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Deutsche Telekom : Amerika ist das Zugpferd

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Die Deutsche Telekom hat mehr Kunden gewonnen. Bild: dpa

Die Deutsche Telekom verdient mehr. Treiber ist aber nicht der Heimatmarkt, sondern das Geschäft in den Vereinigten Staaten. Doch gegen die Expansionspläne dort gibt es Klagen.

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          Vor allem in den Vereinigten Staaten laufen die Geschäfte für die Deutsche Telekom gut. Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebitda) ohne Leasingkosten stieg für die Monate Januar bis Juni auf 12,2 Milliarden Euro, 3,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Fast die Hälfte davon entfiel auf die amerikanische Tochtergesellschaft T-Mobile US, die alleine im zweiten Quartal 1,8 Millionen neue Kunden hinzugewann.

          Unter dem Strich wuchs der Gewinn um ein Viertel auf 1,8 Milliarden Euro. Vor einem Jahr hatte allerdings der Vergleich im Rechtsstreit um das Mautsystem Toll Collect mit rund 600 Millionen Euro belastet. Der Umsatz von Europas größtem Telekommunikationskonzern stieg in der ersten Jahreshälfte - um Wechselkurseffekte bereinigt - um 3,2 Prozent auf 39,2 Milliarden Euro.

          In den Vereinigten Staaten jagt T-Mobile US den Platzhirschen AT&T und Verizon seit mehreren Jahren mit einer aggressiven Preis- und Marketingpolitik Kunden ab. Für ein größeres Gewicht auf dem dortigen Markt soll die Übernahme des kleineren Rivalen Sprint für 26 Milliarden Dollar sorgen. Kürzlich hatte T-Mobile US vom amerikanischen Justizministerium
          unter Auflagen die grundsätzliche Erlaubnis für das Vorhaben bekommen.

          Rechtsstreit könnte sich Monate hinziehen

          Fest in den Händen hält der Telekom-Vorstandsvorsitzende Tim Höttges die Großtransaktion dennoch nicht. Mehr als ein Dutzend Bundesstaaten klagen gegen das Vorhaben. Aus ihrer Sicht ist es schädlich für Wettbewerb und droht, die Preise für Endverbraucher steigen zu lassen. Vor einer Lösung in diesem Streit will T-Mobile US die Übernahme wegen der rechtlichen Risiken nicht abschließen - und diese könnten sich noch Monate hinziehen.

          Für das Gesamtjahr sieht sich die Deutsche Telekom nach dem Umsatz- und Gewinnplus in den ersten sechs Monaten auf Kurs. „Im ersten Halbjahr 2019 entwickelten sich unsere Geschäfte überall gut“, sagte Höttges. „Wir sind deshalb in der Lage, die Ergebnisse zu liefern, die wir versprochen haben.“ Der Konzern erwartet einen Anstieg des Betriebsergebnis auf 23,9 Milliarden Euro.

          DT. TELEKOM

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          Im Heimatmarkt Deutschland wuchs die Telekom ebenfalls, allerdings weniger stark als in Amerika. HIerzulande zogen die Umsätze mit Mobilfunkdienstleistungen um 2,4 Prozent an. Beim Konkurrenten Telefonica Deutschland war das Plus mit 1,5 Prozent geringer ausgefallen, bei Vodafone sorgte ein Rückgang im Großhandelsgeschäft mit Partnern gar für ein Minus bei der für Marktanteile wichtigen Kennziffer. Das Europageschäft profitiert bei der Telekom weiter von dem ausgeweiteten Angebot von Produktbündeln im Festnetz und Mobilfunk.

          Das Geschäft der schwächelnden Großkundentochter T-Systems blieb im Wesentlichen stabil. Während der Umsatz leicht zurückging, konnten Auftragseingang und operatives Ergebnis leicht zulegen. Sonderkosten für Personal und Abschreibungen sorgten aber dennoch für Verluste. Die Telekom hatte vor einigen Tagen erst angekündigt, den Bereich weiter umzubauen und das Telekommunikationsgeschäft mit Geschäftskunden und Behörden künftig in die Deutschlandsparte zu integrieren. T-Systems wird sich dann stärker auf zukunftsträchtigere Bereiche wie den Betrieb von Cloud-Rechenzentren konzentrieren.

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