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Geschäfte in Golfstaaten : Schmutziges Geld

Auf der Flucht: Ein Junge nahe einem kurdischen Checkpoint. Tausende Menschen sind vor der Terrorgruppe Isis aus dem irakischen Mossul geflohen. Bild: Getty Images

Deutsche Unternehmen schrecken nicht vor Geschäften in Golfstaaten zurück, die dem Terror nahestehen. Die Politik hat auch kaum Berührungsängste – Einblicke in deutsche Doppelmoral.

          6 Min.

          Endlich mal gute Nachrichten von der Deutschen Bank. Zum ersten Mal beteiligte sich das Unternehmen in diesem Jahr mit einem eigenen Wagen am Christopher Street Day in Berlin, verkündete der Konzern vor einigen Tagen. Damit unterstreicht die Bank ihr Engagement für ein „vorurteilsfreies Arbeitsumfeld“. Sie bietet „individuelle Beratungsprogramme auch für gleichgeschlechtliche Partnerschaften“. Für ihr „Diversity“-Engagement hat die Bank schon einen Preis gewonnen.

          Johannes Pennekamp
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          Was der neue Großinvestor der Bank, ein schwerreicher Scheich aus Qatar, wohl von so viel Toleranz hält? In dem Emirat verbietet das Gesetz gleichgeschlechtliche Liebe. Wer sich das nicht gefallen lässt, muss damit rechnen, ausgepeitscht und ins Gefängnis geworfen zu werden. In diesem Land hatte Scheich Hamad Bin Dschassim Al Thani bis vor einem Jahr als Ministerpräsident und Außenminister das Sagen. Der Mann ist steinreich: Zuletzt hat er sich bei einer Kapitalerhöhung 60 Millionen Deutsche-Bank-Aktien im Wert von 1,75 Milliarden Euro gesichert. In den Frankfurter Banktürmen ist man darauf stolz: Scheich Hamad sei ein angesehener globaler Investor. „Sein Vertrauen in unsere Strategie ehrt uns“, sagt ein Sprecher.

          Der aktuelle Fall der Deutschen Bank zeigt, was in zahlreichen Großkonzernen gängige Praxis ist: Während sich die Unternehmen Zuhause um eine blütenweiße Weste bemühen, Bäume pflanzen und Spendenschecks überreichen, drücken sie beide Augen zu, wenn sie dank zahlungskräftiger Investoren und Kunden aus der Golfregion Profit machen können: Deutsche Rüstungsunternehmen exportieren im großen Stil nach Qatar und Saudi-Arabien. Im vergangenen Jahr waren die beiden Staaten die zweit- und viertgrößten Empfänger deutscher Rüstungsgüter. Deutsche Ingenieure und Architekten sind in den Wüstenstaaten gern gesehen, der Retter der gestrauchelten Bonner Solarworld AG kommt aus Qatar. VW, Daimler, Air Berlin, Hochtief – sie alle gehören zum Teil Investoren aus Nahost.

          Der blutige Vormarsch der Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak und in (Groß-) Syrien (Isis) wirft ein neues Licht auf die engen Wirtschaftsbeziehungen mit der Golfregion. Denn mehrere Länder, aus denen die Milliarden nach Deutschland fließen, haben alles andere als eine weiße Weste. Beispiel Saudi-Arabien: Zwar gibt es keine offiziellen Belege für die direkte Unterstützung von Isis durch die Regierung. Doch wie schon während des Krieges in Afghanistan in den 1980er Jahren fördern saudi-arabische Privatleute islamistische Kampfverbände in Syrien.

          Die Gründung der Islamischen Armee etwa, eines Zusammenschlusses mehrerer Dutzend Milizen rund um Damaskus im vergangenen Herbst, ging von Riad aus. Um die Geldflüsse zu verschleiern, überweisen reiche Scheichs und private Geldgeber ihre Millionen auf Konten in Kuweit. Auch die Unterdrückung von Frauen und der schiitischen Minderheit hält den Westen nicht davon ab, munter weiter Geschäfte mit Saudi-Arabien zu machen.

          Auf „Hunderte Millionen Dollar“ beziffert die Denkfabrik Washington Institute die Zahlungen, die seit Beginn des Aufstands gegen Syriens Diktator Baschar al Assad an Oppositionsmilizen flossen. Das Geld stammt nicht nur aus Saudi-Arabien – auch aus Qatar, Kuweit und den Emiraten. Mehr als tausend bewaffnete Gruppen gibt es inzwischen in dem vom Krieg zerstörten Land; um sich das Wohlwollen der sunnitischen Geldgeber zu sichern, geben sie sich oft besonders religiös anmutende Namen wie „ Armee Mohammeds“.

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