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Alpenverein in der Grauzone : Das große Geschäft mit den Kletterhallen

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Populärer Sport: Klettern in Hallen wird immer beliebter Bild: Franziska Gilli

Klettern in Hallen wird in Deutschland immer beliebter. Doch der Deutsche Alpenverein nutzt die Gemeinnützigkeit aus und bringt Privatinvestoren gegen sich auf. Die finden: „Der DAV ist wie eine Krake.“ Was steckt dahinter?

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          Der rasant wachsende Deutsche Alpenverein (DAV) ist mit fast 1,3 Millionen Mitgliedern nach dem Deutschen Fußball-Bund einer der reichsten und mächtigsten Sportverbände im Lande. Für Freizeitwanderer ist die Organisation eine Art ADAC der Berge mit vielen Serviceleistungen: günstige Hüttenübernachtungen, Rabatte auf Ausrüstung, Versicherungspakete, Alpinkurse.

          Mit seiner wirtschaftlichen Potenz befeuert der Verband auch den Kletterhallen-Boom. So wird ein jüngeres, konsumfreudiges, urbanes Publikum angesprochen, an manchen Orten entstehen Kletterarenen mit Gastronomie, Fitnessklub und Shop. Unter dem Dach des Alpenvereins und seinen 365 regionalen Sektionen gibt es derzeit mehr als 200 Kletterhallen, weitere entstehen gerade. Doch die Expansion in den Städten sorgt für Krach.

          Vermengung mit Kommerz

          Private Unternehmer, die auf eigenes Risiko in den populären Sport investieren, wollen nicht mehr zusehen. Sie beklagen eine Wettbewerbsverzerrung: dass der DAV Vereinssport und Kommerz auf unzulässige Weise vermenge und das private Gewerbe damit kaputtmache. In Stuttgart übernahmen jetzt erstmals zwei finanzstarke Sektionen des Alpenvereins eine große private Halle.

          „Die Spannungen nehmen dramatisch zu. Obwohl wir seit Jahren belegen, dass Kletterhallen wirtschaftliche Geschäftsbetriebe sind und ohne Subventionen sowie Steuerbegünstigungen funktionieren, nutzt der Alpenverein noch immer den Gemeinnutz und das Ehrenamt als Argumente für seine millionenschweren Großprojekte“, sagt Bruno Vacka, Vorsitzender des privaten Kletterhallenverbandes. Etwa 100 Anlagen sind in privater Hand.

          Kletterhalle des Alpenvereins in Weimar
          Kletterhalle des Alpenvereins in Weimar : Bild: dpa

          Vacka und seine Mitstreiter schrieben einen Beschwerdebrief an die Finanzbehörden aller 16 Bundesländer. Es sollte die steuerliche Beurteilung des Betriebs von DAV-Kletterhallen kritisch geprüft werden, heißt es. Zunehmend würden Stiftungsgelder im Sportstättenbereich investiert und Überschüsse nicht ordnungsgemäß besteuert. Die Schädigung der Gewerbetreibenden in diesem Bereich wachse stetig. Darauf eingegangen seien die Finanzbehörden nicht, das sei frustrierend, sagt Vacka.

          Obwohl sich der kleine Unternehmerverband auf Gerichtsurteile beruft, wonach der DAV mit den Kletterhallen sehr wohl eine wirtschaftliche Tätigkeit am Markt ausübe und wie ein Unternehmen ganz offen mit kommerziellen Anlagen konkurriere. Wie den Kletterhallenbesitzern geht es der ganzen Fitnessbranche, die sich mit ihren Studios gegen gemeinnützige Vereine, die ihre Angebote massiv erweitern und selbst zu Unternehmungen werden, im Nachteil sieht.

          Alpenverein empfiehlt offensiven Lobbyismus

          Der Alpenverein ist wie andere mitgliederstarke Sportverbände eng mit der Politik verbandelt und betreibt bis in den Kommunen intensiven Lobbyarbeit. Für die Funktionäre in den Sektionen gibt es im eigenen PR-Magazin Handlungsanweisungen: „Durch Kooperationen mit Schulen und sozialen Institutionen verankert sich die Sektion als gesellschaftliche Kraft in Stadt und Region. Intensive Kontakte zur Politik entstehen, der Verein gewinnt Anerkennung. Das kann sich positiv auf die Förderung anderer Projekte auswirken.“

          Hinterfragen, ob steuerprivilegierte und mit öffentlichen Geldern subventionierte Verbände oder Vereine übers Ziel hinausschießen, das will kaum ein Politiker. Das Thema sei zu brisant. Die FDP-Bundestagsabgeordnete Katja Hessel berichtet im Finanzausschuss des Parlaments zur Gemeinnützigkeit. Sie sagt: „Es kann nicht sein, dass Vereine unter dem Deckmantel der Gemeinnützigkeit Geschäftsmodelle aufbauen.“ Im Sinne seiner Satzung sollte ein Verein nur wirtschaftlich als Zweckbetrieb agieren dürfen, wenn er nicht mit Unternehmen auf dem Markt in Konkurrenz trete und deren Existenz gefährde.

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