https://www.faz.net/-gqe-99j98

OECD-Studie : So schröpft Deutschland seine Arbeitnehmer

  • Aktualisiert am

Zwei Gebäudereiniger in Dresden: Deutschland belastet seine Arbeitnehmer so stark wie kaum ein anderes Land Bild: dpa

Deutschland belastet Arbeitseinkommen so stark wie kaum ein anderes Industrieland. Das geht aus einer aktuellen OECD-Studie hervor. Es trifft vor allem Geringverdiener und Alleinerziehende.

          Deutschland besteuert Arbeit so stark wie kaum eine andere Industrienation. Einkommensteuer und Sozialabgaben machten 2017 bei alleinstehenden Durchschnittsverdienern 49,7 Prozent der Arbeitskosten aus, wie aus einem am Donnerstag von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) veröffentlichten Vergleich hervorgeht. Nur von Belgien wird dieser Wert mit 53,7 Prozent noch übertroffen. Der OECD-Durchschnitt der 35 untersuchten Länder liegt dagegen bei 35,9 Prozent, in der benachbarten Schweiz beispielsweise nur bei 21,8 Prozent.

          In Deutschland stiegen Steuern und Sozialabgaben auf Arbeitseinkommen im vergangenen Jahr leicht um 0,2 Punkte, während sie im OECD-Schnitt etwas zurückgingen. „Aufgrund des hohen Anteils an Sozialabgaben sind vor allem die Einkommen von Geringverdienern und Alleinerziehenden im internationalen Vergleich stark belastet“, betonte die OECD. Für Alleinerziehende mit zwei Kindern und zwei Dritteln des Durchschnittslohns liegen in Deutschland die Abzüge durch Steuern und Sozialabgaben bei 31,5 Prozent. Das ist der fünfthöchste Wert in der OECD, wo der Schnitt mit 15,3 Prozent nicht einmal halb so hoch ist.

          In vielen Ländern seien in den vergangenen Jahren die finanziellen Zuschüsse für Familien mit Kindern deutlich gestiegen. „Die steuerliche Begünstigung für Familien mit Kindern und insbesondere für Alleinerziehende ist ermutigend“, sagte OECD-Steuerexperte Pascal Saint-Amans. „Eine Steuerpolitik, die Arbeitsanreize für Geringverdiener und Bezieher mittlerer Einkommen erhält und fördert, ist für ein inklusives Wachstum von entscheidender Bedeutung.“ Inklusives Wachstum bedeutet, dass möglichst alle Menschen an einem wirtschaftlichen Aufschwung teilhaben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Unser Sprinter-Autor: Oliver Georgi

          FAZ.NET-Sprinter : Mays Plan B bis X

          In London ist heute wieder mal ein entscheidender Tag, auf den keine Entscheidung folgen könnte. Was außer dem Brexit-Chaos an diesem Montag sonst noch wichtig wird, steht im FAZ.NET-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.