https://www.faz.net/-gqe-9l46a

Deutsche und Commerzbank : Protest im Aufsichtsrat gegen Bankenfusion

Quo vadis, Commerzbank? Blick auf die Zentrale in Frankfurt Bild: Carlos Bafile

Arbeitnehmervertreter fordern Kündigungsschutz für Commerzbank-Mitarbeiter bis mindestens 2021. Die Erfahrungen aus früheren Fusionen zeigen, warum das Thema wichtig ist.

          Auf den Aufsichtsratssitzungen von Deutscher Bank und Commerzbank haben am Donnerstag die Arbeitnehmervertreter ihren Protest gegen eine Fusion deutlich gemacht. Unternehmensberater kalkulieren, dass durch einen Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank 25.000 bis 30.000 Arbeitsplätze wegfallen können. Dagegen laufen die Arbeitnehmer, angeführt von der Gewerkschaft Verdi, Sturm. Sie haben schon in der Deutschen Bank einen Kündigungsschutz für alle von der Integration der Postbank betroffenen Mitarbeiter bis zum Jahr 2021 durchgesetzt. „Wir werden es nicht zulassen, dass der komplette Stellenabbau aus einer Fusion mit der Deutschen Bank die Belegschaft der Commerzbank tragen muss“, sagte am Donnerstag ein Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der F.A.Z. „Wir fordern vielmehr auch für die Commerzbank-Mitarbeiter einen Kündigungsschutz bis mindestens 2021.“ Dann allerdings ließen sich viele Vorteile, die für die Fusion sprechen, gar nicht erreichen.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im Aufsichtsrat der Commerzbank stieß der Vorstandsvorsitzende Martin Zielke mit seinen von Arbeitnehmervertretern kritisierten Äußerungen zu den angeblichen Vorteilen eines Zusammenschlusses mit der Deutschen Bank am Donnerstag auf viel Widerspruch. Wie die F.A.Z. erfuhr, soll Zielke auf Fragen nach Kostenvorteilen wenig detailliert auf jede Menge möglicher Einsparungen hingewiesen haben, wenn man die IT beider Banken vereinheitliche. Dies soll Belustigung unter den Arbeitnehmervertretern hervorgerufen haben, wären doch zunächst große Investitionen erforderlich, um auch nur kleine Kostenvorteile aus der Vereinheitlichung der alten und von Unternehmensberatern als nur schwer harmonisierbar beurteilten IT-Systeme beider Banken zu heben.

          Commerzbank heute kleiner als vor Fusion mit Dresdner Bank

          Zum Zeitplan der seit dem Wochenende offiziell begonnenen Fusionsgespräche hielt sich Zielke bedeckt, ebenso zum geplanten Stellenabbau. Hier gibt es nach Ansicht von Fachleuten mittelfristig das größte Einsparpotential, hätten doch beide Banken zusammen 140.000 Mitarbeiter, die Hälfte davon in Deutschland. Die Erfahrung aus früheren Fusionen wie der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank 2009 zeigt, dass die fusionierte Bank schrumpft und dann weit weniger Mitarbeiter benötigt als beide Banken allein. So ist die Commerzbank heute, gemessen an der Bilanzsumme, kleiner, als sie vor der Übernahme der Dresdner Bank war.

          Im Aufsichtsrat der Deutschen Bank sitzt Verdi-Chef Frank Bsirske, in dem der Commerzbank Verdi-Vertreter Stefan Wittmann, der am Mittwoch auf der Commerzbank-Betriebsversammlung für Stimmung gesorgt hatte. Man dürfe sich nicht in eine sinnlose Fusion treiben lassen. Verdi werde sich daran messen lassen, ob es noch gelinge, die Fusion zu verhindern, so Wittmann dort. Das dürfte am Ende schwer werden, denn man wird den Arbeitnehmervertretern auch die Frage nach der Alternative stellen: Sind beide Banken allein in Zeiten noch länger tiefer Zinsen und damit wegbrechender Erträge überlebensfähig? Müssten sie nicht allein auch viele Arbeitsplätze streichen?

          Ohnehin stellt die Kapitalseite die Mehrheit im Aufsichtsrat. Auch wenn viele Investoren der Bankenfusion ebenfalls skeptisch gegenüberstehen, wollen sie das Vorhaben dem Vernehmen nach nicht torpedieren, wenn es denn angegangen wird. „Jede Woche kostet richtig Geld“, hieß es aus dem Umfeld eines wichtigen Investors. Schließlich habe die Ungewissheit das Potential, die Belegschaft zu lähmen und Kunden zu verschrecken. Daher sei Großaktionären an einer möglichst schnellen Entscheidung gelegen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kandidatur für SPD-Vorsitz : Was will Stephan Weil?

          Noch hüllt er sich in Schweigen, aber bald wird sich Stephan Weil bekennen müssen: Tritt er für den SPD-Vorsitz an oder nicht? An der Entscheidung des Niedersachsen hängt viel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.