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Deutsche Telekom : Das zerstörte Vertrauen

  • -Aktualisiert am

Das Vertrauen zwischen Journalisten und der Deutschen Telekom ist gestört Bild: picture-alliance/ dpa

Überwachungskameras bei Lidl, ein Babyphon im Hotelzimmer von Porsche-Vorstand Wiedeking - und jetzt die Telekom: Sie hat ausspähen lassen, welche Aufsichtsräte mit welchen Journalisten telefoniert haben. Ein Schlag gegen die Pressefreiheit.

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          Eigentlich dachte man, es hätte nicht mehr schlimmer kommen können: Lidl, andere Einzelhändler und wohl auch die Schnellrestaurant-Kette Burger King spionieren ihre Mitarbeiter aus. Dass dabei gleich die Kunden an der Kasse mitgefilmt werden - wen schert es? Im Wolfsburger Hotelzimmer des Porsche-Vorstandsvorsitzenden Wendelin Wiedeking spielt jemand Detektiv und hinterlässt ein Babyphon unter dem Bett. Und jetzt kommt die Deutsche Telekom und setzt noch einen obendrauf: Sie hat offenbar durch ein Sicherheitsunternehmen ausspähen lassen, welche Aufsichtsräte mit welchen Journalisten wann telefoniert haben.

          Das ist ein Schlag in das Gesicht derer, die immer noch an den Anstand in der deutschen Unternehmenslandschaft glauben. Was ist los mit Kultur und Management in der Welt der Unternehmen, dass sich diese Fälle häufen? Wie verkommen muss man sein, um diese Vorgänge zu dulden, wenn nicht gar anzuordnen?

          Die Basis erfolgreichen Wirtschaftens ist das Vertrauensverhältnis

          In der Telekom fallen die Machenschaften in die Zeit des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Kai-Uwe Ricke und des früheren Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Zumwinkel. Die Telekom hat sich intern an Daten vergriffen, für deren Herausgabe normalerweise mit gutem Grund ein richterlicher Beschluss erforderlich ist: wie praktisch, diese schon im eigenen Unternehmen zu haben. Sie hat sich selbstherrlich über alles hinweggesetzt, was ihr an Schutzaufgabe für diese Unterlagen übertragen ist. Das Ausmaß der dadurch entstandenen Rufschädigung ist noch gar nicht absehbar.

          Es scheint, als ob die Devise „Der Zweck heiligt die Mittel“ ausgegeben wurde, um ein Unternehmen, aus dem immer wieder - und vom Vorstand ungewollt - Informationen an die Öffentlichkeit gelangten, auf Kurs zu halten. Eine solche Devise führt aber ins Verderben. Denn die Basis erfolgreichen Wirtschaftens ist das Vertrauensverhältnis, das sowohl unter Unternehmen als gegenseitigen Lieferanten als auch zwischen dem Unternehmen und seinen Kunden bestehen muss.

          Ein Schlag gegen die Pressefreiheit

          Ebenso beruht aber auch das Verhältnis zwischen Konzernen und Journalisten auf einer Vertrauensbasis, die jetzt gegenüber der Deutschen Telekom nachhaltig gestört ist. Das Ausspionieren des Telefonverkehrs von Journalisten ist ein Schlag gegen die Pressefreiheit, den Datenschutz und das Fernmeldegeheimnis. Es ist auch ein Schlag gegen die Grundlagen eines fairen Umgangs miteinander. Aufsichtsräte und Führungskräfte der Telekom sollten ebenso empfinden.

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