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Deutscher Schifffahrtsmarkt : Ein Reeder engagiert sich für den Zusammenschluss

  • Aktualisiert am

Erck Rickmers bei der Schiffstaufe in Korea Bild: Sabine Vielmo

Erck Rickmers sieht Konsolidierungsbedarf in der Schifffahrtsbranche - und will dabei selbst eine tragende Rolle spielen und will sich mit anderen Reedern zusammentun.

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          Erck Rickmers ist in Hamburg gut bekannt. Der 47 Jahre alte Unternehmer, der seit gut einem halben Jahr für die SPD in der Bürgerschaft sitzt, zählt zu den größten Reedern in Deutschland. In der südkoreanischen Hafenstadt Ulsan hat er jetzt die Taufe seines 100. und 101. Schiffes gefeiert.

          So bedeutend dieses Ereignis fernab der Heimat für ihn war, seine Gedanken kreisten auch um die schwierige Lage im deutschen Schifffahrtsmarkt - und um die aus seiner Sicht dringend gebotene Konsolidierung in der Branche. Dabei will Rickmers selbst eine tragende Rolle spielen. Er lädt andere Schifffahrtsunternehmer zum Zusammenschluss mit seiner Reederei E.R. Schiffahrt ein.

          Etlichen Reedern steht das Wasser bis zum Hals

          Ausschlaggebend für diese Überlegungen sind nicht nur die deutlich gefallen Fracht- und Charterraten, die vielen Reedern schwer zu schaffen machen. Etlichen Wettbewerbern steht das Wasser schon bis zum Hals. In Deutschland gibt es rund 400 Reedereien mit durchschnittlich 9 Schiffen.

          „Für viele kleine und mittlere Reedereien wird es schwierig, sich zu behaupten“, sagte Rickmers am Rande seiner Schiffstaufe in Ulsan. Er verwies auf den erhöhten Kostendruck und die verschärften regulatorischen Anforderungen (etwa in Sachen Umweltschutz) sowie auf den Wunsch der Kapitalgeber nach einem modernen Finanz- und Rechnungswesen.

          Die Krise sei keinesfalls vorbei, sagt Rickmers

          Rickmers gab zu, dass er schon vor knapp zwei Jahren einer Konsolidierung das Wort geredet habe. Diese sei aber ausgeblieben, weil die Banken im großen Krisenjahr 2009 meist stillgehalten und ihre Darlehen nicht fällig gestellt hätten. Doch nach einem überraschend starken Zwischenhoch sei inzwischen allen klar, dass die Krise keinesfalls vorbei sei.

          Das wird nach Rickmers Einschätzung Folgen haben: „Viele Reeder sind blutleer und entkräftet und überstehen keine weitere Schwächeperiode.“ Für diese Unternehmer stelle sich dringend die Frage eines Eigentümerwechsels oder eines Zusammenschlusses mit anderen Reedern.

          Der Reeder hat ein „größeres Gebilde“ im Sinn

          Rickmers bot seine Charterreederei E.R. Schiffahrt als Fusionspartner an: „Ich denke darüber nach, mit anderen Reedern ein größeres Gebilde zu schaffen.“ Er will also keinen Konkurrenten kaufen, sondern ein neues Unternehmen gründen, in das er die Flotte seiner E.R. Schiffahrt und andere Reeder ihre Schiffe (respektive die Managementverträge) einbringen. Er selbst (beziehungsweise seine Dachgesellschaft E.R. Capital Holding) würde also die Position als Alleingesellschafter aufgeben, aber gleichwohl die Mehrheit an dem neuen Gebilde halten. „Wir wollen das Schwergewicht sein in einer neuen Konstellation.“

          Rickmers schielt mit diesem Vorstoß vor allem auf kleinere, inhabergeführte Konkurrenten. Gleichwohl hat er insgesamt Großes vor: E.R. Schiffahrt habe mit 100 zu bereedernden Schiffen und 3000 Mitarbeitern an Land und auf See schon eine ganz gute Größe. „Aber eine Reederei, die 200 oder 250 Schiffe hat, kann noch wettbewerbsfähiger sein.“ Namen möglicher Partner nannte Rickmers nicht. Wichtig sei, dass sich die Flotten sinnvoll ergänzten.

          Im laufenden Jahr plant er, mit Gewinn abzuschließen

          Der Unternehmer beteuerte, dass er seine Reederei nicht aus der Not heraus in eine größere Einheit einbringen wolle. Seine Gruppe sei zwar schmerzvoll, aber letztlich gut durch den Sturm der jüngsten Krise gekommen. Die kostspielige Restrukturierung des milliardenschweren Großauftrags über acht Containerschiffe habe das Unternehmen zwar ins Schlingern gebracht, aber nicht aus der Bahn geworfen. E.R. Schiffahrt werde das laufende Jahr mit Gewinn abschließen, versicherte er.

          Rickmers hat diese Reederei erst vor 13 Jahren gegründet. Gemessen an der addierten Tragfähigkeit aller Schiffe unter Fahrt ist sie die drittgrößte in Deutschland. E.R. Schiffahrt hat nichts zu tun mit der auf Platz neun stehenden Rickmers Reederei, die seinem älterem Bruder Bertram gehört. Die beiden gehen geschäftlich getrennte Wege. Zu Erck Rickmers Unternehmensgruppe gehört auch das Emissionshaus Nordcapital, das unter anderem Schiffsfonds auflegt. Die meisten Rickmers-Schiffe gehören privaten Anlegern, werden aber von E.R. Schiffahrt vermietet und verwaltet.

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