschland in der internationalen Entwicklung im Gesundheitsschutz meilenweit hinterher“.

          Widerspruch kommt auch von den Krankenkassen: „Unter Gesundheitsexperten ist es völlig unstrittig, dass Regierungen durch Gesetze die Gesundheit der Bevölkerung fördern können“, sagt Kai Kolpatzik, Leiter der Abteilung Prävention des AOK-Bundesverbandes. „Deutschland aber gleicht in vielen Bereichen sinnvoller staatlicher Krankheitsprävention einem Entwicklungsland.“ Als Beispiele nennt er die mangelnde Reduktion von Zucker in Nahrungsmitteln und ein fehlendes umfassendes Tabakwerbeverbot.

          Die umstrittene Rangliste des IEA führt Deutschland auf Platz 28 – und damit, je nach Standpunkt auf dem besten oder schlechtesten Platz in der EU. Zum Vergleich: Großbritannien landet auf Platz 4, Frankreich auf Platz 10. Dort gibt es also sehr viel weniger Laissez-faire bei der Regulierung von Genussmitteln.

          So ist Deutschland das einzige EU-Land, in dem noch Plakatwerbung für Tabakwaren erlaubt ist. Auch die Alkoholsteuern sind im europäischen Vergleich sehr niedrig: Bei hochprozentigen Spirituosen ist die Steuerbelastung in Deutschland weniger als halb so hoch wie in Großbritannien.

          Das Gegenmodell zu Deutschland ist Finnland, das der Studie zufolge am stärksten mit Steuern und Verboten eingreift.

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