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Streit um die Rente : Ältere Deutsche finden kaum Arbeit? Stimmt nicht!

  • Aktualisiert am

Ältere weiterbilden und in offene Stellen vermitteln – das versuchen auch die Arbeitsagenturen. Bild: dpa

Finanzminister Olaf Scholz wirft den deutschen Unternehmen vor, ihre Mitarbeiter nicht lange genug zu beschäftigen. Er verlangt, sie sollten ihre Einstellungspraxis ändern. Viel deutet darauf hin, dass sie das aber längst getan haben.

          Die schwarz-rote Koalition streitet um die Rente. Am Samstagabend haben sich Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel, Innenminister und CSU-Chef Horst Seehofer und Finanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) getroffen – und sind in der Nacht ohne Ergebnis auseinander gegangen. Wie es genau weitergeht, haben sie nicht gesagt. Die Regierung verbreitet zunächst einmal Optimismus. Es sei nicht darum gegangen, abschließende Entscheidungen zu treffen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert an diesem Sonntag in einer Bürger-Pressekonferenz in der Bundespressekonferenz, dem
          Zusammenschluss der Hauptstadtjournalisten in Berlin. „Das wird in Kürze geschehen. Die Gespräche gehen weiter.“

          Doch was wird aus der Rente? Sollen die Deutsche künftig länger arbeiten oder höhere Beiträge oder Steuern zahlen oder eine Mischung aus beidem? In einem Interview mit der Zeitung „Bild am Sonntag“ hat der Finanzminister gleich noch einmal nachgelegt und den deutschen Unternehmen vorgeworfen, ihre Mitarbeiter nicht lange genug anzustellen. „Die Unternehmen müssen endlich Arbeitnehmer länger beschäftigen. Wer heute mit 57 oder 61 Jahren seine Stelle verliert, hat wenig Aussicht, eine vergleichbare Stelle angeboten zu bekommen“, sagte er da und fügte hinzu: „Wir erwarten von den Arbeitgebern, ihre Einstellungspraxis zu ändern.“

          Deutschland machte den größten Fortschritt

          Ein brisanter Vorwurf ist das. Tatsächlich deuten viele Zahlen daraufhin, dass sich hier in den vergangenen Jahren schon viel geändert hat. In Deutschland steigt das tatsächlich Renteneintrittsalter schon lange Stück für Stück. Darüber hinaus nimmt auch die Beschäftigung gerade der älteren Deutschen zu: Zahlen der Industrieländer-Organisation OECD zeigen, dass Deutschland nicht nur absolut merkliche Fortschritte gemacht hat seit der Jahrtausendwende, sondern gerade auch im Vergleich mit anderen Staaten.

          Derzeit gehen 70 Prozent der 55 bis 64 Jahre alten Deutschen einer Arbeit nach, geht aus dem sogenannten „Golden Age Index“ hervor, den die Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) jährlich erhebt und unlängst in der aktuellen Version veröffentlichte. Vor 15 Jahre waren es demnach gerade einmal 39 Prozent der Deutschen in dieser Altersgruppe gewesen.

          Sehr sichtbar sind die Veränderungen auch mit Blick auf die Deutschen im Alter zwischen 65 und 69 Jahren. Von ihnen arbeiten momentan 15 Prozent (die aktuellen in der Untersuchung verwendeten Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2016). Im Jahr, in dem PwC diese Analyse erstmals machte, betrug die Quote noch sechs Prozent. Deutschland überholte infolgedessen viele andere Länder in dem Ranking und arbeitete sich insgesamt vom 26. Platz auf den 14. Platz nach oben; wenn es um die Deutschen im Alter zwischen 55 und 64 Jahren geht, liegt die Bundesrepublik in dieser Untersuchung schon auf dem siebten Rang. „Damit hat die Bundesrepublik in den vergangenen Jahren mit die größten Fortschritte aller OECD-Länder erzielt“, schreiben die Autoren der Studie.

          Als Gründe für diesen Trend nennen sie die robuste wirtschaftliche Entwicklung der viertgrößte Volkswirtschaft der Welt und die Hartz-Reformen, aber nicht nur das. Daneben hat sich auch die Mentalität in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt. „Ältere Arbeitnehmer werden heutzutage in den allermeisten Betrieben für ihr Know-how und ihre Erfahrung geschätzt. Vor zehn oder 15 Jahren war das vielerorts noch anders“, heißt es in der Untersuchung. Dies habe sich auch durch regionale Beschäftigungspakts verändert, die etwa spezielle Weiterbildungsmaßnahmen und Praktika gerade für Ältere beinhalteten.

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