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Deutsche Vereine : Traumfabrik Bundesliga

Attraktive Liga: Die Massen strömen wie hier in München in die Stadien. Damit das so bleibt, braucht die Liga eine geschickte Zukunftsstrategie. Bild: Jan Roeder

Die Bundesliga ist erfolgreich wie nie. Doch um nicht abgehängt zu werden, müssen Vereine und Fans umdenken. Droht dem deutschen Fußball eine Zerreißprobe?

          Wo auch immer Christian Seifert in diesen Tagen bei Veranstaltungen auftauchte, er stand im Mittelpunkt. Die Bühne gehörte ihm – angesichts des Erfolgs der Bundesliga. Perfekt orchestriert wirkte auch der letzte Auftritt des Ligachefs vor dem Saisonstart, als die Unternehmensberatung McKinsey in dieser Woche die Zahlen einer Studie zur ökonomischen Bedeutung des Profifußballs vorlegte. Bei der Präsentation in einem Frankfurter Hotel saß Seifert neben den Autoren auf dem Podium und kommentierte die überaus positive Analyse am Schluss mit triumphalem Unterton. „Wer zehn Mal schneller wächst als die ganze deutsche Wirtschaft, der befindet sich in einer stabilen Position“, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL).

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nun ist Seifert selbstbewusst, aber auch keiner, der über das Ziel hinausschießt. Er weiß den Erfolg einzuschätzen und kennt trotz brummenden Wachstumsmotors die Defizite der Bundesliga. Das Selbstbild bei manch einem Vereinsvorstand deckt sich nicht mit der Realität. Fehlentscheidungen und schwaches Management bei den Klubs werden zwar durch den immensen Geldzufluss übertüncht, doch schwächen die Mängel die Stoßkraft der Liga gerade bei der Internationalisierung. Der Anspruch in den Klubs ist hoch, dagegen stehen nicht immer starke Leistungen in den Vorständen. Die Fans wollen die Stars auf dem Rasen, aber viele Anhänger reagieren allergisch gegen eine weitere Kommerzialisierung und aufstrebende Klubs wie das Red-Bull-Projekt in Leipzig. Hemmnisse, die den Expansionskurs stören und den Kampf um Marktanteile in der Welt gegen die anderen Topligen erheblich schwächen könnten. „Wenn wir mit den Großen mitspielen wollen, dann müssen wir uns auf das Spiel einstellen“, sagt Seifert und warnt damit die eigene Branche vor zu wenig Aktivität.

          In der Auslandsvermarktung liegt die Zukunft

          Die DFL nimmt an, dass mittelfristig durch die Globalisierung des Fußballs nur zwei oder maximal drei Ligen in Europa auf einem hohen Vermarktungsniveau funktionieren. Der Rest wird Probleme haben, sich zu finanzieren, und könnte sogar in eine rezessive Abwärtsspirale geraten. Das ist derzeit eigentlich kaum vorstellbar. Die Berater von McKinsey, die alle fünf Jahre ihre Fußballstudie herausbringen, trauen der Bundesliga zwar bis 2020 ein weiteres sattes Wachstum zu – defensiv gerechnet von immerhin 35 Prozent statt wie bisher 50 Prozent. Doch sie sehen zugleich die Gefahr, dass sich Effekte „rumdrehen“ könnten, wenn der Zuwachs nicht durch geschickte Zukunftsstrategien untermauert würde.

          Mit 2,45 Milliarden Euro behauptet die Bundesliga hinter der dominanten englischen Premier League (4 Milliarden) derzeit Platz zwei im Umsatzranking. Dahinter kommen die Ligen aus Spanien (2 Milliarden), Italien (1,7 Milliarden) und Frankreich (1,5 Milliarden). Auf den Auslandsmärkten, die das Wachstum entscheidend mitprägen, bleibt die Bundesliga aber hinter England, Spanien und Italien. Die Einnahmen durch den Verkauf der Fernsehrechte außerhalb Deutschlands wurden zwar auf 160 Millionen Euro je Saison gesteigert. Aber hier liegt die Premier League schon bei 800 Millionen im Jahr. Über die TV-Reichweite im Fernsehen und die Zahl der Fans in der Welt entscheiden am Ende auch die Einkünfte im internationalen Sponsoring-Geschäft. Fußball ist attraktiv, immer mehr auch für Unternehmen aus den Wachstumsmärkten. Sie drängten auf die globalen Absatzmärkte, viele wollten sich diese über den Fußball strategisch erschließen, sagt Henning Vöpel. Er ist Direktor und Geschäftsführer des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts. „Auch Fonds, darunter Staatsfonds aus China und dem Nahen Osten, investieren hohe Summen in TV-Rechte, Sender oder direkt in Vereine.“

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