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Neue Umfrage : Deutsche wirtschaftlich so unzufrieden wie seit der Finanzkrise nicht mehr

  • Aktualisiert am

Containerschiffe im Hamburger Hafen: Viele Risiken für die Konjunktur sind zu erkennen. Bild: dpa

Viele Deutsche sind wegen der hohen Preise besorgt. Wenn sie nach der Sicherheit ihrer Arbeitsplätze gefragt werden, sind sie etwas zuversichtlicher. Die Unternehmen drosseln die Produktion.

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          Die Deutschen sorgen sich immer mehr wegen der wirtschaftlichen Lage. In einer Infratest-Umfrage für die ARD geben 80 Prozent der mehr als 1300 Befragten an, die wirtschaftliche Lage derzeit als weniger gut oder schlecht einzuschätzen, wie der WDR mitteilte. „Das sind doppelt so viele wie noch vor der Bundestagswahl im September 2021.“ Die Bewertung sei damit so schlecht wie seit 2009 nicht mehr, als Deutschland nach der globalen Finanzkrise in eine Rezession rutschte. Nun droht eine Rezession wegen der sprunghaft gestiegenen Inflation im Zuge des Krieges in der Ukraine.

          53 Prozent geben an, in einem Jahr dürfte die wirtschaftliche Lage noch schlechter sein. 32 Prozent gehen von einer stabilen Situation aus, zwölf Prozent glauben an eine Verbesserung. Die Deutschen sorgen sich vor allem wegen der stark steigenden Preise, weniger um ihren Arbeitsplatz. 19 Prozent halten ihren Job nicht mehr für sicher. Dagegen geben 57 Prozent an, sich große oder sehr große Sorgen zu machen, ihre Rechnungen bald nicht mehr zahlen zu können. 76 Prozent sind mit den bisherigen Entlastungsmaßnahmen der Regierung weniger oder gar nicht zufrieden.

          Zufriedenheit mit der Ampel sinkt

          Das spiegelt sich auch in der Bewertung der Ampel-Koalition im Bund, die auf einem neuen Tiefpunkt liegt. Nur noch 29 Prozent äußern sich zufrieden beziehungsweise sehr zufrieden - zwei Prozentpunkte weniger als in der vorherigen Umfrage. Die Grünen schneiden dabei noch am besten ab, die FDP nach der SPD am schlechtesten.

          Die deutschen Unternehmen haben ihre Produktion derweil im August angesichts von Materialengpässen und hohen Energiepreisen gedrosselt. Industrie, Bau und Energieversorger stellten zusammen 0,8 Prozent weniger her als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Das ist der kräftigste Rückgang seit März, dem ersten vollen Monat seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine. Zuvor befragte Ökonomen hatten mit einem Rückgang von 0,5 Prozent gerechnet, nachdem die Produktion im Juli stagniert hatte. Im Vergleich zum August 2021 lag sie um 2,1 Prozent höher.

          „Die nach wie vor große Unsicherheit über den Fortgang des Kriegs in der Ukraine und die praktisch versiegten Gaslieferungen aus Russland haben die Aktivitäten in der Industrie gedämpft“, kommentierte das Bundeswirtschaftsministerium die Daten. „Angesichts rückläufiger Auftragseingänge und einer abgekühlten Stimmung in den Unternehmen sind die Aussichten für die Industriekonjunktur in den kommenden Monaten getrübt.“

          Den Statistiker zufolge ist die Produktion nach wie vor durch die hohe Knappheit an Vorprodukten beeinträchtigt. „Gestörte Lieferketten infolge des Kriegs in der Ukraine und anhaltende Verwerfungen durch die Corona-Krise führen nach wie vor zu Problemen beim Abarbeiten der Aufträge“, hieß es.

          Die Industrie allein verringerte ihren Ausstoß im August um 0,1 Prozent. Dabei spielte auch das Niedrigwasser auf dem Rhein eine Rolle. „In der Herstellung von chemischen Erzeugnissen und in der Kokerei und Mineralölverarbeitung dürfte die Produktion im August unter anderem durch die Einschränkungen im Gütertransport in der Binnenschifffahrt infolge des starken Niedrigwassers beeinträchtigt gewesen sein“, hieß es dazu. In den energieintensiven Industriezweigen - die besonders unter den hohen Energiepreisen leidet - schrumpfte die Produktion mit 2,1 Prozent besonders stark. Im Baugewerbe wurde die Produktion um 2,1 Prozent verringert, während die Energieerzeugung um 6,1 Prozent schrumpfte.

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