https://www.faz.net/-gqe-9jv9n

Alpenverein in der Grauzone : Das große Geschäft mit den Kletterhallen

Populärer Sport: Klettern in Hallen wird immer beliebter Bild: Franziska Gilli

Klettern in Hallen wird in Deutschland immer beliebter. Doch der Deutsche Alpenverein nutzt die Gemeinnützigkeit aus und bringt Privatinvestoren gegen sich auf. Die finden: „Der DAV ist wie eine Krake.“ Was steckt dahinter?

          Der rasant wachsende Deutsche Alpenverein (DAV) ist mit fast 1,3 Millionen Mitgliedern nach dem Deutschen Fußball-Bund einer der reichsten und mächtigsten Sportverbände im Lande. Für Freizeitwanderer ist die Organisation eine Art ADAC der Berge mit vielen Serviceleistungen: günstige Hüttenübernachtungen, Rabatte auf Ausrüstung, Versicherungspakete, Alpinkurse.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mit seiner wirtschaftlichen Potenz befeuert der Verband auch den Kletterhallen-Boom. So wird ein jüngeres, konsumfreudiges, urbanes Publikum angesprochen, an manchen Orten entstehen Kletterarenen mit Gastronomie, Fitnessklub und Shop. Unter dem Dach des Alpenvereins und seinen 365 regionalen Sektionen gibt es derzeit mehr als 200 Kletterhallen, weitere entstehen gerade. Doch die Expansion in den Städten sorgt für Krach.

          Vermengung mit Kommerz

          Private Unternehmer, die auf eigenes Risiko in den populären Sport investieren, wollen nicht mehr zusehen. Sie beklagen eine Wettbewerbsverzerrung: dass der DAV Vereinssport und Kommerz auf unzulässige Weise vermenge und das private Gewerbe damit kaputtmache. In Stuttgart übernahmen jetzt erstmals zwei finanzstarke Sektionen des Alpenvereins eine große private Halle.

          „Die Spannungen nehmen dramatisch zu. Obwohl wir seit Jahren belegen, dass Kletterhallen wirtschaftliche Geschäftsbetriebe sind und ohne Subventionen sowie Steuerbegünstigungen funktionieren, nutzt der Alpenverein noch immer den Gemeinnutz und das Ehrenamt als Argumente für seine millionenschweren Großprojekte“, sagt Bruno Vacka, Vorsitzender des privaten Kletterhallenverbandes. Etwa 100 Anlagen sind in privater Hand.

          Kletterhalle des Alpenvereins in Weimar

          Vacka und seine Mitstreiter schrieben einen Beschwerdebrief an die Finanzbehörden aller 16 Bundesländer. Es sollte die steuerliche Beurteilung des Betriebs von DAV-Kletterhallen kritisch geprüft werden, heißt es. Zunehmend würden Stiftungsgelder im Sportstättenbereich investiert und Überschüsse nicht ordnungsgemäß besteuert. Die Schädigung der Gewerbetreibenden in diesem Bereich wachse stetig. Darauf eingegangen seien die Finanzbehörden nicht, das sei frustrierend, sagt Vacka.

          Obwohl sich der kleine Unternehmerverband auf Gerichtsurteile beruft, wonach der DAV mit den Kletterhallen sehr wohl eine wirtschaftliche Tätigkeit am Markt ausübe und wie ein Unternehmen ganz offen mit kommerziellen Anlagen konkurriere. Wie den Kletterhallenbesitzern geht es der ganzen Fitnessbranche, die sich mit ihren Studios gegen gemeinnützige Vereine, die ihre Angebote massiv erweitern und selbst zu Unternehmungen werden, im Nachteil sieht.

          Alpenverein empfiehlt offensiven Lobbyismus

          Der Alpenverein ist wie andere mitgliederstarke Sportverbände eng mit der Politik verbandelt und betreibt bis in den Kommunen intensiven Lobbyarbeit. Für die Funktionäre in den Sektionen gibt es im eigenen PR-Magazin Handlungsanweisungen: „Durch Kooperationen mit Schulen und sozialen Institutionen verankert sich die Sektion als gesellschaftliche Kraft in Stadt und Region. Intensive Kontakte zur Politik entstehen, der Verein gewinnt Anerkennung. Das kann sich positiv auf die Förderung anderer Projekte auswirken.“

          Hinterfragen, ob steuerprivilegierte und mit öffentlichen Geldern subventionierte Verbände oder Vereine übers Ziel hinausschießen, das will kaum ein Politiker. Das Thema sei zu brisant. Die FDP-Bundestagsabgeordnete Katja Hessel berichtet im Finanzausschuss des Parlaments zur Gemeinnützigkeit. Sie sagt: „Es kann nicht sein, dass Vereine unter dem Deckmantel der Gemeinnützigkeit Geschäftsmodelle aufbauen.“ Im Sinne seiner Satzung sollte ein Verein nur wirtschaftlich als Zweckbetrieb agieren dürfen, wenn er nicht mit Unternehmen auf dem Markt in Konkurrenz trete und deren Existenz gefährde.

          Weitere Themen

          60 Satelliten auf einmal ins All Video-Seite öffnen

          Internet 2.0 von SpaceX : 60 Satelliten auf einmal ins All

          Die erdnahen Trabanten stellen die erste Stufe eines geplanten Netzwerks des Internetdiensts Starlink dar, das Hochgeschwindigkeits-Internet für zahlende Kunden auf der ganzen Welt zur Verfügung stellen soll. Starlink ist ein Projekt des Unternehmers Elon Musk.

          Topmeldungen

          Kandidatenfeld wächst auf acht : Wer folgt auf May?

          Acht amtierende oder ehemalige Minister aus dem Kabinett der scheidenden Premierministerin haben bislang bekundet, Theresa May beerben zu wollen. Favorit ist Boris Johnson. Es gibt allerdings auch schon prominente Absagen.

          FAZ Plus Artikel: Selbstverantwortung : Kümmer dich um mich!

          Deutschland diskutiert wieder über Sozialismus. Tatsächlich wollen Menschen nicht mehr so viel Verantwortung für ihr Leben haben. Sie lassen lieber andere für sich entscheiden. Wo ist der Wunsch nach Freiheit geblieben?

          Streit um Grenzmauer : Trump diffamiert Richter

          Präsident Donald Trump ärgert sich, weil ein Bundesrichter einen Teil der Mittel für Grenzanlagen blockiert hat. Der Richter sei ein „Aktivist“. Trump hat mittlerweile mit sieben Klagen gegen seine Mauer zu Mexiko zu kämpfen.

          Formel 1 im Liveticker : Das Ferrari-Drama nimmt kein Ende

          Beim legendären Rennen in Monaco liegen die Silberpfeile auch nach dem Start vorne. Ganz und gar nicht gut läuft es für Vettels Teamkollege Leclerc. Auch in der Box geht es turbulent zu. Verfolgen Sie das Rennen im Liveticker.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.