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Deutscher Zukunftspreis : Forschung in Deutschland - ein gemischtes Bild

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Frieder Meyer-Krahmer, Leiter des Fraunhofer ISI Bild:

Am Dienstag verleiht der Bundespräsident den Deutschen Zukunftspreis. Wo steht die deutsche Spitzenforschung im internationalen Vergleich? Ein Interview.

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          Am Dienstag verleiht Bundespräsident Johannes Rau im Berliner Schloss Bellevue den Deutschen Zukunftspreis 2002. Mit dem Preis soll die besondere Bedeutung von Spitzenleistungen in Wissenschaft und Technik für die Weiterentwicklung des Landes aufgezeigt und einer breiteren Öffentlichkeit ins Bewusstsein gebracht werden.

          Die Feierstunde deutscher Forschung findet auch vor dem Hintergrund einer von Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn angekündigten Nullrunde für die Dachorganisationen deutscher Spitzenforschung statt. Im Gespräch mit FAZ.NET erläutert Professor Doktor Frieder Meyer-Krahmer, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung in Karlsruhe und Jurymitglied für den Deutschen Zukunftspreis, wie es um den Forschungsstandort Deutschland bestellt ist und auf welchen Gebieten der Modernisierungsbedarf am dringendsten ist.

          Herr Meyer-Krahmer, am Dienstag wird der Deutsche Zukunftspreis für Technik und Innovation vergeben. Wie ist es nach Ihrer Ansicht um die Zukunft der deutschen Forschung bestellt, wenn man internationale Maßstäbe anlegt?

          Man kann sagen, dass das Bild, welches die deutsche Forschung bietet, zwei Seiten hat. Einmal sind wir in einigen Bereichen international in der vorderen Gruppe, beispielsweise in den Biowissenschaften, in Teilen der Materialforschung und der Kommunikationstechnik. Es gibt aber auch andere Gebiete, auf denen wir deutlich schwächer da stehen: Teile der Informationstechnik etwa. Also, das Bild insgesamt ist sehr gemischt.

          Wie ist derzeit das Investitionsklima für die wirtschaftliche Umsetzung von Forschung, wie sie beim Deutschen Zukunftspreis prämiert wird?

          Mitte der 90er Jahre hatten wir für die Gebiete Forschung und Entwicklung ein relativ schlechtes Investitionsklima. Das galt sowohl für Investitionen aus der Wirtschaft als auch für Investitionen der öffentlichen Hand. Das hat sich in den letzten Jahren auf erfreuliche Weise geändert. Gerade die Wirtschaft hat zusätzlich in die Forschung und die Entwicklung investiert, beispielsweise die Automobilindustrie. Aber auch die Regierung hat dazu beigetragen, dass wir ein Wachstum verzeichnen konnten.

          Natürlich, im Augenblick ist die Aussicht für die nächsten Jahre nicht sehr günstig. Die Mittelzuwächse, die die Regierung zur Verfügung stellt, sind eher knapp bemessen, so dass die Hoffnung bleibt, dass die Wirtschaft trotz der großen Flaute doch im nächsten Jahr wieder verstärkt in Forschung, Entwicklung und Innovation investiert. Kurz: Mittelfristig sieht es ganz positiv aus, im Augenblick ist es etwas düster.

          Welche Auswirkungen hätte die von der Regierung angedeutete Nullrunde für die Dachorganisationen deutscher Spitzenforschung (Deutsche Forschungsgemeinschaft, Max-Planck-Gesellschaft, Helmholtz-Gesellschaft, Fraunhofer-Gesellschaft) für den Forschungsstandort Deutschland?

          Ich würde die Frage gerne einmal als Bürger dieses Landes beantworten. Da hätte ich nichts dagegen, wenn es zu einer Nullrunde käme, aber dann eine Nullrunde für alle: Arbeitnehmer, Rentner und dann auch die Forschung. Dann glaube ich auch, dass es in unserem Land eine große Solidarität für solche Einschnitte gäbe, wenn man weiß, alle werden gebeten, einen Beitrag zu leisten. Statt dessen wird an einigen Stellen gespart, an anderen nicht.

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