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Mehr Erwerbstätige : Das deutsche Jobwunder geht weiter

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Ein älterer Herr mit grauen Haaren weißt eine Wand auf der Leipziger Messe. Bild: dpa

Die robuste Wirtschaftsentwicklung macht’s möglich: In Deutschland ist der Anteil der Erwerbstätigen höher als in allen anderen EU-Ländern, mit einer Ausnahme. Das hat mehrere Gründe.

          In Deutschland gehen besonders viele Menschen einer Arbeit nach. Von den 20- bis 64-jährigen Einwohnern waren im vergangenen Jahr 79 Prozent erwerbstätig, laut Statistischem Bundesamt ist das nach Schweden mit 82 Prozent der zweithöchste Wert in der EU. Seit 2007 ist der Anteil der Erwerbstätigen in Deutschland mit 6 Prozentpunkten deutlich schneller gewachsen als in Europa, wo die Quote nur um 2 Punkte auf 72 Prozent kletterte. Unter Ökonomen gibt es eine breite Mehrheit, die den Hartz-IV-Reformen hier einen großen Beitrag beimessen. 

          Der Bericht unterstreicht zudem, wie dringend der Bedarf an ausländischen Fachkräften ist. Die Zahl der offenen Stellen vor allem im Handel, im Baugewerbe sowie bei Energie- und Wasserversorgern bleibt im November so hoch wie selten zuvor, berichtete zudem die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch in Nürnberg und verwies auf den monatlich ermittelten Stellenindex BA-X. Der seit 2005 bestehende BA-X pendelte sich im laufenden Monat auf 252 Punkte ein. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stieg er um drei Punkte. Im Dezember 2017 war der Index erstmals über die 250-Punkte-Rekordmarke geklettert und hatte seither stets über diesem Wert gelegen. Die absolute Zahl der offenen Stellen will die Bundesagentur mit den November-Arbeitslosenzahlen an diesem Donnerstag veröffentlichen. Hauptgrund für die hohe Arbeitskräftenachfrage ist laut BA die gute Konjunktur. Vermehrte Jobwechsel erhöhten die Zahl neu zu besetzender Stellen zusätzlich.

          Deutschland hat dem Länder-Vergleich des Statistischen Bundesamtes zufolge allerdings eine besonders hohe Teilzeitquote unter den weiblichen Beschäftigten. Fast jede zweite erwerbstätige Frau (47 Prozent) arbeitet in Teilzeit. Häufig liegt das auch daran, dass es an Betreuungsmöglichkeiten für deren Kinder fehlt. Seit Jahren gibt es daher Forderungen aus der Wirtschaft an die Politik, die Ganztagsbetreuung auszubauen.

          Viele Selbstständige

          Die hohe Teilzeitquote erklärt auch die vergleichsweise hohe Erwerbsbeteiligung der Frauen von rund 75 Prozent hierzulande. Sie haben – neben älteren Menschen und Zuwanderern – in den vergangenen Jahren erheblich zum Beschäftigungsaufschwung in Deutschland beigetragen. Mehr als 45 Millionen Menschen sind nach aktuellen Zahlen erwerbstätig. Nur in Schweden (80 Prozent) und Litauen (76 Prozent) gehen anteilig noch mehr Frauen im normalen Erwerbsalter einem Job nach.

          In Deutschland arbeiten auch immer mehr Menschen mit über 60 Jahren noch. So ist heute deutlich mehr als jeder zweite der 60- bis 64-Jährigen erwerbstätig, wie aus dem Dritten Bericht der Bundesregierung zur Anhebung der Regelaltersgrenze auf 67 Jahre hervorgeht. Im Jahr 2000 waren es nur rund 20 Prozent – im vergangenen Jahr 58 Prozent. Der Bericht kommt an diesem Mittwoch ins Bundeskabinett, ebenso der Rentenversicherungsbericht 2018.

          Bei den Männern hat sich die Erwerbstätigenquote in dieser Altersgruppe seit 2000 auf über 63 Prozent mehr als verdoppelt. Bei den Frauen liegt die Quote mit über 53 Prozent mehr als vier Mal so hoch wie im Jahr 2000. Dass diese Quote so hoch ist, liegt auch daran, dass es viele Selbstständige gibt, die in höherem Lebensalter noch arbeiten.

          Aber auch die Quote der Beschäftigten ohne Selbstständige, die mit 60 bis 64 noch arbeiten, ist in den vergangenen zehn Jahren laut dem Bericht deutlich gestiegen, nämlich von 20,5 auf 40 Prozent. Eine andere Kernzahl des Berichts zeigt, dass bei den Beschäftigten zwischen 60 und 64 auch die absolute Zahl gestiegen ist, zwischen 2000 und 2017 nämlich um 1,5 Millionen auf 2,1 Millionen.

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