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Gutachten für Regierung : Deutschland muss sich beim digitalen Wandel sputen

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Bundeskanzlerin Angela Merkel umrahmt von der Expertenkommission und Bildungsministerin Johanna Wanka (dritte von links, CDU) Bild: dpa

Eine Expertenkommission bemängelt in ihrem Gutachten für die Regierung die deutsche Forschungsförderung. Bei der Digitalisierung hinke man weiter hinterher. Es gibt aber auch Lob.

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          Trotz aller Aufbruchappelle hinkt die deutsche Forschungsförderung nach Ansicht eines Expertengremiums der Bundesregierung beim digitalen Wandel hinterher. „Hier ist Deutschland noch nicht hinreichend vorbereitet. In der Förderung wird der Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien immer noch nicht ausreichend berücksichtigt“, lautet ein Fazit der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI). Deren zehntes Jahresgutachten wurde am Mittwoch an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) übergeben.

          Der EFI-Vorsitzende Dietmar Harhoff betonte, mit der Umsetzung einer auf die Digitalisierung ausgerichteten Förderpolitik „sollte in der neuen Legislaturperiode unmittelbar begonnen werden“. Er fügte hinzu: „Gerade für Deutschland stellt die digitale Transformation eine radikale Innovation dar, die langfristig erarbeitete deutsche Wettbewerbs- und Spezialisierungsvorteile bedroht.“ Daher müsse die Politik „stärker als bisher junge Firmen (Start-ups) als neue Innovationsakteure in den Blick nehmen“.

          Zwischen den Firmen in Deutschland drohe eine digitale Spaltung, erklärte die Expertenkommission. „Nicht alle kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) scheinen die Bedeutung der anstehenden Veränderungen wahrzunehmen. Zudem behindern Finanzierungsbeschränkungen kleinere Unternehmen darin, notwendige Veränderungen konsequent anzugehen“, sagte die stellvertretende EFI-Chefin Monika Schnitzer. Das Politikberatungsgremium der Bundesregierung forderte daher die Einrichtung eines speziellen Programms „KMU Digital“.

          Zu wenig unbefristete Professorenstellen

          Zudem sollten mehr unbefristete Professorenstellen an Hochschulen geschaffen werden. Dies sei erforderlich, um die Beschäftigungsmöglichkeiten für Nachwuchswissenschaftler sowie das Betreuungsverhältnis zwischen Studenten und Lehrkräften zu verbessern, erklärte die Kommission am Mittwoch in Berlin bei der Vorlage ihres Jahresgutachtens.

          Die Zahl der hauptberuflich und unbefristet beschäftigten Professoren, die nicht über sogenannte Drittmittel etwa aus der privaten Wirtschaft finanziert werden, hielt demnach zuletzt nicht mit dem Anstieg der Studentenzahlen mit. Zwischen 2005 und 2015 erhöhte sie sich laut EFI um 21 Prozent auf 43.700. Die Studentenzahl stieg im selben Zeitraum aber viel stärker - und zwar um 39 Prozent auf 2,76 Millionen. In der Folge verschlechterte sich das Betreuungsverhältnis leicht. Kamen 2005 noch 51 Studenten auf einen Professor, waren es im aktuellen Berichtsjahr 59.

          Insgesamt äußerte sich die Expertenkommission allerdings positiv über die Richtung des deutschen Hochschulsystems. Seit 2005 seien Mittel und Personal deutlich aufgestockt worden, erklärte sie. Demnach wurden die sogenannten Grundmittel um 43 Prozent erhöht - und beim wissenschaftlichen und künstlerischen Personal gab es ein Plus von 60 Prozent.

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