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Deutscher Multimedia Kongress : Hoffnungsschimmer und Sorgenkind

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Multimedia in Stuttgart Bild: multimedia market

Ernüchterung auf dem Deutschen Multimedia Kongress: Nennenswerte Umsätze im M-Commerce wird es so bald nicht geben.

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          Mit verhaltenen Prognosen wurde in Stuttgart der Deutsche Multimedia Kongress eröffnet, der dieses Jahr unter dem Motto „Managing the New Economy“ steht. Auf der „Elephantenrunde“ mit Peter Zencke (SAP), Klaus Eierhoff (Bertelsmann), Erwin Staudt (IBM), Heribert Schmitz (HP), Rainer Wiedmann (Präsident des dmmv, Geschäftsführer die Argonauten) und Ulrich Dietz (GFT) überwog dennoch die Überzeugung, dass die Wachstumsdelle der ersten Monate im Jahr wieder in Schwung kommen werde.

          Hoffnungsschimmer beim E-Business

          „Im Moment investieren die 30 führenden deutschen Großunternehmen rund 17 Milliarden Mark, um ihre Geschäfte auf E-Business zu trimmen“, meinte Erwin Staudt optimistisch. Und auch dmmv-Präsident Wiedmann sprach lediglich von verlangsamtem Wachstum wegen der geringeren Adaptionsgeschwindigkeit bei Konsumenten- wie Businessanwendungen: „Das Lehrgeld im E-Business ist bezahlt, jetzt sollten die Unternehmen investieren“, riet Wiedmann.

          Darüber hinaus waren sich alle Diskussionsteilnehmer einig, dass es darum gehe, die eigene Unternehmenskultur in Richtung New Economy umzubauen, vor allem was die Geschwindigkeit betrifft. Hewlett Packard geht voran: „Die 90.000 Mitarbeiter sollen bei uns wieder stärker lernen wie ein kleines Unternehmen zu agieren“ fasste Deutschlandchef Schmitz die Unternehmensausrichtung zusammen und merkte kritisch an: „Es gelingt uns in Deutschland kaum, Netzwerke zwischen kleinen und mittelständischen Unternehmen zu stimulieren, um Gesamtlösungen am Markt anbieten zu können“.

          Sorgenkind M-Commerce

          Mehr als ernüchternd fielen hingegen die Prognosen für das derzeitige Hypethema „Wireless“ und M-Commerce aus. Vor 2003 seien mit dem neuen Vertriebskanal über das Handy keine nennenswerten Umsätze zu machen. Drastisch korrigierte Patricia Neuhaus von Marktforschungsinstitut Jupiter MMXI erwartete Umsatzzahlen nach unten. Demnach ist mit Einnahmen von rund einer Milliarde Euro für ganz Westeuropa erst in zwei Jahren zu rechnen. Pro Nutzer geht Jupiter dann von 400 bis 700 Euro aus. „Zwergenhaft“ nannte Neuhaus diese Zahlen im Vergleich zu Umsätzen, die über den PC und E-Commerce generiert werden. Selbst bis zum Jahr 2005 ändere sich laut Neuhaus daran wenig.

          Auch in prädestinierten Ländern wie Italien mit 70 Prozent Mobilfunkpenetration sieht Neuhaus wenig Chancen für nennenswerte Umsätze. Denn gerade vorkonfigurierbare Dienste lebten von hoher Internetdichte und -nutzung, die aber gerade dort noch sehr niedrig sei. Anders in Skandinavien, wo Internet als auch Mobilfunk stark genutzt werden. Hier hemmten wie in ganz Europa die Kosten für die Dienste. Dazu komme, dass die Services noch zu wenig bekannt bei den Kunden seien und zudem die Bedienung zu wünschen übrig lasse.

          Ebenfalls bitter für Mobilportale und Unternehmen, die M-Commerce als zusätzlichen Vertriebskanal und als Instrument zur Kundenbindung einsetzen wollen: Ortsbezogene Werbung auf dem Handy gibt Jupiter MMXI kaum eine Chance. Viel eher könnten sich Orientierungshinweise, die der Nutzer selbst abruft, bei den Konsumenten durchsetzen.

          GFT gegen den Trend

          Trotz aller Unkenrufe der Marktforscher gab der umsatzstärkste deutsche Internetdienstleister GFT auf dem Deutschen Multimediakongress eine strategische Partnerschaft mit der Münchener Wireless Vision bekannt, die auf Inhalte für interaktive mobile Kommunikation spezialisiert ist und mobile Marketingkampagnen konzipiert. Zusammen mit der jüngsten GFT-Beteiligung, dem Trendforscher cscout, will man künftig bestehenden Kunden ein bis zweitätige Workshops anbieten, um das Potential von Mobilen Anwendungen auszuloten. Aktuelles Beispiel ist eine B-to-B-Applikation für t-motion, dem Wap-Portal der Telekom. Wireless Vision beschafft Inhalte von Dritten, die für WAP „übersetzt und veredelt werden“.

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