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Außenhandel : Deutscher Export knackt Billionen-Marke schon jetzt

  • Aktualisiert am

Container werden am Bahnhof Frankfurt-Ost verladen. Bild: dpa

„Die Währungsunion hat ihre Konjunkturkrise endgültig hinter sich gelassen“, sagt der Außenhandelschef des DIHK. Eine Zahl macht den Fachmann aber nachdenklich.

          Die deutschen Exporteure haben so früh wie noch nie in einem Jahr die Umsatzmarke von einer Billion Euro geknackt.
          In den ersten zehn Monaten wuchsen die Ausfuhren um 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 1,06 Billionen Euro, teilte das  Statistische Bundesamt an diesem Freitag mit. „Damit wurde erstmals schon in einem Oktober die Billionen-Grenze übertroffen", sagte der Außenhandelschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier.

          In den beiden Vorjahren gelang dies erst im November. Im Jahr 2011 waren erstmals überhaupt in einem Jahr mehr als eine Billion Euro im Ausland umgesetzt worden.

          „Ein wichtiger Treiber hinter dem Aufschwung ist die Eurozone“, sagte Treier: „Die Währungsunion hat ihre Konjunkturkrise endgültig hinter sich gelassen.“ Die deutschen Exporte dorthin wuchsen deshalb in den ersten zehn Monaten mit 6,6 Prozent überdurchschnittlich, weil Länder wie Frankreich, Italien und Spanien mittlerweile wieder wachsende Wirtschaftsleistungen aufweisen. Etwa 37 Prozent der deutschen Ausfuhren gehen in die Währungsunion. Aber auch das Geschäft mit China, Russland und den Vereinigten Staaten wächst spürbar.

          Noch stärker nehmen derzeit die Einfuhren zu. Sie legten bis Oktober um fast neun Prozent auf 859 Milliarden Euro zu - weil die Unternehmen hierzulande wieder mehr investieren und die Verbraucher mehr konsumieren. „Hier kam der stärkste Impuls vor allem aus den EU-Ländern“, sagte der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Holger Bingmann. „Ein weiterer Beweis dafür, wie wichtig Europa für die deutsche Wirtschaft ist.“ Die Exporte übertrafen die Importe in den ersten zehn Monaten um mehr als 200 Milliarden Euro. Deutschland steht wegen seiner enormen Exportüberschüsse international teils in der Kritik, etwa von Seiten der amerikanischen Regierung.

          Allerdings verloren das Auslandsgeschäft zuletzt an Schwung. Im Oktober sanken die Exporte bereits zum zweiten Mal in Folge um 0,4 Prozent zum Vormonat. „Das stimmt nachdenklich", sagte Treier. „Das Geschäft mit Ländern wie Großbritannien und der Türkei entwickelt sich negativ.“ Hinzu komme noch der stärkere Euro, der deutsche Waren in anderen Währungsgebieten verteuert. „Auch die Verunsicherung durch protektionistische Äußerungen dämpft“, sagte der DIHK-Experte. So sähen die amerikanischen Steuerpläne eine Art Grenzausgleichssteuer vor, die wie ein Importzoll auf Vorleistungen aus dem Ausland wirkten.

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