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Plus 27,9 Prozent : Auftragsbücher der Industrie füllen sich in Rekordgeschwindigkeit

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Ist das Schlimmste überstanden? Bild: dpa

Die Zeichen für eine Erholung der deutschen Wirtschaft mehren sich. Neue Nachrichten aus der Industrie sind sogar viel besser als gedacht. Die Zahl der Kurzarbeiter sinkt insgesamt – doch in manchen Branchen nimmt sie zu.

          2 Min.

          Die Auftragsbücher der deutschen Industrie füllen sich nach dem Ende der harten Corona-Beschränkungen in Rekordgeschwindigkeit. Die Bestellungen stiegen im Juni um 27,9 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Donnerstag mitteilte.

          Zuvor befragte Volkswirte hatten im Schnitt nur mit einem Plus von 10,1 Prozent gerechnet. Im Mai hatte es schon einen Zuwachs von 10,4 Prozent gegeben, das allerdings auf einen Einbruch von 26,1 Prozent im April folgte.

          Die Erholung komme „einen großen Schritt voran“, betonte das Ministerium. Die Auftragseingänge hätten mittlerweile wieder ein Niveau von 90,7 Prozent der Bestellungen vor Ausbruch der Pandemie im vierten Quartal 2019 erreicht. „Allerdings hinken die Aufträge aus dem Ausland der Entwicklung im Inland hinterher“, so das Ministerium. „Dies zeigt auf, warum der weitere Erholungsprozess langsamer voranschreiten wird.“

          Weniger Kurzarbeit

          Die Aufträge aus Deutschland kletterten im Juni um 35,3 Prozent, die aus dem Ausland um 22,0 Prozent. Dabei legten die Aufträge aus der Europäischen Währungsunion um 22,3 Prozent zu, die aus dem restlichen Ausland um 21,7 Prozent.

          Die deutsche Wirtschaftsleistung hatte sich infolge der Pandemie im zweiten Quartal in Rekordtempo vermindert: Das Bruttoinlandsprodukt sank um mehr als 10 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Für das laufende Sommerquartal rechnen die meisten Experten aber mit einer Belebung.

          „Seit dem Auftragseinbruch ging es nun flott bergauf“, kommentierte Bastian Hepperle, Ökonom vom Bankhaus Lampe: „Es bleibt aber noch ein steiniger Weg bis zum Gipfel. Die Corona-Krise ist noch nicht bewältigt, so dass konjunkturelle Unsicherheiten hoch bleiben und Rückschlaggefahren drohen.“ Viele Unternehmen werden seiner Ansicht nach in kommenden Monaten weiter um ihr Überleben kämpfen, da coronabedingte Umsatzausfälle nicht aufgeholt werden und es ohne weitere staatliche Hilfszahlungen schwierig bleiben werde. „Zudem bleibt das globale Umfeld schwierig.“

          Ralph Solveen, Konjunkturfachmann der Commerzbank, kommentierte: „Dies untermauert die Erwartung, dass die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal nach dem Einbruch im zweiten Quartal wieder deutlich zulegt.“ Jens-Oliver Niklasch von der LBBW äußerte sich noch zuversichtlicher: „Hoppla! Jetzt bekommt die konjunkturelle Aufholjagd mächtig Schwung. Der Wert lag so deutlich über den Erwartungen, dass man da schon fast von einem echten Durchbruch reden kann.“ Natürlich gelten „die üblichen Vorbehalte bezüglich eines zweiten Lockdowns, aber diese Zahl macht wirklich Mut für die Konjunktur im zweiten Halbjahr“.

          „Höhepunkt überschritten“

          Die Zahl der Kurzarbeiter ist derweil einer Erhebung des Ifo-Instituts zufolge im Juli merklich gesunken – allerdings nicht in allen Branchen. Sie ging auf 5,6 Millionen zurück, wie die Münchner Forscher auf Basis einer Umfrage unter Unternehmen schätzten. Im Juni waren es noch 6,7 Millionen, im Mai sogar 7,3 Millionen.

          Der Anteil der Kurzarbeiter an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten schrumpfte damit von 20 auf 17 Prozent. „Der Rückgang hat sich zwar insgesamt beschleunigt, aber in einigen Branchen nimmt die Kurzarbeit sogar noch zu“, sagte Ifo-Arbeitsmarkt-Experte Sebastian Link.

          So legte die Zahl im Maschinenbau weiter zu, und zwar von 354.000 auf 378.000. In der Elektrobranche gab es einen Anstieg von 11.000 auf 271.000.

          In der Industrie insgesamt nahm die Kurzarbeit wiederum nach den Ifo-Schätzungen von 2,3 auf 2,1 Millionen ab – darunter in der Metallindustrie und in der Autobranche. „Wesentlich stärker ging die Kurzarbeit bei den Dienstleistern zurück“, betonte das Forschungsinstitut. Im Gastgewerbe sank die Zahl von 672.000 auf 465.000, im Bereich Verkehr und Lagerei von 308.000 auf 256.000 und bei den sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistern von 672.000 auf 603.000, im Handel von 963.000 auf 637.000.

          Der Bundesagentur für Arbeit (BA) zufolge bezogen im Mai offiziell 6,7 Millionen Arbeitnehmer konjunkturbedingt Kurzarbeitergeld. Für Juni rechnet sie mit etwa 4,5 Millionen. „Der Höhepunkt der Inanspruchnahme dürfte somit bereits überschritten sein“, sagte BA-Vorstand Daniel Terzenbach kürzlich.

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