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Probleme der Autoindustrie : Deutsche Wirtschaft schrumpft erstmals seit 2015

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Auf dem BER in Berlin hat Volkswagen Autos zwischengeparkt, die nicht rechtzeitig zugelassen werden konnten. Bild: dpa

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt ist im dritten Quartal zum ersten Mal seit 2015 gesunken. Es lag um 0,2 Prozent niedriger als im zweiten Quartal 2018. Die Gründe sind der Handelskonflikt und ein neuer Abgas-Prüfstandard.

          Die deutsche Wirtschaft ist zum ersten Mal seit dreieinhalb Jahren wieder geschrumpft. Belastet von schwächelnden Exporten und sinkenden Konsumausgaben der Verbraucher verringerte sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in einer ersten Schätzung in Wiesbaden mitteilte.

          Zum letzten Mal war die Wirtschaftsleistung im ersten Vierteljahr 2015 rückläufig. Damals war das BIP um 0,1 Prozent gesunken. Ökonomen gehen davon aus, dass sich der Aufschwung in Deutschland trotz des schwachen dritten Quartals fortsetzt.

          Auch die Bundesregierung rechnet nicht mit einer Rezession in Deutschland. „Der Aufschwung wurde im dritten Quartal nur unterbrochen“, schreibt das Bundeswirtschaftsministerium am Mittwoch in seinem Monatsbericht. Ohne die Probleme der Autoindustrie bei der die Umstellung auf den neuen Abgasprüfzyklus WLTP hätte es ein erneutes Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegeben. „Mit zunehmender Auflösung des Zulassungsstaus wird sich der Aufschwung bereits im Jahresschlussquartal fortsetzen“, erklärte das Ministerium. Bei zwei Rückgängen in Folge sprechen Ökonomen von einer Rezession.

          Handelskonflikt lähmt die deutsche Wirtschaft

          Der Export dämpfte das Wachstum. Nach vorläufigen Berechnungen gab es im dritten Quartal 2018 weniger Ausfuhren, aber mehr Importe als im zweiten Quartal des Jahres. Die Exportnation Deutschland leidet zunehmend unter den vor allem von Amerika angeheizten Handelskonflikten.

          Das Wirtschaftsministerium rechnet in Zukunft aber wieder mit positiven Impulsen vom Welthandel. „Die Weltwirtschaft befindet sich trotz aller Missklänge im Aufschwung“, erklärte es. So boome die amerikanische Wirtschaft, auch in der EU gehe es bergauf

          Der Privatkonsum fiel als Wachstumstreiber aus. Die Verbraucher konsumierten weniger als im Vorquartal. Die historisch gute Lage auf dem Arbeitsmarkt und Lohnzuwächse hatten in der Vergangenheit für Kauflaune der Verbraucher in Europas größter Volkswirtschaft gesorgt und die Konjunktur angetrieben.

          Staat konsumiert mehr

          Die Konsumausgaben des Staates, zu denen unter anderem soziale Sachleistungen und Gehälter der Mitarbeiter zählen, legten den Angaben zufolge leicht zu. Auch die Unternehmen investierten etwas mehr in Ausrüstungen, Bauten und sonstige Anlagen als im zweiten Quartal.

          Aus Sicht von Ökonomen dürfte das weitere Wirtschaftswachstum an Stärke verlieren. Volkswirte, internationale Organisationen sowie die Bundesregierung hatten zuletzt ihre Konjunkturprognosen gesenkt.

          So rechnen beispielsweise die „Wirtschaftsweisen“ inzwischen für dieses Jahr mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von 1,6 Prozent und für 2019 von 1,5 Prozent. Etwas optimistischer ist die Bundesregierung. Sie ging zuletzt von einem Plus von jeweils 1,8 Prozent aus. Im vergangenen Jahr hatte die deutsche Wirtschaft noch kräftig um 2,2 Prozent zugelegt.

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