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Konjunktur : Das Geschäftsklima trübt sich weiter ein

Der konjunkturelle Abwärtstrend in Europa setzt sich fort. Bild: dpa

Der Industrie-Index für Deutschland ist so niedrig wie in der Finanzkrise. Die Bundesbank weist Rezessionssorgen zurück.

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          Der konjunkturelle Abwärtstrend in Europa setzt sich fort. Für den Euroraum sank der Geschäftsklimaindex des Londoner Markit-Instituts im September auf 50,4. Für Deutschland sank er sogar auf weniger als 50 Zähler. Das ist ein Rückgang von 2,6 Punkten im Vergleich zum August. Der deutsche Markit-Index beruht auf der monatlichen Befragung von 1000 Unternehmen aller Branchen, er gilt als wichtiger Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung und lässt oberhalb von 50 Punkten Wachstum und unter dieser Schwelle eine schrumpfende Wertschöpfung erwarten.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zwar steht der Einzelindex für den Dienstleistungssektor mit 52,5 Punkten nach wie vor relativ robust da. Mit einem Minus von 2,3 Punkten schlagen aber auch hier herbe Verluste ins Kontor. Doch insbesondere für die deutsche Industrie verdüstern sich Lageeinschätzung und Geschäftserwartungen immer weiter. Mit 41,4 Punkten rangiert der Einzelindex für das verarbeitende Gewerbe nunmehr auf dem tiefsten Stand seit Mitte 2009, also auf dem Höhepunkt der Finanzkrise.

          „Die Daten für den Industriesektor sind einfach schrecklich“, sagt Markit-Ökonom Phil Smith. Bis Jahresende dürfte kaum mehr mit Wachstum zu rechnen sein. Handelskonflikte, Brexit und der Ausblick für die Autoindustrie bedingten die unverändert große Unsicherheit. Andreas Rees, für Deutschland zuständiger Chefvolkswirt von Unicredit, spricht von den „mittlerweile üblichen Verdächtigen“ in der Außenwirtschaft, die auf der Stimmung der exportorientierten deutschen Industrie lasteten. Die Stimmung hält er indes für schlechter als die tatsächliche Lage – aller Bremsspuren der eher binnenwirtschaftlich orientierten Dienstleister zum Trotz.

          Die Bundesbank weist Rezessionssorgen zurück

          Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt die Bundesbank in ihrem aktuellen Monatsbericht. Demnach sei das konjunkturelle Lagebild nach wie vor zweigeteilt: Während sich der Abschwung in der Industrie weiter fortsetze, seien die stärker binnenwirtschaftlich geprägten Bereiche „weiter aufwärtsgerichtet“. Zwar habe sich der Beschäftigungsaufbau in den vergangenen Monaten deutlich verlangsamt. Doch werde der private Verbrauch durch die unverändert gute Lage am Arbeitsmarkt und den „zuversichtlichen Einkommensaussichten der Konsumenten“ weiter gestützt.

          Rezessionssorgen weist die Bundesbank abermals zurück. „Ein zweimaliger Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Erzeugung in Folge stellt in der gegenwärtigen Situation für sich genommen noch keinen Grund zur Besorgnis dar“, schreiben ihre Ökonomen. Im zweiten Vierteljahr war die deutsche Wirtschaft um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorquartal geschrumpft. Auch für das dritte Quartal rechnet die Bundesbank mit einem leichten Rückgang der Wertschöpfung.

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